25.01.2012, 17:10 Uhr | Christiane Fux/ netdoktor
Studie: Lesen beugt Alzheimer vor. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Rot, orange, gelb - was im Hirnscan als fröhlich-bunte Wolken leuchtet, ist in Wirklichkeit ein Alarmzeichen: Die warmen Farbtöne enthüllen, wie stark sich sogenannte Amyloid-Beta-Plaques im Denkorgan ausgebreitet haben. "Ihr massives Auftreten ist typisch für Menschen mit Alzheimer", erklärt Demenzforscherin Susan M. Landau von der University of California in Berkeley im Gespräch mit NetDoktor.de.
Alzheimer ist das Schreckgespenst des 21. Jahrhunderts. Bislang hat man noch keine Therapie gefunden, die den geistigen Verfall aufhalten kann, der allein in Deutschland Millionen Menschen betrifft.
Lediglich eine Handvoll Strategien sind bekannt, die den Schwund der Nervenzellen offenbar ein Stück weit in Schach halten können. Das Vermeiden von Übergewicht gehört dazu, regelmäßiger Sport und der Verzicht auf zu viel Alkohol. Vor allem aber Aktivitäten, die die Neuronen in Schwung halten: Lesen, Schreiben, Kreuzworträtseln, Sudokus knacken. Menschen, die ihr Leben lang geistig aktiv waren, erkranken offenbar wenn überhaupt, dann meist später an Alzheimer als geistig trägere Mitmenschen.
Doch was steckt hinter dem schützenden Effekt? Das Team um Susan M. Landau ist dieser Frage auf den Grund gegangen. Dazu scannten sie per Positronenemissionstomografie (PET) die Gehirne von 65 geistig gesunden Freiwilligen, die im Schnitt 76 Jahre alt waren. Dabei konzentrierten sich die Forscher vor allem auf das sogenannte Amyloid-Beta. Diese Eiweißstrukturen lagern sich mit zunehmendem Alter im Gehirn ab. Zwei Drittel der über sechzig Jährigen weisen derartige Plaques im Denkorgan auf - in unterschiedlicher Stärke. In den Ablagerungen vermuten Ärzte eine Ursache für das Absterben von Nervenzellen im dementen Gehirn.
Die Bilder aus dem PET verglichen die US-Forscher mit denen von zehn Alzheimerpatienten und elf gesunden Zwanzigjährigen. Das Ergebnis war beeindruckend: Menschen, die angegeben hatten, Zeit ihres Lebens viel gelesen und geschrieben zu haben, zeigten Hirnstrukturen die denen der zwanzigjährigen Vergleichsobjekte glichen. In ihren Hirnen herrschten gesunde Blautöne vor. Von Amyloid-Beta-Ablagerungen keine Spur.
Ganz anders sahen die Hirne der Teilnehmer aus, die ihren Lebtag wenig Sinn für geistige Beschäftigungen gehabt hatten. Das Farbspiel ihrer Denkorgane ähnelte dem von Alzheimerpatienten - obwohl sie geistig noch völlig fit waren. "Es ist denkbar, dass die Amyloid-Beta-Ablagerungen sich schon Jahre vor den ersten Alzheimersymptomen entwickeln", erklärt Studienleiterin Landau. Zwar wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob die Teilnehmer, die die bedenklichen Hirnscans zeigten, tatsächlich auch Alzheimer entwickeln - und die mit den augenscheinlich jugendfrischen Hirnen nicht. "Aber wir wissen, dass Amyloid-Beta der pathologische Hauptfaktor in der Entstehung von Alzheimer ist - insofern ist das sehr wahrscheinlich", erklärt die Wissenschaftlerin.
Auch eine mögliche Erklärung für das Phänomen können die Forscher bereits bieten: "Tierversuche haben gezeigt, dass neuronale Aktivität die Anreicherung von Amyloid-Beta fördert", berichtet Landau - eine Art kognitiven Restmülls also. Trotzdem sammelt sich bei eifriger Hirnnutzung davon weniger an als bei denkfaulen Personen. Der Grund: "Menschen, die kontinuierlich kognitive Herausforderungen bewältigen, entwickeln sehr effiziente neurologische Netzwerke", berichtet die Forscherin. Um dieselbe Aufgabe zu lösen, benötigen ihre Gehirne weniger Energie und weniger neuronale Aktivität als die von weniger trainierten. "Personen, die ihr Hirn ein Leben lang stimulieren, könnten daher im Endeffekt weit weniger Amyloid-Beta aufbauen - weil ihre Neuronen effizienter arbeiten."
Tatsächlich konnten vor allem jene Testeilnehmer mit jugendfrischen Gehirnen aufwarten, die bereits im jungen und mittleren Lebensalter geistig aktiv gewesen waren. Wer erst im Alter dem Denksport frönte, dessen Hirn wies trotzdem Amyloid-Beta-Plaques auf.
"Das heißt jedoch nicht, dass sich kognitives Training im Alter nicht lohnt", erklären die Autoren. Die größere geistige Trägheit könnte die Lebensqualität unabhängig von den Plaques verbessern und möglicherweise dazu beitragen, dass erste geistige Abbauprozesse besser kompensiert werden.
Leider gilt aber auch die umgekehrte Variante: Nicht jeder, der sein Leben lang auf geistigen Hochtouren lief, bleibt von Alzheimer verschont. Tragische Beispiel sind der deutsche Rhetoriker, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Walter Jens, die englische Schriftstellerin und Philosophin Iris Murdoch und die "Eiserne Lady", Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. Möglicherweise hat die Krankheit sie aber erst später ereilt, als es ohne geistige Höhenflüge der Fall gewesen wäre.
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Christiane Fux/ netdoktor
Old Biene schrieb:
am 25. Januar 2012 um 19:47:13
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(0)
Lesen hilft...
...aber nicht das Lesen von t-online-Kommentaren. Die verwirren total.
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incitatus schrieb:
am 25. Januar 2012 um 19:45:23
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(0)
alzheimer
Na dann wird ja das was jetzt aufgezogen wird, so mit 30 schon Alzheimer bekommen.
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Glaubender schrieb:
am 25. Januar 2012 um 19:17:13
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(0)
Lesen schützt vor Alzheimer
.. na wenn das nicht ein schönes Forumthema hier ist.
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