09.04.2010, 08:51 Uhr
Egal ob bei der Arbeit am PC oder zu Hause im Garten: Alle, die mit den Händen arbeiten, können eine Sehnenscheidenentzündung bekommen. Das Tückische an der Erkrankung: Sie beginnt meist mit einem leichten Ziehen im Unterarm, das nach einer Ruhepause zunächst schnell wieder vorbei ist. Deshalb gehen viele Betroffene oft erst gar nicht zum Arzt. Doch dann kann die Entzündung chronisch werden, die damit verbundenen Schmerzen sind oft kaum zu ertragen.
Wie schnell es bei einer bestimmten Tätigkeit zu einer Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ein Zusammenhang mit genetischen Faktoren ist nicht bekannt. Die genauen Ursachen einer Sehnenscheidenentzündung sind medizinisch noch nicht endgültig geklärt. Ausgelöst wird sie meistens durch monotone Handgriffe oder durch Belastungen, die für den Körper ungewohnt sind. "Es ist natürlich nichts Lebensbedrohliches, aber wenn der Schmerz nach ein oder zwei Wochen nicht weggeht, sollte man zum Arzt gehen", sagt Martin Richter vom Bonner Malteser Krankenhaus. Der Handchirurg hat immer wieder mit Patienten zu tun, die sich seit Jahren mit dem Problem herumplagen.
Mit der richtigen Vorsorge ließe sich dies in vielen Fällen verhindern. "Jemand, der seinen Körper langsam auftrainiert, ist nicht so empfindlich", sagt der Arzt . Bei einer Überbelastung sei allerdings auch das richtige Training kein hundertprozentiger Schutz: Wer stundenlang auf einer Computertastatur tippe oder andere monotone Bewegungen ausführe, müsse darauf achten, immer auch ausreichend Pausen einzulegen. Zwar könne auch eine verkrampfte Position als Ursache für eine Sehnenscheidenentzündung infrage kommen, etwa wenn der Arbeitsplatz nicht ergonomisch eingerichtet sei. "In erster Linie geht es aber um die Schonung", erklärt Richter.
Im Zweifelsfall muss der Handchirurg bei der Ruhigstellung nachhelfen und die Handgelenke mit einer Gipsschiene stabilisieren. Zusätzlich kommen entzündungshemmende Medikamente oder Salben zum Einsatz. In besonders schlimmen Fällen helfen diese konservativen Therapien nicht, um eine Sehnenscheidenentzündung zu heilen. Manchmal muss dann Kortison gespritzt werden, bei einigen Patienten ist eine Operation nötig.
Fakt ist, dass bestimmte Berufsgruppen besonders gefährdet sind. Im Jahr 2006 wurde dies sogar gerichtlich bestätigt: Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen kann eine Sehnenscheidenentzündung bei Arbeitnehmern, die überwiegend am Computer arbeiten, als Berufskrankheit anerkannt werden. Gerade in der Arbeitswelt wird eine Sehnenscheidenentzündung leicht verschleppt und damit erst richtig problematisch. "Es ist eine Erkrankung, die man relativ schwer objektiv nachweisen kann. Das heißt, der Patient läuft auch Gefahr, dass er als Simulant dargestellt wird", sagt Richter.
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Quelle: dapd
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