11.03.2009, 13:04 Uhr | dpa
Häufige Besuche im Solarium erhöhen das Hautkrebsrisiko. (Foto: imago)Blasse Haut törnt viele Jugendliche ab. Trotz der Risiken legen sich dennoch viele ins Solarium - wieder und wieder. Manche sind hinterher krebsrot. Doch die Haut vergisst die Strahlen nicht: Hautkrebs droht, Tendenz steigend. Das Bundeskabinett hat nun ein Sonnenstudio-Verbot bis zum Alter von 18 Jahren beschlossen. Das Vorhaben sei wegen des starken Anstiegs der Neuerkrankungen an Hautkrebs "besonders eilbedürftig", heißt es in dem Gesetzesentwurf. Wann das neue Gesetz in Kraft tritt, ist noch unklar.
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Rund 3,5 Millionen erwachsene Solariennutzer haben laut Krebshilfe bereits zwischen 10 und 17 Jahren mit dem künstlichen Bräunen begonnen. Mindestens jeder zehnte Minderjährige folgt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention diesem Schönheitsideal. "Schon Zwölfjährige, insbesondere Mädchen, bräunen ihre Haut mit Hilfe künstlicher UV-Strahlung", berichtet der Geschäftsführer der Krebshilfe, Gerd Nettekoven. Er mahnt: "Wer unter 30 beginnt, regelmäßig auf die Sonnenbank zu gehen, der erhöht sein Lebenszeit-Risiko für Hautkrebs immerhin um 75 Prozent."
Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention spricht von "einer richtigen Zeitbombe". Die unsichtbar angelegten Schäden können noch 30 Jahre oder später Hautkrebs auslösen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 140 000 Menschen neu an dem heimtückischen Leiden, mindestens 22 000 davon am hochgefährlichen Schwarzen Hautkrebs. 3000 Bundesbürger sterben daran im Jahr.
Auch Erwachsene brutzeln sich oft in Hochrisikobereichen der Strahlung. In Hamburg haben 59 von 64 befragten Hautärzten in einem Jahr Patienten mit Verbrennungen durch Solarien behandelt. Als Jugendlicher denkt man in der Regel besonders wenig an mögliche Folgen in späteren Jahren. Im Moment zählt nur, sich schick und braun zu machen für Clique, Disco-Nächte, Schule.
Skeptiker fragen sich allerdings, ob ein Verbot das richtige Mittel ist und ob es nun auch flächendeckend umgesetzt wird. Schon während der monatelangen Debatten um das Verbot machten Solarien-Freunde in einschlägigen Blogs Front dagegen. In den USA habe sich nicht viel am Verhalten jugendlicher Bräune-Fans geändert, seitdem in vielen Staaten Sonnenbank-Verbote in Kraft seien, heißt es da. Oder die Studios sollten lieber zu mehr Anleitung für die bessere Handhabung der Geräte gezwungen werden. Ansätze der Freiwilligkeit brachten allerdings in Deutschland keinen Erfolg. Nur rund 300 von etwa 7000 Studios machten bei einer entsprechenden Aktion für mehr Beratung, weniger Strahlung und dem verstärkten Abweisen von Jugendlichen mit.
Der Bundesfachverband der Solarien, Photomed, befürwortet das neue Gesetz. "Wir stehen da voll dahinter", sagt der Vorstandsvorsitzende, Dr. Norbert Schmid-Keiner. Möglichen Auswirkungen sieht er gelassen entgegen: "Nur rund zwei bis vier Prozent unserer Kunden sind unter 18 Jahre alt. Das wird die Branche nicht wesentlich treffen." Der Verband empfehle seinen Mitgliedern ohnehin schon eine Zertifizierung, die eine Besonnung von Jugendlichen verbietet. Auch Ausweiskontrollen empfiehlt der Verband.
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