19.09.2011, 13:02 Uhr | tp
Patchworkfamilie - Herausforderung oder Bereicherung? (Quelle: Archiv)
Patchworkfamilien sind heute keine Seltenheit mehr. Auch Anke lebt mit ihren zwei Töchtern, ihrem Mann Thomas und dessen drei Kindern dieses – nicht immer einfache – Modell.
Als Anke ihren Thomas vor fünf Jahren kennenlernte, war sie bereits seit einiger Zeit geschieden. Ihre Töchter waren acht und elf. Kontakt zum leiblichen Vater der Mädchen bestand so gut wie gar nicht. Thomas hatte seine Frau durch einen Verkehrsunfall drei Jahre vorher verloren und war mit seinen vier- und sechsjährigen Söhnen und der neun Jahre alten Tochter seitdem alleine. Am Anfang hatte vor allem Anke große Vorbehalte, sich auf eine Beziehung mit einem dreifachen Vater einzulassen. Der Gedanke quasi Stiefmutter für drei Kinder sein zu müssen, verursachte ihr Bauchschmerzen, sie fühlte sich den Anforderungen nicht gewachsen. Auch die Frage, ob sie ihren Töchtern neben einem neuen Mann in ihrem Leben gleich auch noch neue „Geschwister“ zumuten könne, beschäftigte sie. Auf der anderen Seite war ihr sehr schnell klar, dass Thomas genau der Mann ist, den sie sich immer gewünscht hatte.
Viel Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen Thomas bekam die Siebenunddreißigjährige von ihrer besten Freundin. Die ist zwar selbst kinderlos, allerdings mit einem zweifachen Vater liiert. Sie machte Anke klar, dass sie eben nicht die Mutter der Kinder ersetzen müsse, sondern dass es völlig ausreichend sei, eine Art Freundin zu werden. Auch Anke und Thomas sprachen viel darüber, wie sie sich eine Beziehung vorstellen könnten – und zwar bevor sie gegenseitig die Kinder des anderen kennenlernten. „Wir waren sehr vorsichtig am Anfang“, berichtet Anke. „Erstmal mussten wir überhaupt für uns feststellen, ob es passt. Wir wollten nicht die Kinder involvieren, bevor wir sicher wussten, ob es für uns als Paar überhaupt eine Zukunft geben kann.“ Ein halbes Jahr lang hat sich das Paar nur „heimlich“ getroffen – also ohne dass die Kinder es großartig mitbekamen. „Das war gar nicht so einfach“, lacht die zweifache Mutter heute. Die Frage „zu dir oder zu mir“ gab es bei den beiden nämlich nicht – schließlich lebte keiner von ihnen alleine. „Da mussten wir manchmal ganz schön tricksen“, erinnert sie sich.
Irgendwann waren Anke und Thomas sich einig, dass sie sich auf das „Abenteuer Patchwork“ einlassen wollten. Zuerst hat Anke ihren Töchtern Thomas vorgestellt. Das lief viel entspannter als die Mutter es erwartet hätte. „Meine Mädels hatten überhaupt kein Problem damit, dass es einen neuen Mann in meinem Leben gab“, erzählt sie. „Ganz im Gegenteil, sie fanden Thomas gleich ziemlich klasse. Als ich ihnen erzählte, dass er drei Kinder hat, waren sie vor allem neugierig.“ Vor der ersten Begegnung mit Thomas Nachwuchs war Anke jedoch nach wie vor extrem nervös – zu Recht wie sich zeigte: „Die Tochter von Thomas hatte am Anfang ein großes Problem mit mir. Sie litt immer noch sehr unter dem Verlust ihrer Mutter und hatte wohl große Angst, dass ich ihr nun auch noch den Papa wegnehmen wolle“, sagt Anke. „Sie war zu mir teilweise richtig fies und stachelte ihre beiden Brüder dazu an, sich mir gegenüber auch möglichst schlecht zu benehmen. Fast hätte das das Aus für unsere Beziehung bedeutet“, denkt sie zurück.
Eine Wende gab es erst, als Thomas und Anke die Kinder miteinander bekannt machen. „Wir trafen uns in einem Freizeitpark, dort wollten wir ein ganz ungezwungenes Kennenlernen ermöglichen. „Zuerst war die Tochter von Thomas auch dort wieder sehr zickig. Meine beiden Mädels haben sie dann allerdings regelrecht mitgerissen. Thomas und ich waren echt überrascht, wie gut sich die Kids sofort verstanden“, erzählt die Patchwork-Mama. „Von da an ging es echt aufwärts, auch wenn es schon immer wieder mal Eifersüchteleien und Streitereien gibt“, erzählt sie. Aus gemeinsamen Unternehmungen wurden nach und nach gemeinsame Wochenenden und Urlaube.
Mittlerweile haben alle Sieben ein gemeinsames Zuhause und sind zu einer Familie zusammen gewachsen. „Sicherlich haben die Kinder auch untereinander Krach, aber das ist wohl auch bei „echten“ Geschwistern nicht anders. Im Großen und Ganzen läuft es recht gut, auch wenn wir momentan mit drei pubertierenden Mädchen unter einem Dach leben. Es ist anstrengend, aber trotzdem schön“, zieht Anke Bilanz. Ein tolles Beispiel, dass Patchwork klappen kann – wenn man behutsam vorgeht und die Kinder langsam einbezieht statt sie sofort mit einem neuen Partner samt Nachwuchs zu konfrontieren.
tp
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