05.05.2008, 11:29 Uhr | Cordula Melchior
Eisenpräparate sollten nur mit ärztlicher Verordnung gegeben werden. (Foto: imago)Eisenmangel ist sehr verbreitet, so die landläufige Meinung. Ob Blässe, Konzentrationsschwierigkeiten oder Müdigkeit - schnell wird zu Eisenpille gegriffen. Dass zu viel von dem Mineralstoff auch schaden kann, wissen die wenigsten. Nun zeigt eine aktuelle US-Studie: Kinder, die zu viel Eisen schlucken, entwickeln einen niedrigeren Intelligenz-Quotienten als der Durchschnitt. Auch bei anderen Entwicklungstests schneiden sie schlechter ab. Zudem leiden Kinder wie Erwachsene bei Überdosierung häufig unter Darmbeschwerden und das Risiko für Herzerkrankungen steigt. Doch ab wann schadet der Eisenzusatz?
In der aktuellen Studie wurden 494 Kinder untersucht, die im Säuglingsalter Eisenpräparate erhalten hatten. Gleichzeitig wurde die Eisenversorgung im Blut gemessen. Das Ergebnis: Den Kindern, die im Säuglingsalter bereits gut mit Eisen versorgt waren, schadete die zusätzliche Eisenzufuhr. Bei Intelligenz- und Entwicklungstests im Alter von zehn Jahren schnitten sie rund elf Prozent schlechter ab als der Durchschnitt. Europäische Wissenschaftler sind schon länger der Auffassung, dass eine Überdosierung von Eisen fatale Folgen haben kann: "Bei kaum einem anderen Nährstoff ist die Spanne zwischen lebensnotwendiger Zufuhr und schädlicher Dosis so eng wie bei Eisen", sagt Ernährungswissenschaftler Stefan Weigt vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) in Gießen. In Europa werden Eisenpräparate für Kinder daher grundsätzlich niedriger dosiert als in den USA.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät zu ärztlicher Kontrolle, wenn Eisenpräparate eingenommen werden. "Früher wurde der Mangel überschätzt und hochgeredet", sagt DGE-Expertin Silke Restemeyer. Der aktuelle Ernährungsbericht zeige jedoch, dass ein Mangel nur bei bestimmten Risikogruppen, wie zum Beispiel bei Schwangeren, Stillenden und jungen Frauen auftritt. Zudem lasse sich eine Unterversorgung leicht durch ausgewogene Ernährung vermeiden. Gute Eisenquellen sind Fleisch, Eier, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Wer dennoch den Verdacht auf Eisenmangel hat, sollte bei einem Arzt die Eisenwerte kontrollieren lassen, bevor er zur Pille greift.
In Deutschland dürfen Lebensmittel nur in Ausnahmefällen mit Eisen angereichert werden. Die Eisenmengen in Frühstücksflocken und Cornflakes werden von DGE-Expertin Restemeyer als unkritisch angesehen. Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) schätzt die Mengen als unbedenklich ein: "Eisen aus Cornflakes ist schlecht bioverfügbar", sagt Dr. Klaus Großklaus. "Da besteht kein Risiko." Dennoch schreibt das Amt in einer Stellungnahme: "Aus Sicht des BfR ist mit der Verwendung von Eisen ein hohes Risiko für unerwünschte Wirkungen verbunden." Ausnahmegenehmigungen für weitere Lebensmittel würden daher nicht erteilt. Stefan Weigt vom UGB rät vom Verzehr angereicherter Cornflakes ab. So könne das zugesetzte Eisen die Aufnahme anderer Stoffe, wie zum Beispiel Zink verringern.
Beim Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln ist grundsätzlich Vorsicht angebracht. Auch Multi-Vitamin-Präparate können Eisen enthalten. Kürzlich hatte eine groß angelegte Studie gezeigt, dass auch die Aufnahme von zu vielen künstlichen Vitaminen das Leben verkürzen kann. In einer so genannten Meta-Analyse verglichen Wissenschaftler die Ergebnisse von 47 anderen Studien mit mehr als 180.000 Menschen. Dabei zeigte sich, dass die Einnahme der Vitamine E, Betakarotin und Vitamin A die Sterblichkeit um jeweils vier, sieben und 16 Prozent erhöhten.
Auch das Magazin "Öko-Test" hatte in jüngster Zeit zahlreiche Vitaminpräparate unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Viele Zusatzstoffe sind unnötig. Zudem enthalten viele Nahrungsergänzungsmittel ein Vielfaches der empfohlenen Tagesdosis. Wissenschaftler weisen immer wieder darauf hin: In Deutschland herrscht kein Vitaminmangel. "Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass die meisten Altersgruppen die Referenzwerte für die Vitaminzufuhr im Durchschnitt erreichen", so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Auch der Mythos, dass in Obst und Gemüse heutzutage kaum noch Vitamine enthalten sind, wird von den DGE-Experten ins Reich der Märchen verwiesen. Nur Risikogruppen wie Raucher, Diät-Fans oder Schwangere brauchen eventuell zusätzliche Nährstoffe.
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Cordula Melchior
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