27.01.2010, 10:25 Uhr | tze/AFP
Grüner Tee ist gesund - aber fertige Teegetränke sind Zuckerbomben. (Foto: imago)Viele Gesundheitsbewusste verschmähen im Supermarktregal die bekanntermaßen zuckerhaltigen Softdrinks und greifen zu Getränken auf Basis von grünem Tee, Kräuter- oder Blütenextrakten. Dabei sind diese kaum gesünder als Zuckerwasser. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert irreführende Werbung für sogenannte Wellness-Getränke. Besonders Kräuterteegetränke hielten oft nicht, was sie versprechen. Einige enthalten bis zu 47 Stück Zucker pro Packung.
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Tee gilt als gesund. Das machen sich viele Hersteller von Wellness-Getränken zu nutze. Aber die meisten Fertiggetränke enthielten nur sehr geringe Mengen an Tee, stattdessen viel Zucker, Aromen und häufig Zusatzstoffe wie Konservierungs- und Säuerungsmittel, bemängelt Foodwatch. Die Verbraucherschützer kritisieren Teegetränke von Pfanner, Gerolsteiner, Nestea, Lipton und Volvic und die Gesundheitsversprechen der Hersteller.
Beim Teegetränk "Der Gelbe: Zitrone-Physalis" von Pfanner, beispielsweise, mache der namensgebende gelbe Tee nur 15 Prozent des Getränks aus. Physalis, auch Kapstachelbeere genannt und häufig zur Dekoration von Desserts genutzt, sei gar nicht enthalten. Der Geschmack werde lediglich durch Aromen erzielt. Die auf der Packung abgebildeten Physalis führen die Verbraucher in die Irre, meint Foodwatch.
Wenn der Hersteller in Zusammenhang dem Getränk "heilsame Kräften der Natur" zuschreibe, dann sei das "Budenzauber". Auch die hervorgehobenen "wohltuenden Eigenschaften" der verwendeten Kräuter dürften sich angesichts der Verarbeitungs- und Lagermethoden "schlichtweg erledigt" haben, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbraucherschützer. Ein weiteres Minus sei der hohe Zuckeranteil des Getränks: "Pfanner vergleicht seinen aromatisierten Tee ausgerechnet mit zuckrigen Softdrinks - ein plumper Versuch, die umgerechnet 47 Stück Würfelzucker im Zweiliterkarton einfach hinwegzuwerben", kritisiert Foodwatch-Sprecher Henrik Düker.
Diesem Vorwurf widersprach eine Sprecherin von Pfanner: "Erfrischungsgetränke müssen mit Erfrischungsgetränken verglichen werden, das sind die gesetzlichen Vorgaben. Deshalb der Vergleich zu Softdrinks." Der Name des Getränks beruhe nicht nur auf dem gelben Tee, vielmehr hätten viele der im Tee verwendeten Kräuter gelbe Blüten, betonte die Sprecherin. Der gelbe Tee sei lediglich Teil der "Gesamtkomposition". Zu dieser Kräuterkomposition habe der Geschmack der Physalis am besten gepasst. Dass keine Physalis, sondern lediglich Aromen in dem Getränk enthalten seien, sei in der Liste der Zutaten klar aufgeführt. Pfanner bewege sich daher bei der Darstellung und den Verpackungsangaben innerhalb der gesetzlichen Vorgaben, sagte die Sprecherin. Dennoch sollten zwei Institute nun aufgrund der Vorwürfe die "Verkehrsfähigkeit", also die Darstellung des Produkts und die auf der Packung gemachten Angaben, überprüfen.
Foodwatch hat auch Teegetränke anderer Hersteller kritisch untersucht. So bewerbe Gerolsteiner seinen "Moment Weißtee und Birne" als "edlen Tee" zum "Entspannen und Genießen". Tatsächlich beinhalte das Getränk nur 0,02 Prozent Weißtee-Extrakt, Aroma und den Konservierungsstoff Kaliumsorbat (E 202), außerdem 4,4 Prozent Zucker - dies sei immer noch halb so viel Zucker wie in einer bekannten Limonadenmarke. Nestea "Grüntee Citrus" preise die "wertvollen Inhaltsstoffe von grünem Tee" und Antioxidantien an. Die Kritik von Foodwatch: Das Getränk enthalte Aroma, zahnschädigende Zitronensäure (E 330), 7,2 Prozent Zucker und Tee nur in Form von 0,3 Prozent Grüntee-Extrakt. Die positiven Wirkungen von Antioxidantien sind zudem wissenschaftlich nicht zweifelsfrei belegt.
Lipton verspreche bei seinem "Green. Grüner Tee Limone" eine "Garantie" auf "wertvolle Antioxidantien aus dem grünen Tee". Jedoch seien nur 0,14 Prozent Tee-Extrakt enthalten, der Limonengeschmack werde durch Aroma simuliert. Hinzu kämen Zitronensäure (E 330) und ein Zuckeranteil von 4,9 Prozent. Volvic preise bei seinem "Tee/Pfirsich" ein "natürliches Getränk" mit "dem Guten aus Tee" an. Die Analyse von Foodwatch: "eine winzige Menge undefinierter Tee-Extrakt, vier Prozent Zucker, Aroma, Zitronensäure (E 330), Konservierungsstoffe Kaliumbenzoat (E 212) und Kaliumsorbat (E 202)."
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