08.12.2011, 17:59 Uhr | Basil Wegener, dpa
Organspende schenkt einem Menschen neues Leben. (Quelle: Archiv)
Die geplante Entscheidungslösung zur Organspende sieht vor, dass die Spendebereitschaft der Bürger regelmäßig abgefragt wird. Sie könnte laut einer Studie die Zahl der möglichen Spender drastisch erhöhen. Zwei von drei Bundesbürgern würden bestimmt oder wahrscheinlich ihre Einwilligung zur Spende geben, teilten die Bertelsmann Stiftung und die Krankenkasse Barmer GEK mit. Dagegen lehnen 29 Prozent dies ab. Mit dem Thema Organspende sind immer noch Ängste verbunden.
Obwohl die Mehrheit lebensrettende Organspenden prinzipiell befürwortet, haben Millionen Menschen in Deutschland immer noch Zweifel. Schalten Ärzte lebenserhaltende Maschinen ab, um Organe zu entnehmen? Ist man wirklich tot, wenn die Ärzte die Organentnahme vorbereiten? Bald wird es ernst. Nach einer Grundsatzeinigung von Union, SPD, FDP, Linken und Grünen im Bundestag arbeiten die Fraktionen derzeit an einem Gesetzentwurf, nach dem alle Bürger zu ihrer Spendebereitschaft befragt werden sollen, etwa beim Versand der Krankenversicherungskarte.
Bis heute hat höchstens jeder Fünfte einen Organspendeausweis. "Hier ist ein ganz großes Potenzial", sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung, die sich gemeinsam mit der Krankenkasse Barmer GEK des Themas angenommen hat. Laut der Studie wollen sich 66 Prozent der Befragten bestimmt oder wahrscheinlich Organspender werden. Doch die Forscherin Marlies Ahlert von der Universität Halle-Wittenberge dämpft trotz des klaren Resultats die Erwartungen: "Ich würde es mit Vorsicht genießen, weil es eine Absichtserklärung ist." Kommt die Frage konkret, etwa mit einem Brief der Krankenkasse, auf den Tisch, könnten doch weniger "ja" sagen.
Immerhin 45 Prozent der Bundesbürger fürchten, dass die Ärzte nicht mehr mit vollem Einsatz um ihr Leben kämpfen, wenn sie sich zur Organspende bereit erklärt haben. "Wir können die Menschen beruhigen", versichert Barmer-GEK-Chef Christoph Straub. Das geltende Kriterium Hirntod sei sicher, die medizinische Betreuung erklärter Organspender nicht schlechter. Tatsächlich wird im Klinikalltag nicht der Tod von Patienten in Kauf genommen, um an wertvolle Nieren, Lebern oder Herzen zu kommen - vielmehr gehen viele Organe verloren, weil für Kliniken und Ärzte die Organentnahme keinen Vorrang hat. "Man muss an der Infrastruktur etwas tun", sagt Straub. Die Zersplitterung der Kliniklandschaft mit vielen kleinen Häusern erschwert laut Gesundheitsmonitor 2011, potenzielle Spender zu erkennen und die Angehörigen zu betreuen. Transplantationsbeauftragte in den Kliniken sollen dies künftig verbessern.
"Jeden Tag sterben drei Menschen auf der Warteliste", mahnt Straub. Rund 12.000 Menschen warten auf ein Organ, am häufigsten auf Niere oder Leber. Heikel ist die Frage: Wer bekommt eines? Heute sind die Gewebeeigenschaften und die Länge der Wartezeit entscheidend. Geht es nach 53 Prozent der Bundesbürger, sollten auch Menschen weniger Chancen haben, wenn sie ihren Zustand etwa durch den Konsum von Alkohol oder Drogen mitverschuldet haben. Straub lehnt dies ab - doch müsse man vielleicht über Fälle debattieren, bei denen Betroffene auch für die Zukunft keine Verhaltensänderung versprechen. Auch wer selbst erklärter Spender ist, könnte als Bedürftiger früher drankommen.
Angesichts der offenen Fragen und der großen Unsicherheit bei weiten Teilen der Bevölkerung ist es kein Wunder, dass über Details der von den Fraktionen vereinbarten Entscheidungslösung noch nichts bekannt ist. Freiwillig soll die Entscheidung für oder gegen eine Spende sein. Doch wie genau wird sie abgefragt? Sind Anreize denkbar? Findet die Forderung der Experten Gehör, die Erklärungen in einem zentralen Register zu erfassen? "Bis wir einen gemeinsamen Vorschlag haben, arbeiten wir intern", sagt CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. "Das erhöht die Erfolgschancen."
Quelle: dpa
www schrieb:
am 8. Dezember 2011 um 20:26:16
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Organspenden
Welche Angst ? Da sagt man ein klares Nein und der Fall ist gegessen.
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