26.01.2012, 15:22 Uhr | akh
Hinter einem chronischen Schluckauf können sich Krankheiten verbergen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Erwachsene leiden selten darunter. Aber wenn der Schluckauf kommt, wird's gefährlich: Tritt er häufiger auf oder geht einfach nicht mehr weg, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Hinter dem Hickser kann eine ernsthafte Krankheit stecken. In der Heidelberger Uniklinik landen jährlich 70 bis 80 Patienten, die an einem chronischen Schluckauf leiden. Dieser kann sogar die Folge eines Herzinfarkts sein. Ein Experte erklärt, wann es gefährlich wird und was man dagegen tun kann.
„Ein Schluckauf ist zunächst keine Krankheit, sondern ein Reflex", erklärt Doktor Jens Keßler, Facharzt für Anästhesie am Uniklinikum Heidelberg. Dieser tritt häufig bei Ungeborenen und Kleinkindern auf. Gründe für den Schluckauf gibt es viele: Zu schnelles essen, Alkohol oder einfach nur wenn man sich erschreckt. „Allerdings erfüllt dieser Reflex beim Erwachsenen keine sinnige Funktion."
Man unterscheidet zwischen einem akuten und einem chronischen Schluckauf. Ein akuter Schluckauf tritt häufig auf. Er dauert nur kurz an und meistens bleibt es auch bei einem „Anfall“. Ein chronisches Hicksen hingegen dauert mindestens 48 Stunden oder tritt innerhalb kürzester Zeiträume vermehrt auf. „In den meisten Fällen ist es jedoch so, dass der Schluckauf über einen längeren Zeitraum ununterbrochen andauert“, erklärt der Experte. In diesem Fall sollten die Betroffenen auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Denn ein andauerndes Hicksen kann ein Hinweis auf eine ernste Erkrankung sein.
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„Die meisten Schluckauf-Patienten leiden an einer Magenschleimhautentzündung oder Sodbrennen“, berichtet Keßler. Auch Hals- oder Mandelentzündungen können ein Hicksen hervorrufen. Die Ursache für chronischen Schluckauf ist allerdings nicht immer so harmlos, wie Keßler berichtet: „Wir hatten bereits Patienten, bei denen wir einen Herzinfarkt, Multiple Sklerose oder einen Tumor als Auslöser für den Schluckauf identifiziert haben.“ Das Hicksen ist jedoch nie das einzige Symptom einer ernsten Erkrankung. Es handelt sich dann zum Beispiel meist um einen unerkannten Herzinfarkt, der sich bereits vor dem Schluckauf durch Brustschmerzen oder andere typische Beschwerden geäußert hat.
Der Grund, warum sich ein Herzinfarkt über Schluckauf bemerkbar machen kann, ist der sogenannte Phrenicus-Nerv. „Er verläuft vom Gehirn bis zum Zwerchfell, also bei jedem Menschen durch den halben Körper“, erklärt Keßler. „Der Nerv kann an unterschiedlichen Stellen geschädigt werden. So können wir Erkrankungen der Organe, an denen der Nerv vorbeiläuft, erkennen.“ Ist die Ursache beispielsweise ein Herzinfarkt, wird der Nerv an einer Stelle am Herz so stark geschädigt, das er einen chronischen Schluckauf auslöst. Daher kann ein Schluckauf auch häufig bei Patienten nach einer Herzoperation auftreten.
Es gibt keine Erklärung dafür, warum Erwachsene einen akuten Schluckauf bekommen können. Aber es ist bekannt, wie das Hicksen zustande kommt: „Das Zwerchfell flacht ab. Dadurch entsteht ein Unterdruck in der Lunge. Dadurch besteht die Gefahr, das Fremdkörper in die Lunge eindringen können. Um das zu verhindern, wird die Stimmritze verschlossen. Das führt zu dem Hicksgeräusch“, erklärt der Anästhesist.
Häufig gibt es Patienten, bei denen trotz chronischem Schluckauf keine physische Erkrankung nachgewiesen werden kann. „Bei einigen Betroffenen ist der Schluckauf psychisch bedingt“, sagt der Experte. So kommt es auch zu Fällen, in denen die Patienten beschreiben, dass der Schluckauf nur im Alltag, aber nicht im Urlaub auftritt. „Möglicherweise hat der Betroffene im Urlaub weniger psychischen Stress“, erklärt der Experte den Unterschied. Menschen, die unter chronischem Schluckauf leiden, fühlen sich in ihrer Lebensqualität allerdings erheblich eingeschränkt. „So kann umgekehrt auch ein Schluckauf zu psychischen Problemen führen“, warnt Keßler. Das geht sogar so weit, das einige Betroffene depressiv werden und sogar an Selbstmord denken. Deshalb ist es wichtig, seinen Arzt nach möglichen Ursachen zu fragen.
Die Patienten mit chronischem Schluckauf sind überwiegend männlich. Allerdings gibt es keine Erklärung dafür, woran das liegen kann. Generell ist es schwierig zu sagen, wie viele Menschen in Deutschland betroffen sind. Laut der Fachliteratur ist einer von 100.000 Menschen betroffen. Die Realität sieht jedoch anders aus. „Wir haben in Heidelberg 100.000 Einwohner. Und es sind wesentlich mehr Menschen, die wir wegen eines chronischen Schluckaufs behandeln“, berichtet Keßler. Da Schluckauf im Gegensatz zu Tuberkulose keine meldepflichtige Erkrankung ist, lässt sich nur schwer eine konkrete Zahl bestimmen.
Es gibt viele verschiedene Tipps, wie man Schluckauf am schnellsten wieder los wird. Vor allem Hausmittel haben sich bewährt, so Keßler: „Luft anhalten und kaltes Wasser trinken können wirklich helfen. Aber auch Ablenkung, wie man es vor allem bei Kindern macht, ist sehr hilfreich.“ Eine beliebte Frage ist beispielsweise „Was hast du letzten Dienstag gegessen?“. Wichtig sei es, einen Gegen-Reiz zum Schluckauf-Reiz auszulösen. „Leidet man aufgrund von einer Magenschleimhautentzündung sowieso an Erbrechen, ist das der Brech-Reiz das Effektivste, was man dem Schluckauf entgegensetzen kann.“ Bei einem chronischen Schluckauf kann man nur die Symptome behandeln. Durch die Zwerchfellabflachung wird der Magen zusammengedrückt und es kann zu einer Speiseröhrenentzündung kommen. „Deshalb verschreiben wir immer als erstes ein magensäurehemmendes Medikament“, sagt Keßler. Als letzte Maßnahme wird der Schluckauf-Nerv blockiert. „Dafür wird ein Medikament an die Ursprungsstelle gespritzt, das den Reiz beendet“, erklärt Keßler. Um den Nerv ausfindig zu machen benutzt der Anästhesist, weltweit fast als Einziger, einen Ultraschall.
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akh
hiobsbotschaft schrieb:
am 27. Januar 2012 um 12:03:49
(0)
(1)
Unterschätze Gefahr
Unterschätze die Signale des Körpers, mehr als das Leben kann es nicht kosten.
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och nööö schrieb:
am 27. Januar 2012 um 08:42:49
(0)
(1)
Ich habe Schweissfüsse und Schuppen auf`m Kopp – können das
Warnzeichen für einen Herzinfarkt sein?
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