
18.11.2011, 12:04 Uhr | dapd
Chef-Sommelier Bernhard Moser riecht an einem mit Beaujolais gefüllten Glas. (Quelle: dapd)
Eigentlich wird der erste Wein der Saison, der Beaujolais Nouveau in Frankreich gebührend gefeiert. Bernhard Moser, Chef-Sommelier der Berliner Weinschule, versteht die ganze Aufregung um den Rotwein nicht. Sein Urteil: "Zu teuer, völlig disharmonisch und ohne Kraft".
Am Verkaufstisch im französischen Kaufhaus Galéries Lafayette in Berlin ist es ruhig. Gerade noch hat eine Verkäuferin die letzten Schilder am Verkaufsstand befestigt. Schon schnuppert Experte Moser an einem der neuen Tropfen. Er hat sich eine Flasche "Joseph Drouhin" geangelt und gießt den Rotwein in ein Glas. "Ein leichter Duft von Nagellackentferner", lautet das erste Urteil des 38-Jährigen. Das seien die ganz schnellen Weine, die fast lieblos vergoren würden. Dazu komme eine kitschige Frucht, nach eingelegten Erdbeeren oder Heidelbeeren.
Moser beäugt kritisch sein Glas, bevor er es zum Mund führt. Der Eindruck des französischen Trend-Weins wird auf der Zunge nicht besser. Die quietschige Frucht sei deutlich herauszuschmecken. "Hinten hat der überhaupt keine Kraft", fügt der Sommelier nüchtern hinzu. Über 16 Grad Celsius würde er den Wein nicht trinken. Niedrige Temperaturen könnten "noch einiges verstecken".
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Eine Berechtigung habe der Primeur aber schon. Leicht gekühlt passe er zu einem einfachen Essen, sagt Moser. Innerhalb von drei oder vier Monaten könne ihn der Verbraucher gut trinken. "Tierisch dreist" dagegen blieben die Preise. Empört blickt der Chef-Sommelier zum Verkaufstisch. Knapp zehn Euro kostet die günstigste Flasche im französischen Kaufhaus. Viel zu teuer für einen Wein, der im Keller keine Arbeit mache, sagt er.
Dass Weinfans aus aller Welt beim Beaujolais jubelten, sei historisch begründet, erklärt Moser. Früher flog der englische Adel in die Bourgogne, um die ersten Weine des neuen Jahrgangs zu testen. Damals war die Rebsorte aller Weine im Burgund der Gamay, eine ertragreiche und früh reifende Beere. Als sich die Winzer der Region gegen die Rebsorte wehrten, sei nur das Anbaugebiet Beaujolais ihr treu geblieben, sagt er. Ein Alleinstellungsmerkmal war geboren.
"Japaner lassen sich sogar eine Badewanne voll Beaujolais ein", sagt der Sommelier des Kaufhauses, Laurent Puig. Der Wein solle die Haut reinigen. Moser nennt den Rummel um den Beaujolais schlicht eine "gute Marketingstrategie". In seiner Weinschule komme die Flasche nur auf den Tisch, wenn er einen schlecht ausgebauten Wein zeigen wolle. Das hemmungslose Gelage überlässt er lieber den Franzosen.
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Quelle: dapd
Tettino schrieb:
am 21. November 2011 um 12:00:21
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(0)
Kult
Wer Unmengen an Geld für unnötigen Kult wie das I-Phone ausgibt, welches total überteuret und unfunktionell ist, der kann auch gern
sein Geld für diesen Pseudowein ausgeben und sich dabei toll vorkommen. Durch dieses Marketing wird es immer wieder geschafft, etwas als toll hinzustellen und den Leiuten "Lebensgefühl" vorgegaukelt, diesen Mist zu kaufen...
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Udo schrieb:
am 18. November 2011 um 15:59:49
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(1)
Beaujolais noveau
Ich nehme den Beaujolais sehr selten, bin eigentlich schon länger davon abgekommen, weil die Qualität dem Preis nicht
entspricht. Der war mal gut. Ich nehme mehr den fränkischen Bacchus oder den elsässischem Traminer zum Fisch, den Merlot für den Braten, ab und zu den Chateau Neuve du Pape. Man muss ja nicht unbedingt den Beaujolais nehmen, warum auch.
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Moppel schrieb:
am 18. November 2011 um 15:27:08
(19)
(4)
überschätzt
Ich halte den Beaujolais für überschätzt und den Hype darum für überholt. Es gibt adäquate Weine aus Deutschland oder Italien.
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