27.11.2009, 09:41 Uhr | cme
Schmerzmittel können die Impfwirkung beeinträchtigen. (Foto: Archiv) Bei der Impfung gegen die Schweinegrippe kommt es häufiger zu Kopfschmerzen, Fieber oder anderen Nebenwirkungen. Doch wer dann eine Aspirin oder Paracetamol einnimmt, macht möglicherweise den Effekt der Impfung zunichte. Denn viele rezeptfreie Schmerzmittel können sich negativ auf das Immunsystem auswirken und somit den Effekt von Schutzimpfungen herabsetzen. Davor warnen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) unter Berufung auf eine aktuelle Studie der Zeitschrift "The Lancet".
Impfen oder nicht? Zehn Antworten zur Schweinegrippe-Impfung
„Forscher aus Tschechien haben nachgewiesen, dass das Schmerzmittel Paracetamol die Immunantwort von Kindern auf eine Impfung hin abschwächt“, berichtet Adrian Gillissen, Leiter der Robert-Koch-Klinik in Leipzig. Dies wurde bei verschiedenen Schutzimpfungen beobachtet, wie bei der Impfung gegen Pneumokokken, Diptherie, Tetanus und Keuchhusten. Paracetamol zählt zu den gebräuchlichsten Medikamenten, die gegen Schmerzen und Fieber eingenommen werden. Das Mittel gehört wie Aspirin und Ibuprofen zur Gruppe der so genannten nicht-steroidalen anti-inflammatorischen Medikamente (NSAID). Diese Schmerzmittel blockieren ein bestimmtes Enzym, das für die Bildung von Antikörpern notwendig ist. „Nicht nur Paracetamol, sondern alle Medikamente dieser Gruppe stehen daher in Verdacht, die Antikörperbildung zu beinträchtigen und somit den erwünschten Effekt einer Impfung zu verringern“, erläutert Gillissen.
Viele Menschen nehmen Schmerzmittel auch vorbeugend gegen Schmerzen, Herzinfarkt, Schlaganfall, oder Arthritis ein. Es dürfte aber auch viele geben, die mögliche unerwünschte Nebenwirkungen einer Impfung – wie Schmerzen an der Injektionsstelle oder Fieber – mit Schmerzmitteln bekämpfen möchten. „Davon ist unbedingt abzuraten, zumal die massivste Eindämmung der Immunabwehr in der genannten Untersuchung zu beobachten war, wenn Paracetamol gleichzeitig mit dem Auftreten der ersten Anzeichen einer Entzündungsreaktion (Rötung, Schwellung, Schmerzen oder Fieber) eingenommen wurde“, warnt Gillissen.
Auch wenn der Effekt bislang nicht an der Schweinegrippe-Impfung untersucht wurde, könnte er auch bei dieser auftreten. "Grundsätzlich sollte man bei Impfungen sehr vorsichtig mit Schmerzmitteln sein", sagt Prof. Dieter Köhler, Ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg. Wer unter starken Impfnebenwirkungen leide, solle am besten zum Arzt gehen. Dieser könne alternative Schmerzmittel aufschreiben, die nicht zu der Gruppe der NSAID gehören. Ansonsten bleibt bei Nebenwirkungen nur ein altes Hausmittel: Kühlen der Impfstelle lindert Juckreiz und Schmerzen.
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