11.01.2008, 13:29 Uhr
Trennungsopfer Hund (Foto: Archiv)"Für den Partner, der ohne Hund zurückbleibt, ist das sehr schlimm. Vielleicht sogar schlimmer, als wenn der Hund gestorben wäre", sagt Elli Radinger, Autorin des Buches "Der Verlust eines Hundes - und wie wir ihn überwinden" (Animal Learn Verlag, 121 Seiten, 15 Euro) . "Der Betroffene durchläuft ja ebenfalls alle Phasen der Trauer", sagt sie. "Aber hinzu kommt, dass er nicht weiß, wie es dem Hund geht: Ob der Ex-Partner sich auch genug kümmert, ob vielleicht jemand Neues ins Haus gekommen ist, der den Hund schlecht behandelt."
Test Welcher Haustier-Typ sind Sie?
Foto-ShowSeine Körpersprache entlarvt ihn
Statt eine humane Regelung für Scheidungsherrchen zu finden, wird vor deutschen Gerichten höchstens noch ums Geld gestritten: In einem Urteil des Oberlandesgerichts Zweibrücken aus dem Jahr 2005 wurde Andreas F. auf 100 Euro Unterhalt monatlich für die Bobtailmischung Angie verdonnert, die bei seiner Ex-Frau lebte. "Und dabei darf ich Angie noch nicht mal sehen", beschwerte sich Andreas F. und gab damit den Stoßseufzer vieler reiner Zahlväter wieder.
Aber nicht nur der Mensch leidet - auch der Hund fühlt sich hundeelend. Schließlich ist nach einer Scheidung ein Teil seines Rudels einfach weg. "Noch schlimmer als die Trennung an sich ist es, wenn sich die Paare vorher die ganze Zeit streiten", sagt Elli Radinger. "Ich habe Hunde gesehen, denen es dabei wirklich schlecht ging, die sich übergeben haben deswegen." So fangen sensiblere Scheidungshunde plötzlich an, Verhaltensauffälligkeiten zu zeigen: Aufsässigkeit gegenüber der Familie, sinnlose Zerstörungswut, Bockigkeit, Rumwinseln, Depressionen - das volle Programm. So wie Stitch (nicht mit Lilo von oben verwandt). Nachdem Melanie Rasch sich von ihrem Freund getrennt hatte und mit dem Hund aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen war, fing der Jack-Russel-Terrier an, Schuhe zu zerkauen und fremde Leute anzuknurren. "Aber vor allem wollte er keine Minute mehr allein sein", sagt Rasch.
Die verzweifelte Hundemutter wusste keine andere Möglichkeit, als den Hund bei der Hamburger "Hundeversität" für individuelles Hundetraining anzumelden. Dort lernte Melanie, den Stresspegel von Stitch zu reduzieren, vor allem aber Verständnis für sein Verhalten aufzubringen: "Das war eben alles zu viel für ihn: Freund weg, Wohnung weg, bald neuer Freund da, und dann musste ich auch noch viel arbeiten." Solche Problemfälle wären ohne professionelle Hilfe kaum zu lösen.
Auch Gabriele Zuske kennt sich mit trennungsgestörten Fellträgern aus. Sie ist Tierpsychologin und -homöopathin in Berlin, spezialisiert auf Hunde, Katzen und Pferde. "Eine übliche Hundeschule hilft Ihnen, wenn Sie einem Hund Befehle beibringen wollen. Aber das behebt das Problem ja nicht", sagt sie. Zuske selbst hält seit 27 Jahren Hunde und Katzen und hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht, um ihr autodidaktisch erworbenes Wissen zur Psyche des Haustiers weiterzugeben. Seitdem es ihre Praxis gibt, hat sich die Zahl ihrer Klienten jedes Jahr verdoppelt; mittlerweile geht ihr eine Auszubildende zur Hand.
Teil 3: Warum Katzen komplizierte Kunden sind und Hunde unter Trennungsangst leiden
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Quelle: Financial Times Deutschland
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