17.12.2007, 11:33 Uhr | bri
Gemüse im Supermarkt (Foto: Archiv)Wo das Frühstücksei herkommt, wissen Sie. Der Stempel auf der Eierschale gibt das Herkunftsland an und ob die Hühner in Käfig-, Boden- oder Freilandhaltung leben. Doch bei vielen Lebensmitteln bleibt das offen. Brokkoli, Ananas und Mangos müssen nicht gekennzeichnet werden ebenso Wurstwaren. "Reis zum Beispiel kann aus den USA stammen, wo viele Reissorten mit gentechnisch verändertem Reis verunreinigt sind", sagt Armin Valet, Ernährungsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg. Und wenn "Qualität aus Thüringen" draufsteht, heißt das noch lange nicht, dass die Lebensmittel auch alle von dort kommen.
Zum Durchklicken Wie die Herkunft von Lebensmitteln verschleiert wird
Oftmals gaukeln Hersteller auch eine falsche Herkunft vor: "Qualität aus dem Norden" heißt es oft bei Marmelade, Obst und Gemüse. "Aber die Lebensmittel wurden ganz woanders produziert und nur im Norden verpackt", sagt Armin Valet. Illegal ist das nicht. Die Gesetze in Deutschland und in der EU verlangen keine genaueren Angaben. "Dennoch handelt es sich hier um eine Verbrauchertäuschung", findet Valet.
Bei Eiern, Milch und Rindfleisch müssen Produzenten genaue Angaben machen. Auf die Skandale um Dioxin in Eiern und BSE hat der Gesetzgeber entsprechend reagiert. "Bei Schweinefleisch allerdings gibt's keine Vorschriften", sagt Valet. Verarbeitete Lebensmittel sind besonders stark betroffen: Woher kommt das Fleisch in der Wurst, die Milch im Joghurt oder die Erdbeeren in der Marmelade - es steht nicht auf der Packung.
Für den Kunden im Supermarkt ist das ärgerlich. Er kann zum Beispiel nicht reagieren, wenn Nachrichten über genveränderte oder verunreinigte Lebensmittel aus anderen Ländern die Runde machen. "Wenn nicht drauf steht, woher der genveränderte Reis kommt, ist der Kunde aufgeschmissen", sagt Valet. Man kann jedoch beim Hersteller anrufen, und nach der Herkunft fragen. Doch auch hier ist der Verbraucher im Nachteil. Die Lebensmittelproduzenten sind zu keiner Aussage verpflichtet. "Der Kunde kann nur auf Kulanz hoffen", kritisiert Valet.
Zum Teil veröffentlichen Hersteller die Herkunft ihrer Lebensmittel und die Zutaten im Internet. "Doch diese Angaben reichen nicht und mehr Transparenz, wie bei Hühnereiern, ist ohne weiteres möglich", so Valet. Denn die Hersteller haben alle Daten über ihre Lebensmittel und Zutaten gesammelt, dazu verpflichtet sie das Gesetz. Derzeit kämpfen bundesweit alle Verbraucherzentralen für genauere Angaben auf Verpackungen. Auf deren Internetseiten können Sie sich zum Beispiel an einer Umfrage zum Thema beteiligen. Zum Beispiel unter www.vzhh.de für die Verbraucherzentrale Hamburg. "Je eindeutiger das Votum der Bürger für mehr Transparenz ist, umso eher können wir das auch durchsetzen", sagt Valet.
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