15.03.2011, 15:33 Uhr | cme
Radioaktivität: Fisch aus Fernost ist bislang noch nicht belastet. (Foto: imago)
Japan liegt viele Tausend Kilometer entfernt - doch Lebensmittel reisen rund um den Globus. Aus Südostasien wird unter anderem Fisch importiert, aber auch Reis, Grüner Tee und spezielle Asia-Lebensmittel wie Wasabi oder Sojasaucen. Wegen der Atomkatastrophe in Japan fragen sich viele Verbraucher: Sind diese Lebensmittel noch sicher oder muss man mit Strahlenbelastungen rechnen? Die Verbraucherzentrale Hamburg gibt Antworten.
Strahlung kennt keine Grenzen. Spätestens seit Tschernobyl weiß man, dass radioaktive Partikel in die Nahrungskette gelangen und sich noch Tausende Kilometer entfernt niederschlagen können. Der Reaktorunfall von 1986 verstrahlte die Umwelt bis weit nach Mitteleuropa hinein. Japan ist weit entfernt, doch Lebensmittel werden auch aus Asien nach Deutschland transportiert. Die derzeit im Handel erhältlichen Waren sind nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg noch unbelastet, da sie vor der Reaktorkatastrophe nach Deutschland gelangten.
Auch nach Ansicht des Bundesverbraucherministeriums besteht für Deutschland derzeit keine Gefahr durch radioaktiv belastete Lebensmittel aus Japan. Es gebe keine Erkenntnisse, dass sich belastete Produkte in Deutschland befänden oder auf dem Weg in die Europäische Union seien, teilte das Ministerium in Berlin mit. Eine Gefahr durch radioaktiv belasteten Fisch aus Japan gebe es derzeit ebenfalls nicht. Ein Frühwarnsystem sei eingerichtet. Falls sich die Lage in Japan deutlich verschärfe, werde EU-weit ein Krisenplan greifen. Als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986 hatten die EU-Staaten bereits damals vereinbart, dass nur Produkte unterhalb der radioaktiven Grenzwerte in die EU eingeführt werden dürfen.
Deutschland bezieht aus Japan einen eher kleinen Teil seiner Lebensmittelimporte. Dazu zählen vor allem Sojasaucen. Der in Deutschland gekaufte Speisefisch komme überwiegend aus dem Nordatlantik, so das Ministerium. Im vergangenen Jahr importierte Deutschland über 900.000 Tonnen Fisch und Fischerzeugnisse, aus Japan stammten davon nur etwa 60 Tonnen.
Die radioaktive Wolke zieht derzeit in Richtung Pazifik, sodass die dort vorkommenden Fische verstrahlt werden könnten. Laut Verbraucherzentrale werden im betroffenen Nordwestpazifik im Fanggebiet 61 vor allem Alaska-Seelachs (daraus werden Fischstäbchen hergestellt), Wildlachs, Seeteufel, Scholle oder Kabeljau/Dorsch gefangen. Das Fanggebiet muss auf der Verpackung oder an der Theke gekennzeichnet sein. Sollte sich die Radioaktivität weiter verbreiten, könnte der gesamte asiatische Raum Strahlung abbekommen, dazu gehören auch Staaten wie China oder Taiwan. Das hätte auch für das Deutsche Lebensmittelangebot Konsequenzen. Die Verbraucherzentrale Hamburg erwartet, dass die Kontrollen in Folge der aktuellen Katastrophe zunehmen werden. Eine Gefährdung der Verbraucher sehen die Experten nicht.
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