
11.02.2010, 11:47 Uhr | Uwe Kauss
Schnell hat man achtlos den Geschmack des Weines verändert. (Foto: Archiv)
Wein ist kein Getränk. Das sind Bier, Wasser oder Cola. Weintrinken ist etwas anderes als ein Pils aufzumachen oder eine Apfelschorle in den Hals zu stürzen. Wein ist Ausdruck von Lebensart, eine spezielle Form des Genusses. Wein kann richtig teuer sein, und Kenner können über ihr Thema stundenlang philosophieren. Der Unkundige kann richtig in den Fettnapf treten, geht er mit Wein um wie mit gewöhnlichen Getränken. Wer einige Grundregeln beachtet, kann einen Abend unter Weinkennern ohne Pannen überstehen, wenn man die sieben Todsünden beim Weintrinken meidet.
Alle Todsünden haben eines gemeinsam: Die achtlose Veränderung von Geschmack. Beim Wein kommt es oft nur auf Nuancen an, die über Spaß oder Spucken entscheiden. Wer als Unkundiger schnell mal seine Geschmacksnerven ruiniert oder das Aroma eines Weins binnen einer Sekunde auf Nullniveau herunterfährt, muss mit zwischenmenschlichen Problemen rechnen.
So lautet auch die erste Todsünde, den Wein des Gastgebers niemals mit Wasser zur durstlöschenden Schorle zu verwandeln. Vielleicht hat er die letzte Flasche seines Herzensweins für die Gäste geopfert oder beschlossen, eine 70-Euro-Flasche wäre für den Abend das Richtige. Beides will er genießen und den Genuss mit anderen teilen. Und dann Wasser drauf, einer muss ja fahren. Man kann sich voller Mitleid denken, welchen Schrecken dieser Gastgeber zu bewältigen hat.
Wird der Weißwein im Lauf des Abends zu warm, geben viele gerne mal zwei Eiswürfel ins Glas, und schon ist wieder alles auf Trinktemperatur. Der Schönheitsfehler: Eis besteht aus Wasser. Eis schmilzt. Innerhalb von zwei Minuten ist so der teure weiße Burgunder eines ganz besonderen Jahrgangs in eine geschmacklose Flüssigkeit mutiert. Wein jedenfalls schmeckt anders.
Das Gegenteil ist vor allem im Sommer in vielen Pizzerien, mediterranen Restaurants und heimischen Küchen zu beobachten. Die Temperatur im Raum beträgt gefühlte 30 Grad, und die bestellte Weinflasche fischt der Kellner aus dem dekorativen Regal überm Tresen. Der Wein kommt so mit mindestens 25 Grad ins Glas – da schmeckt der Rotwein, egal welcher Preisklasse und Region lediglich spitz, alkoholisch, süß und etwas staubig.
Wer sich die Mühe gemacht hatte, einen gut passenden Wein zum Essen auszuwählen, hätte es bleiben lassen können. Rotwein wird bei höchstens knapp 20 Grad getrunken, denn so entfalten sich die komplexen Aromen am besten. Liegt die Temperatur deutlich drüber, ist davon nur ein trauriger Rest auf der Zunge zu spüren. Ist die Flasche deutlich zu warm, gibt’s ein ganz einfaches Gegenmittel: Eine halbe, dreiviertel Stunde in Kühlschrank, und die Sache mit dem Rotwein ist geritzt. Und mal ehrlich: Wer trinkt schon gerne zu warmes Bier?
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Uwe Kauss
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