04.06.2009, 08:46 Uhr | dpa/jlu
Osteoporose wird häufig nicht erkannt. (Foto: imago)Die Gefahren durch die Volkskrankheit Osteoporose werden nach Ansicht von Fachärzten deutlich unterschätzt. "Nur knapp die Hälfte der Erkrankten wird korrekt diagnostiziert, und nicht einmal ein Viertel von ihnen bekommt eine sachgerechte Therapie", sagt der Orthopäde Wolfhart Puhl zum Auftakt des Europäischen Orthopädiekongresses (EFORT) 2009. Nach der jüngsten Statistik sind die Chancen einer 50-jährigen Frau, in Folge eines durch Osteoporose verursachten Oberschenkelhalsbruchs zu sterben, statistisch genauso groß wie ihr Tod durch Brustkrebs, erklärt Puhl.
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Nach Angaben Puhls leiden bereits rund acht Millionen Deutsche an Osteoporose. EU weit gehen Experten von fast 48 Millionen Betroffenen aus. In Deutschland werden jährlich etwa 120.000 Menschen mit Oberschenkelhalsbrüchen wegen Osteoporose behandelt , EU weit sind es mehr als eine Million Fälle, berichtet der Mediziner. Deshalb fordert Puhl eine intensivere Vorbeugung. Diese würde sich nach seinen Worten nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich lohnen: Denn allein in Deutschland belasteten die Folgekosten der Osteoporose die Gesundheitsbudgets mit rund vier Milliarden Euro pro Jahr.
Hinzu kommt, dass Knochenbrüche von Osteoporose-Patienten ganz anders behandelt werden müssen, als Frakturen bei jüngeren Menschen, erklärt der Orthopäde: "Die Knochen sind poröser, die Betroffenen leiden an vielen verschiedenen Erkrankungen. Wichtig ist hier etwa, dass die Fraktur möglichst rasch operativ versorgt wird und die Patienten nach dem chirurgischen Eingriff auch wieder möglichst rasch auf die Beine kommen." Ebenso notwendig ist eine interdisziplinäre Betreuung der Betroffenen, zum Beispiel unter Einbeziehung von Altersmedizinern.
Warum die Knochen porös werden, hat viele Ursachen. Neben einer erblichen Veranlagung und dem Alter sind auch zu wenig Bewegung, Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss sowie Kalzium- und Vitamin D-Mangel Risikofaktoren für Osteoporose. Doch auch das frühe Einsetzten der Wechseljahre, Untergewicht oder eine langfristige Einnahme von cortisonhaltigen Medikamenten kann zu der Erkrankung führen.
Um der Osteoporose vorzubeugen ist es wichtig, genug Kalzium zu sich zu nehmen. Für Erwachsene ist es empfehlenswert ist, täglich etwa 1.000 Milligramm Kalzium aufzunehmen. Diese Menge erreicht man, wenn man zum Beispiel 150 Milliliter fettarme Milch, 150 Gramm Joghurt, zwei Scheiben Käse, 200 Gramm Brokkoli und einen halben Liter kalziumreiches Mineralwasser verzehrt. Wichtig ist zudem eine Vitamin D-reiche Ernährung. Diesen Nährstoff liefern beispielsweise fetter Fisch, Eigelb oder mit Vitamin D angereicherte Margarine. Ratsam ist es zudem, sich ausreichend zu bewegen. Ideal sind 30 Minuten Spazierengehen täglich.
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