01.08.2011, 13:39 Uhr | ts
Tabukrankheit (Foto: imago)
Scheidenpilz ist weit verbreitet: Drei von vier Frauen sind mindestens einmal im Leben betroffen. Einige Frauen leiden regelmäßig unter einer Pilzinfektion der Scheide - insbesondere in den Sommermonaten. Oft genügt ein einziger Schwimmbadbesuch und das lästige Leiden beginnt von neuem.
Die Symptome sind vielen Frauen bekannt: Juckreiz, Rötungen und Schwellungen sowie ein vermehrter Ausfluss können Anzeichen einer Pilzinfektion der Scheide sein. Behandelt wird sie mit Cremes oder Zäpfchen, so genannten Antimykotika, oder auch mit Tabletten. "Dabei ist der Ausheilungsprozess ganz wichtig", erklärt der Wiesbadener Gynäkologe Dr. Klaus J. Doubek."Ein großer Teil der Rückfälle basiert darauf, dass die Therapie nach ein, zwei Tagen beendet wird. Viele Frauen haben noch Reste dieser Arznei zuhause anstatt sie aufzubrauchen."
Auch auf Sexualverkehr sollte während der Heilung verzichtet werden. Doubek empfiehlt während einer akuten Infektion Einmal-Waschlappen, getrennte Handtücher und einen täglichen Wechsel der Unterwäsche. Ideal seien Baumwollslips, die bei hohen Temperaturen gewaschen werden können. Bei wiederkehrenden Infektionen sollte der Partner auch behandelt werden, allerdings nur, sofern er ebenfalls Beschwerden habe. Aus seiner Beratungspraxis weiß Doubek, dass das heikle Thema für viele Paare nicht einfach anzusprechen ist. "Solche Infektionen sind noch immer stark tabuisiert."
Auslöser sind Bakterien, Pilze, Parasiten oder Viren, die durch ungeschützten Verkehr übertragen werden. zum Video
"Es sind längst nicht alle Faktoren geklärt, die für häufige Pilzinfektionen verantwortlich sind", erklärt Doubek. Eine Rolle spiele die genetische Veranlagung, so der Frauenarzt. Frauen mit einem hohen Östrogenspiegel, wie beispielsweise Schwangere, sind ebenfalls besonders anfällig. Ein weiterer Faktor ist Stress: Er legt die körpereigene Immunabwehr lahm. Dies hat zur Folge, dass normalerweise harmlose Hefepilze sich rasant vermehren können. "Ein solcher Stressfaktor für die Haut ist auch ein Schwimmbadbesuch", weiß Doubek. Wer mehrere Stunden im feuchten Badeanzug herumläuft, muss sich nicht wundern, wenn die Haut aufweicht und zusätzlich gereizt vom Chlor, ihren natürlichen Schutzfilm verliert. "Der Scheideneingang wird dann zur Eintrittspforte für Infektionen."
Doch wie kann man sich vor dem Schwimmbadbesuch vor einer Infektion schützen? "Akutmaßnahmen helfen hier nicht", so Doubek. Der Gynäkologe rät Frauen mit sehr trockener Haut zu einer langfristigen Hautpflege. Wichtig sei es, auch den Scheideneingang einzucremen und beim Waschen ph-neutrale Seifen zu verwenden. Das ständige Tragen von Slipeinlagen kann die Bildung von Scheidenpilz begünstigen. Von vorbeugenden Maßnahmen, wie zum Beispiel das Verwenden von Zäpfchen, die das Säuremilieu der Scheide stabilisieren, hält Doubek wenig. "Viele Frauen haben eine gesunde Scheidenflora und trotzdem eine Pilzinfektion." Frauen, die häufig mit Pilzinfektionen zu tun haben, wird oftmals geraten, ein entsprechendes Medikament in die Reiseapotheke zu packen. "Es ist sicher nicht schlecht, so etwas dabei zu haben", räumt Doubek ein. Tritt jedoch nach ein, zwei Tagen keine Besserung ein, sei eine ärztliche Abklärung angebracht: "Denn nicht alles, was juckt, ist ein Pilz."
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ts
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