25.04.2008, 09:57 Uhr | stez
Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie im Schlaf mit den Zähnen knirschen (Quelle: imago)Die Zähne zusammenbeißen und durch! So lautet die Devise vieler Menschen, wenn ihnen der Stress mal wieder über den Kopf wächst. Doch unser Körper nimmt das manchmal zu wörtlich und arbeitet das Tagesprogramm nachts ab - mit Zähneknirschen. Das nächtliche Malmen ist ein weit verbreitetes Phänomen, auch wenn es keine eindeutigen Statistiken gibt. Meist ist von 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung die Rede, extreme Schätzungen reichen bis zu 68 Prozent.
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Normalerweise ist der Kiefer im Schlaf entspannt, die Zähne sind leicht geöffnet. Nicht so bei Knirschern: Sie pressen die Zähne mit hohem Druck aufeinander, verkrampfen die Muskeln und mahlen mit dem Kiefer. Experten sprechen auch von Bruxismus.
"Da wirken irre hohe Kräfte", erklärt Bärbel Kahl-Nieke, von der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie, "viel höher als bei tatsächlichen Kaukräften". Ein wenig sei das, als würde jemand acht Stunden lang auf einem sehr zähen Steak kauen.
Die Ursache für das nächtliche Knirschen ist fast immer unverarbeiteter Stress. "Betroffene fressen den Ärger sprichwörtlich in sich hinein", sagt Dr. Ingrid Peroz, Spezialistin für Funktionsstörungen des Kiefers an der Berliner Charité. Einer ihrer Patienten habe sich die Zähne sogar bis auf das Zahnfleisch abgewetzt, erzählt die Expertin. Viele Knirscher sind jedoch ahnungslos, was sich in ihrem Mund abspielt: "Zwei Drittel der Menschen wissen nicht, dass sie nachts mit den Zähnen knirschen", sagt Peroz,
Auf Dauer wetzt das ständige Mahlen die Zähne regelrecht ab. In schlimmen Fällen können Zähne auch längs durchbrechen. Doch der Schaden an den Beißern ist noch nicht alles. Viele Betroffene wachen morgens mit Muskelschmerzen im Kiefer und im Gesicht auf. Auch Kopf- und Nackenschmerzen, bis hin zu Migräne können aus der nächtlichen Kauarbeit resultieren. Dass solche Beschwerden eigentlich aus dem Mund kommen, erkennen auch viele Ärzte nicht.
Mit den Zähnen knirschen sowohl Männer als auch Frauen. "Betroffen sind meist eher introvertierte Typen, die Probleme immer wieder durchkauen", so Peroz. Zahnärzte verpassen den Patienten meist eine Knirscher-Schiene: Ein Kunststoffschutz, der nachts auf die Zähne gesetzt wird. Er verhindert, dass sich das Gebiss zu stark abschmirgelt. Die Wurzel des Übels - die Verspannung - kann die Schiene jedoch nicht beseitigen. "Da kann man nur mit Entspannungsmaßnahmen gegenwirken", so Peroz. Vielen Betroffenen helfen autogenes Training, Qui Gong oder Muskelentspannung nach Jacobsen.
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