
26.01.2010, 15:53 Uhr | wek
Stuart Pigott entlarvt die größten Irrtümer rund um Wein. ( Foto: Archiv)Im Wein liegt Wahrheit – manchmal aber nur ein ganz kleines bisschen. Denn um den Rebensaft ranken sich so viele Mythen wie bei keinem anderen Getränk. Obwohl deren Beweislage meist mehr als dünn ist, haben sie sich jahrelang gehalten. Wenn Sie in Zukunft einen Rotwein trinken wollen, müssen Sie die Flasche nicht mehr ein paar Stunden vorher in Ihre gut geheizte Wohnstube stellen. 18 Grad reichen völlig aus. Der Ratschlag Rotwein solle bei Zimmertemperatur genossen werden stammt nämlich aus einer Zeit, in der die Zentralheizung noch nicht erfunden war. 18 Grad waren für damalige Verhältnisse die Spitzenwerte in Sachen Zimmertemperatur. Wir haben einmal die bekanntesten Regeln über den Wein unter die Lupe genommen und sind zu spannenden Ergebnissen gekommen.
Zum Durchklicken Die zehn größten Wein-Irrtümer
Wow, eine Goldmedaille auf dem Etikett – das muss ja ein ganz toller Wein sein, denkt sich der Konsument und greift flugs ins Regal. Doch der Wert einer solchen Auszeichnung ist umstritten. Dem Winzer ist es ohnehin verboten, mit dem Etikett auf eine gewonnene Medaille hinzuweisen. Damit soll eine Irreführung der Verbraucher verhindert werden - und das ist auch gut so. Denn wer eine Medaille braucht, wird sie auch kriegen. Da könnte ja jeder kommen.
In Deutschland sind nur zwei Auszeichnungen erlaubt: die Kammerpreis-Medaillen und die Medaille "Mundus Vini". Letztere vergibt die Zeitschrift "Vinum" und es gibt sie in Großem Gold, Gold und Silber. Sie steht für die jährliche, weltweit größte Blindverkostung nach den Regeln der Organisation Internationale de la Vigne et du Vin (OIV) in Paris und ist von der EU als Qualitätsbeweis anerkannt. Weine mit so einer Medaille auf dem Etikett lassen daher gehobenen Genuss erwarten.
Wenn Sie einen sehr edlen Tropfen suchen, lassen Sie sich nicht von einer Kammerpreis-Medaille täuschen. Denn die stehen für eine Gebiets- oder Landesprämierung eines deutschen Weinanbaugebietes. Dabei wird beispielsweise ein Pfälzer Riesling mit allen anderen eingereichten Pfälzer Rieslingen eines Jahrgangs verglichen. Die Tester bewerten die Probe mit jeweils 0 bis 5 Punkten in verschiedenen Kategorien. Jeder Wein, der so eine bestimmte Punktzahl erreicht, darf eine Bronze-, Silber- oder Goldmedaille tragen. In einem guten Jahr kann es also Medaillen regnen. In einem schlechten Jahr zeigt die Medaille nur, dass der prämierte Wein den Testern besser als andere Weine des Anbaugebietes geschmeckt hat. Weine mit diesen Medaillen sind daher in der Regel von solider Qualität, aber sie sind keinesfalls ein Prädikat für Supertropfen.
Viele deutsche Top-Winzer verzichten lieber darauf, eine bei der Gebietsprämierung gewonnene Medaille aufs Etikett zu drucken. Denn durch die Goldmedaille steht ihr edler Wein auf der selben Qualitätsstufe wie der günstigere Wein eines unbekannten Winzers, der auch Gold bekommen hat. Der renommierte Winzer hat nun ein Problem: Wie soll er dem Kunden seinen viel höheren Preis erklären.
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