30.08.2011, 10:47 Uhr | ag
Petrischale mit einer Pilzkultur zur Erforschung von Antibiotika. (Foto: dpa)
Die häufige Verabreichung von Antibiotika könnte ein Faktor sein, warum Übergewicht und andere Krankheiten in vielen Industrieländern auf dem Vormarsch sind. Das vermutet Martin Blaser vom New York University Langone Medical Center in der Fachzeitschrift "Nature". Neben den Krankheitserregern werden auch schützende Bakterien des Körpers durch Antibiotika zunehmend verdrängt, so die Argumentation des Mikrobiologen. Sieben wichtige Fakten über Antibiotika, die Sie kennen sollten.
Antibiotika haben wesentlich zur Erhöhung der Lebenserwartung beigetragen, stellt Blaser außer Zweifel. Daneben hat ihr Einsatz jedoch auch Probleme geschaffen. Hierzu gehören neben der Bildung resistenter Erreger auch die Veränderung der Bakterienbesiedlung des menschlichen Körpers. Unser Verdauungstrakt, die Schleimhäute und die Haut beherbergen eine große Anzahl von Bakterien, die zum Großteil nützlich sind. Sie helfen etwa bei der Vitamin-K-Aufnahme oder bei der Verdauung komplexer Kohlehydrate, dürften jedoch auch Infektionen oder laut Blaser sogar Autoimmunerkrankungen abwehren.
Die häufigen Antibiotika-Gaben - 18-Jährige haben in den USA 10 bis 20 Antibiotika-Therapien hinter sich - zerstören neben gefährlichen Keimen auch die nützliche Flora, die teils nie mehr ins Gleichgewicht kommt, warnt Blaser. "Krankheiten wie Fettsucht, Typ-1-Diabetes, Darmentzündungen, Allergien und Asthma verschlimmern sich dadurch", so sein Verdacht. Verfettung durch Antibiotika ist aus der Tierhaltung bekannt und wird mancherorts durch Futterbeimengung sogar gefördert. Diesen Effekt geringer Dosen über lange Zeiträume könnte die Medizin auch durch wiederholten kurzen Einsatz hoher Dosen bewirken.
Antibiotika werden oft vorschnell verordnet, obwohl es gar nötig wäre. Ein Arzt klärt auf. zum Video
Noch komplizierter wird die Situation bei Bakterien, die sowohl Vor- als auch Nachteile bringen. Blaser erforscht seit 20 Jahren das Darmbakterium Helicobacter pylori. Der früher bei allen Menschen anwesende Erreger verschwindet zunehmend und ist heute nur mehr bei sechs Prozent der Kinder nachzuweisen. Magenkrebse und Geschwüre wurden in der Folge selten. Allerdings sei die Vernichtung des Keims medizinisch problematisch, wie Blaser schreibt. Helicobacter pylori sei nämlich auch für die Regulation der Hormone Grehlin und Leptin verantwortlich, die eine entscheidende Rolle bei der Balance zwischen Appetit und Sättigung spielen. Auch stellte Blaser fest, dass Kinder ohne Helicobacter pylori öfter an Asthma, Heuschnupfen oder Hautallergien leiden.
Doch Balsers Thesen sind nicht unumstritten. Kritisch bewertet die Infektiologin Petra Apfalter von der AntibioticStewardship Group diese Aussage. "Übergewicht wie auch viele andere der vorgeschlagenen Krankheiten sind nicht auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Die Rolle von Antibiotika hier genau zu identifizieren scheint kaum möglich." Blasers Empfehlung, Antibiotika kritisch einzusetzen, weiter nach Techniken einer schnellen Ermittlung des genauen Problemerregers zu suchen und diesen dann spezifischer anzugreifen, unterstützt jedoch auch die Linzer Expertin.
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ag
Ziu57 schrieb:
am 31. August 2011 um 18:09:50
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Helicobacter pylori
Das Bakterkel bekam seinen Namen, weil es regelmäßig im Magenübergang zum Zwölffingerdarm, dem Pylorus (Pförtner)
nachgewiesen wurde. Wer ihn unbedingt möchte, sollte sich seine Zähne recht selten putzen. Seine Anwesenheit macht sich durch Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) und später durch Magengeschwüre (Ulcus ventriculi) bemerkbar. Antibiotische Mittel, werden in der "Regel" nur für 14 Tage verabreicht und nur bei notweniger gezielter Indikation.
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