21.10.2009, 15:07 Uhr | amau
Hinter Niedergeschlagenheit kann eine Depression stecken. (Foto: imago)Carla Bruni, Lindsay Lohan, Robbie Williams – unzählige Stars und Sternchen geben öffentlich zu, in psychologischer Behandlung zu sein. Doch der Trend zum Therapeuten ist mehr als ein Promi-Phänomen. Seit Jahren nehmen psychische Erkrankungen zu. Besonders häufig: Depressionen und Angststörungen. Schätzungen zufolge soll etwa jeder Zehnte im Laufe seines Lebens an einer dieser Störungen erkranken. Hier erfahren Sie, bei welchen Symptomen ein Gang zum Psychologen ratsam ist, welche Therapien es gibt und wer die Kosten übernimmt.
Überblick Die wichtigsten Psychotherapien
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Jutta P. (38) führte ein Leben im Stechschritt. An ihrem Arbeitsplatz in einem Pharmaunternehmen gab es viel Zeitdruck, ein bis zwei Überstunden pro Tag waren normal. Nach Feierabend und an den Wochenenden schmiss sie den Haushalt und war für ihren Mann, die zwei Kinder, Freunde und Verwandte da. Mit der Zeit bekam sie unerklärliche körperliche Symptome: Tinnitus, Rückenschmerzen, Schwindelanfälle und immer wieder Grippe-Erkrankungen. Sie überhörte die Signale ihres Körpers bis dieser deutlicher wurde: Eines Tages konnte sie sich nicht mehr bewegen und immer schlechter sehen. Ihr Arzt vermutete eine psychosomatische Erkrankung und überwies die junge Frau zu einem Psychotherapeuten. Diagnose: Burn-Out-Syndrom – ein chronischer Erschöpfungszustand, bei dem sich der Körper gegen übermäßigen Stress wehrt.
Schicksale wie die von Jutta P. gibt es immer häufiger. Auch Betriebsärzte warnen vor der Zunahme psychischer Erkrankungen. "Der Strukturwandel in der Arbeitswelt hat dazu geführt, dass in vielen Betrieben Zeitdruck, Zwang zu schnellen Entscheidungen und zwischenmenschliche Probleme wesentliche Belastungsschwerpunkte darstellen", sagt der Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs -und Werksärzte (VDBW), Wolfgang Panter. Hinzu kommt der häufig verspürte Leistungsdruck, auch im Privatleben alles perfekt machen zu müssen.
Eine Psychotherapie kann bei seelischen Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns helfen. Dazu gehören beispielsweise Ängste, Depressionen, Essstörungen, Süchte und Zwänge. Auch psychosomatische Probleme – das heißt, wenn der Körper durch den Belastungen der Seele erkrankt – gehören zum Aufgabenfeld eines Psychotherapeuten.
Wer mit sich selbst nicht im Reinen ist, gibt das nicht gern zu. Weder vor sich selbst noch vor anderen. Das „Nichtfunktionieren“ wird als Schwäche oder gar als Versagen erlebt. Dabei kann unsere Seele ebenso erkranken wie unser Körper. Hinweise für eine seelische Störung können dauerhafte Schlaflosigkeit, chronische Kopfschmerzen oder ausgeprägte Angstgefühle sein. Wann sollte man einen Psychotherapeuten aufsuchen? Die Antwort: Wenn man sich dem Druck des Alltags nicht mehr gewachsen fühlt. Und wenn man das Gefühl hat, sein Leben nicht allein in den Griff zu bekommen. Sich in solch einer Situation helfen zu lassen, ist keine Schwäche – sondern ein Zeichen von Stärke.
Für die Suche nach einem geeigneten Therapeuten sollte man sich etwas Zeit nehmen. Achten Sie auf den Zusatz „Psychologischer Psychotherapeut“, der garantiert eine fundierte Ausbildung. Bis zu fünf Probesitzungen können Sie bei einem kassenzugelassenen Therapeuten in Anspruch nehmen. Erst dann wird entschieden, ob man eine Therapie beginnen möchte. Nehmen Sie sich die Zeit und scheuen Sie sich nicht, den Psychotherapeuten kritisch zu hinterfragen. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, dass die „Chemie“ zwischen Patient und Betreuer stimmt. Welche Therapieform zu ihnen passt, können Laien nur schwer abschätzen. Wertvolle Hilfe bietet die Internet-Seite psychotherapiesuche.de.
Einige ambulante Behandlungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, andere nicht. Bezahlt werden zurzeit die Psychoanalyse, die tiefenpsychologisch fundierte Behandlung sowie die Verhaltenstherapie. Wissenschaftlich anerkannt, aber nicht über die Krankenkasse abzurechnen: Gestalttherapie, Gesprächspsychotherapie und Systemische Familientherapie. Wer privat versichert ist, sollte individuell mit seiner Kasse über deren Leistungen sprechen. Gegebenenfalls muss man die Sitzungen (je ca. 80 Euro) selbst bezahlen.
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