15.02.2008, 11:22 Uhr | ag
Trennung ist immer sehr schmerzhaft. (Foto: imago)"Lass uns Freunde bleiben" - wenn die Beziehung zerbrochen ist und beide Partner vor einem Scherbenhaufen stehen, klingt dieser Vorsatz meist utopisch. Dennoch haben viele Paare den Wunsch, den Ex-Partner nicht völlig aus dem Leben zu verlieren. Immerhin sind beide ein Stück Lebensweg zusammen gegangen, haben ihre Ängste und Hoffnungen miteinander geteilt und an die Liebe geglaubt. Dass gerade derjenige Mensch, der einem am vertrautesten ist, nicht mehr für einen da sein soll, ist schwer zu akzeptieren. Auf freundschaftlicher Ebene miteinander verbunden zu bleiben, scheint naheliegend. Trotzdem scheitern viele Paare daran, diesen Wunsch in die Realität umzusetzen. Doch warum ist es so schwierig, eine Liebe zu beenden ohne alles kaputt zu machen? Kann dieses Kunststück überhaupt gelingen?
Pro & Contra Freundschaft mit dem Ex-Partner
Steffi K. (33): |
Heiko N. (30): |
Marcel war meine erste große Liebe. Drei Jahre lang waren wir ein Paar, bevor wir uns eine gemeinsame Wohnung suchten. Kurz darauf ging er fremd und ich machte Schluss. Ich war so tief verletzt, dass ich ihn eiskalt abservierte, als er mich bat, doch wenigstens Freunde zu bleiben. Damals habe ich den Kontakt komplett abgebrochen. Das musste sein, da ich sonst über die Trennung nicht hinweggekommen wäre. Mein Ex-Freund hat daraufhin immer wieder Versuche unternommen, auf mich zuzugehen. Doch ich blieb konsequent. Sieben Jahre lang dauerte die Funkstille. Mittlerweile hatte ich einen neuen Freund und war längst über den Trennungsschmerz hinweg. Auf der Geburtstagsfeier einer Kollegin traf ich dann zufällig Marcel wieder - auch er war in Begleitung einer Frau, die er mir stolz als seine frisch Angetraute vorstellte. Sie war mir sofort sympathisch. Wir hatten einen netten Abend, plauderten viel und unterhielten uns unbeschwert über alte Zeiten. Am Ende tauschten wir sogar unsere Telefonnummern aus und versprachen, uns wiederzusehen. Das war vor einem Jahr. Seitdem ist eine tolle Freundschaft zwischen meinem Ex und mir entstanden. Manchmal verabreden wir uns allein auf einen Kaffee oder gehen ins Kino, manchmal jedoch beziehen wir auch unsere neuen Partner ein und unternehmen etwas zu viert. Da unsere Freundschaft ehrlich und nach außen hin transparent ist, gab es nie Anlass zur Eifersucht. Das Verrückteste an der Sache ist jedoch, dass ich mich mit meinem Ex besser verstehe als vorher. Ich genieße es, zu einem Mann eine so tiefe Beziehung zu haben, deren Grenzen so eindeutig festgesteckt sind. So etwas erlebt man nur mit einem Ex. Ich hoffe, dass diese Freundschaft immer so harmonisch bleibt. | Nach fünf Jahren Beziehung hat sich meine Freundin Ulla von mir getrennt. Sie hatte für die Partnerschaft, die von ständigen Streitereien zermürbt war, keine Energie mehr und sah für uns beide keine Zukunft. Zunächst hatten wir nach der Trennung noch einen sehr guten Kontakt und beschlossen, Freunde zu bleiben. Ich mochte meine Ex immer noch sehr und wollte sie als Menschen nicht aus meinem Leben verlieren. Das Ganze funktionierte dann eine Zeitlang. Dann hatte Ulla wieder einen neuen Freund. Damit konnte ich überhaupt nicht umgehen. Ich litt unter Eifersucht und konnte nicht akzeptierten, dass ich die Rolle als engster Vertrauter nun endgültig verloren hatte. Meine Ex spürte das. Sie hat sich in dieser Zeit wirklich sehr um mich bemüht und versucht, mir zu helfen. Immer wieder versicherte sie mir, wie wichtig ihr die Freundschaft zu mir sei und dass ich immer auf sie zählen könne. Doch all das Gerede war für mich kein echter Trost. Aus lauter Verzweiflung und Angst, meine Gefühle nicht mehr in Griff zu bekommen, habe ich dann beschlossen, Abstand zwischen uns beide zu bringen. Die sechsmonatige Funkstille hat mir gut getan. In dieser Zeit habe ich viel für mich getan, neue Freundschaften gefunden und sogar eine kurze Affäre gehabt. Als mich meine Ex dann kurz vor Weihnachten anrief, um mir ein schönes Fest zu wünschen, passierte etwas Merkwürdiges: Wir hatten uns plötzlich kaum noch etwas zu sagen. Komischerweise störte mich das auch gar nicht mehr. Nach einem weiteren Treffen verlief unsere Beziehung dann endgültig im Sande. Mir ist bewusst geworden, dass Beziehung und Freundschaft zwei verschiedene Paar Schuhe sind und auf einer völlig anderen Basis stehen. Der Satz "Lass uns Freunde bleiben" wird oft aus Angst vor der endgültigen Trennung geäußert. Dabei ist es für beide weniger schmerzhaft, gleich einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. |
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