
22.12.2008, 09:07 Uhr | Spiegel Online / Susanne Amann
Erdbeerjoghurt: Viele Produkte halten nicht, was sie versprechen. (Foto: Archiv)Wer gesund bleiben will, sollte Actimel trinken - das suggeriert Danone in den Werbespots für sein Joghurtgetränk. Doch das Fläschchen mit dem probiotischen Inhalt hat kaum eine andere Wirkung als normaler Naturjoghurt - bringt dem Großkonzern aber viel Geld.
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Es klingt zu schön, um wahr zu sein, was der Danone-Werbespot verspricht: "Jetzt wird es draußen wieder stürmisch, nass und kalt", heißt es da, deshalb solle man seine Abwehrkräfte "zum Beispiel mit Actimel" unterstützen. "Denn eine wissenschaftliche Studie belegt", so erklärt das kurze Filmchen weiter, "dass Actimel die Aktivität körpereigener Immunzellen um bis zu 25 Prozent steigern kann". Das Fazit: "Machen Sie sich wetterfest. Actimel aktiviert Abwehrkräfte."
50 Millionen Euro hat der Lebensmittelgroßkonzern laut dem Marktforschungsinstitut Nielsen allein von Januar bis Oktober 2008 für diese und andere Werbemaßnahmen rund um den Joghurt-Drink in Deutschland ausgegeben - rund 30 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Doch der hohe finanzielle Aufwand lohnt sich: Actimel ist mit 70 Prozent unangefochtener Marktführer in Deutschland, und laut Danones Deutschland-Chef Thomas Reuther der Wachstumstreiber für den Gesamtumsatz in Deutschland von 470 Millionen Euro. Stolz wirbt Danone damit, dass "weltweit 129 Fläschchen Actimel pro Sekunde" getrunken werden, was dem Unternehmen einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro beschert.
Und das ist erstaunlich, denn der probiotische Joghurtdrink ist etwa so wirksam wie normaler Naturjoghurt - allerdings mehr als doppelt so teuer. Knapp zwei Euro müssen die Verbraucher für eine Packung mit vier Fläschchen à 100 Milliliter zahlen - während es einen 500-Gramm-Becher mit gewöhnlichem Naturjoghurt zur Hälfte des Preises gibt. "Danone macht gekonnt aus einer Mücke einen Elefanten, indem suggeriert wird, Actimel schütze vor Erkältungen und fördere in besonderem Maße die Gesundheit", sagte Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation foodwatch. "Dabei verkaufen sie mit überzogenen Werbeversprechen und zu horrenden Preisen ein gewöhnliches Produkt."
Eine Einschätzung, die von wissenschaftlicher Seite geteilt wird: "Bakterien aus Joghurt können im Körper eine Reaktion des Immunsystems auslösen und ihn quasi darauf trainieren, Krankheitserreger besser abzuwehren", sagt Alexa Meyer vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien. Die Wissenschaftlerin hat eine der wenigen Vergleichsstudien zwischen normalem Joghurt und dem mit speziellen probiotischen Keimen angereicherten Actimel gemacht - und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: "Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen normalem Joghurt und Actimel - und ein vorbeugender Effekt konnte bisher nicht bewiesen werden."
Dies bestätigt auch Berthold Koletzko, Leiter der Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin an der Universitäts-Kinderklinik München. "Eine Untersuchung in Frankreich fand einen schützenden Effekt bei Durchfallerkrankungen nicht nur von Actimel, sondern auch von herkömmlichem Joghurt." Er würde Eltern zwar empfehlen, Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien zu verwenden - es könnten aber auch andere Produkte als Actimel sein.
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Quelle: Spiegel Online
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