11.01.2008, 13:31 Uhr
Trennungsopfer Hund (Foto: Archiv)Menschen rufen Zuske an, wenn die Katze die ganze Wohnung vollpinkelt oder der Hund dauerbellt, sobald man auch nur aufs Klo geht geschweige denn das Haus verlässt. Sie war bei Katzen, die sich seit Tagen nicht vom Schreibtisch runtergetraut haben. Sie war bei Hunden, die aus Angst vorm Alleinsein erbrechen müssen und Herzrasen bekommen. Wer mit Zuske spricht, denkt, dass Deutschland voll ist mit neurotischen Haustieren. Eigentlich seien ja Katzen die erheblich komplizierteren Kunden, sagt die Tierpsychologin. Aber bei Hunden sei Trennungsangst ein wirklich häufiges Problem - die Angst, allein gelassen zu werden, die durch den vorherigen Verlust einer Bezugsperson noch verstärkt wird.
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Foto-ShowSeine Körpersprache entlarvt ihn
"Hunde sind wie Kleinkinder. Aber anders als Kleinkinder kommen Hunde aus dieser Phase nie heraus. Die Halter bleiben immer die Muttertiere", sagt Zuske. "Und wenn ein Teil des Rudels geht und die Sicherheit weg ist, dann fällt der Hund wieder ins Welpenstadium zurück." Nach einer Scheidung muss man dann dem traumatisierten Vierbeiner beibringen, dass nicht immer etwas Schlimmes passiert, wenn auch noch das Restelternteil kurz die Wohnung verlässt.
Um die tierischen Trennungsneurotiker wieder hochzupäppeln, macht die Psychologin fast immer Hausbesuche, sie schaut sich die Lebensumgebung des Tieres an, redet lange mit den Haltern und gibt dann Ratschläge, was zu tun ist. Übrigens sind es keineswegs nur gut betuchte Kunden, die die 70 Euro für eine Beratungsstunde hinlegen. Es sind auch Hartz-IV-Empfänger dabei, die Pfandflaschen sammeln, um sich das leisten zu können. Was ist schließlich schon Geld, wenn es um Liebe geht?
Vor derselben Frage stand offenbar auch das Ehepaar Stanley und Linda Perkins aus San Diego, das 1998 die Scheidung einreichte. Es war keine friedliche Trennung. Vor allem stritten die beiden erbittert um Gigi, den gemeinsamen Hund. Der Richter beschloss, im Sinne des Tieres zu handeln und demjenigen das Sorgerecht zuzusprechen, zu dem es die engere Bindung hat. Das war allerdings nicht so leicht zu ermitteln. Eine Tierverhaltensforscherin wurde hinzugezogen, die Gigi und ihren Umgang mit Herrchen und Frauchen begutachtete.
Vor Gericht legte vor allem Linda starke Beweismittel vor, um zu zeigen, dass Gigi zu ihr gehöre: unter anderem eine Geburtstagskarte des Tieres an die "liebe Mom" mit bestem Dank fürs Streicheln und Füttern (eigentlich hatte ja Stanley die Karte geschrieben und nicht der Hund, aber wer will schon kleinlich sein) sowie ein Video namens "Ein Tag im Leben von Gigi am Strand". Letztlich hatte Linda mit dieser Strategie Erfolg: Sie bekam Gigi zugesprochen. Bis dahin hatte sich das Verfahren über zwei Jahre hingezogen und Anwaltskosten von rund 150.000 $ verschlungen.
Dem Hund wird das alles verblüffend egal gewesen sein - jedenfalls wenn es nach Enrico Lombardi aus Berlin geht. Er ist "Dogcoach" - eine Mischung aus Hundetrainer und Verhaltenstherapeut für Problemtiere. "Leider neigen einige Halter dazu, das Tier sehr zu vermenschlichen", sagt er. Natürlich hat auch Lombardi ab und zu mit Hunden zu tun, die nach Trennungen Probleme machen: Dann denken die Leute, ihr Liebling wäre traurig. Ist er schließlich nicht der beste Freund des Menschen? Herrchen und Frauchen treu bis in den Tod? Lombardi zerschmettert diese Hoffnung: "Der Hund braucht eine gewisse Zeit, um seinen Platz im Rudel neu zu definieren. Aber er denkt ganz sicher nicht: Ach, war das schön, als die ganze Familie noch beisammen war." Vielleicht sei das Tier ein bisschen durch den Wind anfangs, weil es Zeit braucht, um sich an die neue Lebenssituation zu gewöhnen. Zwei Wochen. Maximal. "Aber eine große Trauer findet da nicht statt." Am Ende ist es also doch wieder nur der Mensch, der leidet wie ein Hund.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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