06.07.2009, 17:00 Uhr | AP
Schinken-Imitate kann man bei genauem Hinsehen erkennen. (Foto: dpa)Derzeit sorgt falscher Schinken für Aufregung: Lebensmittelkontrolleure des Landes Hessen haben herausgefunden, dass rund jeder dritte Schinken bei Händlern, Herstellern und Gastronomen nur ein Imitat aus Fleischstückchen mit Stärke-Gel ist. Doch Verbraucher können die Imitate bei genauem Hinsehen erkennen. Wir haben die wichtigsten Fragen rund um den Schummel-Schinken zusammengestellt.
Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit werden in der Gastronomie sehr häufig Schinkenersatzprodukte verwendet, vor allem bei Pizza. Als Grund wird oft angegeben, dass sich die Scheiben auf der Pizza beim Backen nicht nach oben wölben und somit keine verbrannten Spitzen entstehen. "Tatsächlich sind die Imitate preisgünstig. Dies dürfte der Hauptgrund für die häufige Verwendung in der Gastronomie sein", erklärt die Behörde.
Schon Bezeichnungen wie "Formfleisch-Schinken" sollten Verbraucher stutzig machen. Formfleisch-Schinken ist zwar lebensmittelrechtlich kein Imitat, aber auch kein reiner Schinken. Er besteht aus kleineren zusammengefügten Fleischstückchen aus echtem Schinken und Schulterfleisch. Ein Schinken-Imitat verbirgt sich hinter Bezeichnungen wie "Kochpökelfleischimitat" oder "Pizzabelag nach Art einer groben Brühwurst aus Schweinefleisch". Doch häufig werden die Imitate nicht korrekt gekennzeichnet und der Verbraucher getäuscht.
Bei echtem Schinken erkennt man die natürliche Wuchsrichtung der Muskulatur und den natürlichen Muskelzusammenhang. Bei Formfleisch-Schinken sind die Größe der zusammengefügten Muskelfleischstücke und ihre unterschiedliche Muskelfaserrichtung erkennbar. Imitate bestehen dagegen aus einer oft geleeartigen, schnittfesten Masse, in die kleinste teils deutlich sichtbare Fleischstücke eingebettet sind. Oft sehen sie brühwurstähnlich aus. Auch der niedrige Preis deutet auf ein Imitat hin.
Der in Deutschland angebotene Schinkenersatz stammt zwar überwiegend aus dem europäischen Ausland, inzwischen gibt es aber auch vermehrt deutsche Hersteller. Aber auch diese kennzeichnen ihre Produkte nur in Ausnahmefällen korrekt. Das Bayerische Landesamt weist darauf hin, dass sich der Fleischanteil der Ersatzprodukte aus dem Ausland früher nicht so stark von echtem Schinken und Formfleischschinken unterschieden habe wie heute. Der durchschnittliche Fleischanteil bei ausländischen Erzeugnissen sank demnach seit 1993 von rund 83 Prozent auf etwa 57 Prozent. 2008 lag die Beanstandungsquote des Bayerischen Landesamtes für Schinkenersatz aus dem europäischen Ausland bei 100 Prozent.
Die Lebensmittelüberwachung ist in Deutschland Ländersache. So führte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Jahr 2008 in der Gastronomie, beim Handel und den Herstellern bei 78 Produkten Proben durch. Alle waren zwar als Schinken gekennzeichnet, jedoch 30 davon stellten sich als Imitate heraus, die alle aus dem Ausland kamen, 23 davon aus Belgien. Über die Konsequenzen aus dieser Verbraucherirreführung entscheiden die Vollzugsbehörden. Verbraucherschützer kritisieren zum einen, dass die Ergebnisse nicht öffentlich gemacht werden, zum anderen, dass Verstöße nicht konsequent geahndet würden.
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