12.10.2005, 16:01 Uhr
Viel hilft viel, haben wir gelernt. Zumindest im Kampf an der Kasse galt bislang die Regel: Wer viel kauft, darf auf Rabatte hoffen. Beigebracht hat uns das der Handel, der uns einflüstert, Großpackungen wären günstig. Ein Angebot, bei dem nicht nur mehrköpfige Familien bislang gerne zugriffen. Aber jetzt hat die Verbraucherzentrale Hamburg ihren Bleistift gespitzt und nachgerechnet. Das Ergebnis: Viele Großpackungen sind im Verhältnis teurer als die kleineren ein und desselben Produktes. Und das ist nicht die einzige Verschleierungstaktik, mit der uns Geld aus der Tasche gezogen werden soll.
"Familien-Pack", "Sommer-Selektion" und "Jubiläumsgröße" - marktschreierisch ausgezeichnete Produkte springen dem Kunden in Supermärkten direkt ins Auge. Vor allem großen Verbrauchermärkten werfen die Hamburger Experten vor, dass sie einen Preisvergleich zumindest erschweren. So waren viele Produkte nicht vorschriftsmäßig mit dem Grundpreis ausgezeichnet, also dem Preis pro 100 Gramm oder Kilogramm. Diese Methode hilft nämlich dabei, schnell nachzurechnen, ob die angebliche Vorteilspackung nicht doch einen Preisnachteil in sich birgt. Auch die Anordnung der Produkte gefiel den Verbraucherschützern nicht. Während die großen Packungseinheiten gut sichtbar platziert waren, mussten die kleineren entweder in den untersten oder in einem entfernten Regal gesucht werden.
Bei ihren Stichproben in größeren Märkten förderte die Verbraucherzentrale Hamburg folgende Negativbeispiele zutage: Bei Wal-Mart war die Familien-Flasche des Weichspülers Lenor etwa 36 Prozent teurer als die kleinere Flasche. Bei Real kostete die Großpackung Merci-Pralinen im Verhältnis zu den kleineren 45 Prozent mehr, Überraschungseier und Hanuta Minis in Familiengröße schlugen bei Toom immerhin mit 15 bzw. zwölf Prozent mehr zu Buche. Die betroffenen Händler wehren sich: Wal-Mart sagt, die meisten Beispiele seien "Aktionsware" oder "Kennenlern-Angebote" gewesen. Real weist auf die mitunter teurere Produktion von Großpackungen hin. Beide hätten jedoch, so die Verbraucherschützer, nach der Stichprobe einige Preise für Großpackungen nach unten korrigiert. Dennoch fordern die Experten, dass Großpackungen grundsätzlich billiger sein sollen. Bis dahin hilft nur der eigene Preisvergleich.
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