16.12.2008, 15:57 Uhr | bri/ots
Gänse. (Foto: ddp)Das verdirbt einen den Appetit auf Gänsebraten: Laut der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" und dem ARD-Magazin "Fakt" verkaufen Supermärkte und Feinkostläden in Deutschland Gänsefleisch aus so genannter Stopfmast-Haltung. Dabei werden die Tiere qualvoll gefüttert, sodass ihre Leber extrem groß wird. Derartige Tierhaltung ist in Deutschland verboten. Das Problem: Im Geschäft kann der Kunde nicht erkennen, dass es sich um eine Gans aus dieser Haltung handelt. Laut "Vier Pfoten" sei die Ware nämlich falsch etikettiert worden.
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Bei der Stopfmast geht es dem Gänsezüchter nur um die Leber des Tieres. Die Vögel werden deshalb extrem gefüttert. Mit einem Schlauch pumpt man den Tieren innerhalb weniger Sekunden rund 800 Gramm Maisbrei in den Magen und das dreimal pro Tag. Dadurch bekommen die Tiere Fieber. Also gibt ihnen der Züchter Fieber senkende Arznei. 1000 Gramm wiegt die Leber kurz vor dem Schlachten, normal sind etwa 70 Gramm. Feinschmecker schätzen solch eine Gänseleber.
Für die Stopfleberproduktion verwenden die Züchter fast immer Graugänse. Deren Keulen, Brüste und Flügel nutzt man normalerweise nicht für die weitere Fleischproduktion. Doch offenbar sind Gänseteile aus der Stopfleberproduktion in deutsche Geschäfte gelangt. "Vier Pfoten" und "Fakt" haben Stichproben von Gänsefleisch in Supermärkten genommen und einem Gänsezüchter aus Deutschland vorgelegt. Ergebnis: Es handelte sich um Fleisch von Graugänsen. Jedoch fand sich auf den Etiketten kein Hinweis darauf.
Bei Proben von Edeka zeigte sich zwar, dass die Ware als Fleisch aus Stopfleberproduktion gekennzeichnet war, allerdings in ungarischer Sprache. "Hizett liba mell", sei da zu lesen gewesen, was "gestopfte Gans" heißt. Ungarn ist eine Hochburg der Stopfleberproduktion. Firmen wie Hungerit, Integral und Pannon Lud sind die größten Stopfleberproduzenten der Welt. Gegenüber "Vier Pfoten" sollen die Hersteller in Ungarn sogar zugegeben haben, tonnenweise Fleisch aus Stopfleberproduktion nach Deutschland geliefert zu haben. Auch die Supermarktkette Globus, Karstadt München und ein Großhändler in München sollen von Ungarn aus beliefert worden sein. Der Großhändler hatte die Ware laut den Tierschützern als aus Polen stammend etikettiert und Restaurants damit beliefert.
Supermärkte wie Rewe, Lidl, Kaufland, Spar und Aldi haben bereits öffentlich erklärt, keine Produkte aus Stopfleberproduktion mehr zu verwenden. Edeka soll das laut "Vier Pfoten" ebenfalls erklärt haben, dennoch hat man dort derartige Produkte gefunden. Gegenüber "Fakt" sprach Edeka von einem "nicht akzeptablen Einzelfall". Experten gehen davon aus, dass jährlich rund 6.000 Tonnen Gänsefleisch aus Stopfleberproduktion nach Deutschland geliefert werden.
Die Tierschützer raten Verbrauchern, beim Kauf genauer hinzusehen: Befinden sich an den Keulen und Brüsten der Tiere graue oder schwarze Federreste und dunkle Hautpigmente, könnte es sich um Fleisch aus Stopfleberproduktion handeln. Am sichersten ist jedoch der Kauf einer ganzen Gans. Die kann nicht aus Stopfleber-Haltung kommen.
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bri/ots
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