29.09.2011, 10:03 Uhr | ko
Nein zu sagen fällt vielen Menschen schwer. (Quelle: imago)
Der Chef kommt kurz vor Feierabend mit einer Sonderaufgabe. Die Kollegin fragt, ob Sie Ihr etwas Arbeit abnehmen können, aber eigentlich haben Sie selbst genug zu tun. Ein befreundetes Paar bittet Sie darum, beim Umzug zu helfen, aber eigentlich würden Sie viel lieber auf der Couch herum hängen. Und was tun Sie? Sie können einfach nicht nein sagen… obwohl Sie es eigentlich wollen. Da stellt sich doch die Frage: Warum ist es eigentlich so schwer, nein zu sagen?
Respekt oder Angst vor Autoritäten ist einer der Gründe, warum wir Dinge tun, die wir eigentlich nicht tun wollen. Wenn der Vorgesetzte etwas verlangt, sehen wir uns in der Pflicht, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Schließlich könnte es für uns Konsequenzen haben, eine Aufgabe abzulehnen. Zwar werden wir sicherlich nicht sofort unseren Job verlieren, aber bei der nächsten Beförderung könnten wir dennoch übergangen werden.
Es ist gut für das Betriebsklima, wenn man in der Firma hilfsbereit ist und einander unterstützt. Wer möchte nicht bei den Kollegen beliebt sein und um Rat gefragt werden? Schließlich gibt uns dies das Gefühl, gebraucht zu werden und kompetent zu sein. Wenn die eigene Leistungsfähigkeit jedoch unter die Hilfsbereitschaft leidet, sollten Sie diese vorsichtig dosieren. Wer sich ausgenutzt oder überfordert fühlt, sollte deutlich "nein" sagen. Die Kollegen werden dies verstehen, wenn Sie es Ihnen freundlich erklären.
Das Nein-sagen fällt auch dann schwer, wenn wir uns in der Pflicht fühlen, etwas zu tun. Dies kann der Fall sein, wenn andere uns ständig Gefälligkeiten erweisen, obwohl wir sie nie darum gebeten haben. Wenn Freunde oder Bekannte uns zur Hand gehen und irgendwann das gleiche von uns erwarten, fühlen wir uns unter Zugzwang. Man kann schließlich nicht nein sagen, wenn jemand immer so hilfsbereit ist, oder?
Auch wenn es sich um Verwandte handelt, wollen und können wir Gefälligkeiten nicht ablehnen. Der Verwandtschaftsgrad ist bereits eine Verpflichtung per se. Ein Nein wird hier in der Regel nicht akzeptiert und gilt als undankbar. Wenn Mutti fragt, ob wir ihr helfen, müssen wir dies einfach tun. Schließlich hat Mutti uns großgezogen und war auch immer für uns da, wenn wir sie brauchten.
Vermutlich können wir auch nicht nein sagen, weil wir gut bei anderen da stehen wollen. Wir wollen gemocht, respektiert oder gebraucht werden. Ein Nein führt hingegen immer zu negativen Gefühlen – bei einem selbst, aber auch bei dem Anderen. Manchmal gehen wir dann den konfliktärmeren Weg und sagen ja, obwohl uns der Sinn nach etwas anderem steht. Dann ärgern wir uns im Stillen über die zusätzliche Arbeit, müssen uns aber keiner Konfrontation aussetzen.
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