21.11.2007, 10:29 Uhr
Im Supermarkt: Vorsicht, Falle! (Foto: Archiv)
Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie wollen auf dem Heimweg von der Arbeit schnell noch etwas einkaufen. Nur das Nötigste: Milch, Brot, Aufschnitt. Beim Auspacken zu Hause finden sich aber deutlich mehr Sachen in der Einkaufstüte. Sicher haben Sie sich schon gefragt, warum Ihnen das immer wieder passiert. Große Supermarktketten beschäftigen mittlerweile Heerscharen von Spezialisten, um Kunden dazu zu bringen, mehr zu kaufen. Diese Experten machen nichts anderes als Beleuchtung, Einrichtung, Hintergrundmusik, Raumtemperatur soweit zu optimieren, bis der Kunde nur noch eines im Sinn hat: Kaufen, Kaufen, Kaufen. Unser Test verrät es: Tappen Sie in die Einkaufsfalle?#
Zum Test
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Je länger wir bleiben, umso mehr kaufen wir
Vor dem Supermarkt sind alle Menschen gleich: Keiner will mehr als nötig kaufen und kommt mit einem Einkaufszettel oder einer Liste im Kopf in den Supermarkt. Doch mehr als die Hälfte unserer Kaufentscheidungen im Supermarkt fällen wir spontan. Wir kaufen das, was wir sehen und uns anspricht. Je länger ein Kunde im Geschäft bleibt, umso mehr lässt seine Einkaufsdisziplin nach. Mit jeder Minute, rückt die Einkaufsliste mehr in den Hintergrund. Ziel ist es also die Kunden so lange wie möglich im Geschäft zu halten. Mit einer angenehmen Gestaltung, einer schönen Atmosphäre, durch Musik oder geschickt gestaltete Laufwege klappt das auch.
Optimale Temperatur und Tempobremsen
Das fängt schon vor dem Eingang an: Ist der Markt zu dunkel ausgeleuchtet, gehen wir nicht hinein, denn der Mensch hat von Natur aus Scheu vor unbekannten Räumen. Darum ist es schön hell im Supermarkt und genau 19° Grad warm. Das ist zwar nicht optimal für Obst und Gemüse, aber bei dieser Temperatur kaufen wir nun mal am meisten. Und wer noch im Straßenschritt in den Supermarkt prescht, um rasch den Feierabend-Einkauf zu erledigen, den bremst langsame Hintergrundmusik und das Obstparadies am Eingang des Markts erstmal auf Einkaufsbummel-Geschwindigkeit herunter.
Immer der Nase nach
Auch unsere Nase ist ein wichtiger Faktor beim Einkauf. Denn Gerüche spielen mit Menschen. Marketingstrategen haben die Macht der Düfte erkannt und setzen sie gezielt ein: In Bäckereien soll das Aroma von Vanille Appetit machen, Kaufhäuser wollen ihre Kunden mit Blumendüften zum Kaufen anregen und in Autohäusern überdeckt der Geruch von feinem Leder den Gummigestank. Das berichtet "Spiegel online".
Hindernisse und Versteckspiele
Sogar die Gangbreite ist eine eigene Wissenschaft: Ist der Weg zu breit, gehen wir schnell und kaufen wenig. Ist er zu schmal, könnten wir mit einem anderen Kunden kollidieren und vor Schreck die Ware wieder ins Regal stellen. Klingt absurd, ist aber von amerikanischen Wissenschaftlern erforscht, nachgewiesen und mit dem Namen "ass-brush-factor" benannt worden, so die Verbraucherzentrale. Auch die Produktplatzierungen folgen einem ausgeklügeltem System: Teures findet sich bequem auf Augenhöhe, wer billige Produkte will, muss sich bücken. Neben Produkten für den Alltagsbedarf stehen teure "Impulswaren". Also Dinge, die man nicht unbedingt braucht und an denen der Markt besonders viel verdient.
Das Eldorado der Kauffallen: der Kassenbereich
Hat man seinen Einkaufslaster endlich Richtung Kasse bewegt, erfolgt die letzte Attacke von Kaufanreizen, während wir in der Warteschlange stehen: Bunte Regale mit netten Kleinigkeiten und vor allem jede Menge Süßigkeiten verlocken zum Kauf. Dieser Bereich ist einer der wichtigsten im ganzen Supermarkt, dort wird bis zu Zehnmal soviel Umsatz gemacht, wie im Rest des Ladens. Zielgruppe sind die Kinder der Kunden, die dann lautstark die Eltern zum Kauf der Süßigkeiten bewegen. Nicht ohne Grund heißen die Produkte an der Kasse im Verkäuferjargon "Quengelware".
Kein Chance, zu entkommen
Auch wenn Sie glauben, Sie könnten sich nach der Lektüre dieses Artikels, gegen die Psycho-Tricks des Handels wehren. Die Chancen sind eher gering. Ihr Unterbewusst sein wird Sie auch beim nächsten Einkauf wieder verführen.
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