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Schüren Pharmafirmen Zeckenpanik?

aktualisiert am 05. Mai 2009 | bri
Zecken können die Hirnhautentzündung FSME übertragen. (Foto: imago)
Zecken können die Hirnhautentzündung FSME übertragen. (Foto: imago)
Laut Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" schüren Pharma-Hersteller Panik vor Zecken. Angeblich verbreiten sie irreführende Informationen über die Gefahr, sich mit der Hirnhautentzündung FSME anzustecken, die durch Zecken übertragen wird. So sollen sie etwa Deutschlandkarten veröffentlichen, die suggerieren, dass man sich in ganz Deutschland mit FSME anstecken könne. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt FSME weniger bedrohlich ein: Nur in Süddeutschland bestehe Infektionsgefahr.


Fallen Zecken von Bäumen? Zecken-Mythen aufgedeckt
Die Zeckengefahr in Deutschland FSME-Risikogebiete laut RKI
Foto-Serie Zecken im Großformat
Video Was hilft bei einem Zeckenbiss? (ZDF Enterprises GmbH)

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"Die Gefahr lauert überall"

Internetseiten, Werbebroschüren, Videos und Pressematerialien der Hersteller dramatisieren die von Zecken ausgehende Gefahr und schüren Ängste, so die Kernaussage der Magazinsendung vom 4. Mai. Vor allem der Hersteller "Novartis Behring" wurde in dem Beitrag genannt. Das Unternehmen soll laut "Report Mainz" eine Deutschlandkarte veröffentlicht haben, in der FSME-Risikogebiete in Deutschland abgebildet sind. Auch Gebiete im Norden Deutschlands sind hervorgehoben. Die Karte erwecke den Eindruck, dass sich das FSME-Risko immer weiter nach Norden ausbreite. Untermauert werde das duch den Slogan "die Gefahr lauert fast überall".

FSME-Gefahr auf den Süden beschränkt

Das Robert-Koch-Institut bewertet das FSME-Risiko anders. In der Sendung ist der Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie am RKI, Gérard Krause mit folgender Aussage zitiert: "Aus unseren Beobachtungen wird deutlich, dass man sich nur in Süddeutschland überhaupt an FSME infizieren kann. Die Erkrankung kommt sehr selten vor, insgesamt weniger als 300 Fälle in ganz Deutschland pro Jahr. Von diesen 300 Fällen verlaufen etwa die Hälfte recht harmlos, ähnlich wie Grippe. Todesfälle kamen im letzten Jahr überhaupt nicht vor."

Die FSME-Risikogebiete

Das RKI veröffentlicht alljährlich eine Einschätzung des Ausmaßes von FSME in Deutschland im "Epidemiologischen Bulletin". Darin enthalten ist auch eine Übersicht über die Risikogebiete, also jene Landkreise, in denen Infektionsgefahr besteht. Im aktuellen Bericht hat das Institut hat die Zahl der FSME-Risikogebiete erneut ausgeweitet. Insgesamt sind nun 136 Kreise - vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und Thüringen - als riskant eingestuft. Neu hinzugekommen sind in Bayern der Stadtkreis Memmingen sowie die Landkreise Ober- und Unterallgäu, in Baden-Württemberg der Landkreis Heidenheim. Nach wie vor kann lediglich Süddeutschland als Risikogebiet gelten. "Eine Wanderung der Gefahr nach Norden hat es nicht gegeben", sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI auf Anfrage von t-online.de.

Die Zeckengefahr in Deutschland FSME-Risikogebiete laut RKI

Risiken und Nutzen der Impfung

In der Sendung schilderte "Report Mainz" den Fall eines achtjährigen Mädchens, das seit einer FSME-Impfung unter Lähmungserscheinungen leidet. Die Eltern hatten das Kind unter dem Eindruck einer steigenden FSME-Gefahr vorsorglich impfen lassen. Kurz nach der Impfung waren Komplikationen aufgetreten und das Mädchen ist heute ein Pflegefall. Nun erheben die Eltern den Vorwurf, vom Kinderarzt nicht ausreichend über mögliche Nebenwirkungen der FSME-Impfung aufgeklärt worden zu sein.

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FMSE-Impfung schützt nicht vor allen Zeckenkrankheiten

"Report Mainz" kritisierte auch eine an Kinder gerichtete Kampagne des Impfstoffherstellers "Baxter". In einem Comic sagt ein kleiner Junge nach der FSME-Impfung: "Jetzt können die Zecken ruhig kommen." Dieser Spruch gaukle falsche Sicherheit vor, denn die FSME-Impfung schützt nicht gegen alle Krankheiten, die von Zecken übertragen werden. Borreliose zum Beispiel. Diese Krankheit übertragen Zecken viel häufiger als FSME und das im gesamten Bundesgebiet. Im schlimmsten Fall führt sie zu Lähmungen und chronischen Gelenkbeschwerden. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht.

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