
14.09.2009, 11:01 Uhr | FTD, Mareike Müller
Businesshemden nach Maß gibt es inzwischen auch über das Internet. (Foto: Imago)
Wer ein Businesshemd nach Maß will, muss zum Schneider - oder ins Netz, wo Maßkonfektionäre ihre Dienste anbieten. Oft sind selbst die grellsten Farbkombinationen erlaubt.
Es muss kein Fall von Farbenblindheit sein, wenn sich Ihr Kollege demnächst mit einem orangefarbenen Hemd samt schwarzen Ärmeln und grünkarierter Brusttasche an die Arbeit macht. Womöglich hat er einfach eine neue Shoppingmöglichkeit im Internet entdeckt: Onlinemaßschneider, bei denen man Hemden nach Herzenslust individualisieren lassen kann.
Das Schöne an solchen Anbietern ist nicht nur die oft grenzenlose Auswahl an Stoffmustern, Farben und Schnitten: Einmal die Körperdimensionen richtig abgemessen, sitzen die im Netz bestellten Hemden - nun ja, eben wie maßgeschneidert, wobei sie nicht wesentlich teurer sind als ein Standardhemd von der Stange. Das Prinzip dahinter gibt es im Offlineleben schon länger: Maßkonfektion bedeutet, dass man sich beim Schneider ausmessen lässt und einen bestimmten Schnitt aussucht, dann aber seinen Anzug, seinen Mantel oder sein Hemd nicht als Einzelanfertigung bekommt, sondern von einem externen Fertigungsbetrieb in Massenproduktion.
Neu ist nun, dass klassische Anbieter wie Dolzer oder Müller Maßhemden ins Internet abwandern - und dort auf jede Menge Konkurrenz stoßen. Im Revier der alteingessenen Maßkonfektionäre wildern plötzlich Jungunternehmer, die als Quereinsteiger in die Branche gefunden haben und mit deutlich niedrigeren Preisen locken.
Hemdwerk.de zum Beispiel bietet auf seiner Website ein 3-D-Modul, das dem Kunden das gewählte Hemd mit allen individualisierbaren Elementen vom Ärmel über den Kragen bis zur Knopfleiste anzeigt. Schritt für Schritt fragt dieser Onlinekonfigurator Maße ab wie Gewicht, Größe, Bauch- oder Hüftumfang. Wenn man gar nicht mehr weiterweiß, helfen Anleitungsvideos. Und die Auswahl ist gewaltig: Allein 70 Stoffe gibt es, von Fischgratrosa bis Pinpoint-Sonnengelb. Möglich sind außerdem kleine Spinnereien wie bunte Krageninnenseiten, Kontrastnähte oder grelles Knopfgarn.
Für Geschäftsführer David Beckers und seine Mitstreiter ist der Onlinekonfigurator sozusagen Ehrensache: Die Hemdwerk-Macher stammen ursprünglich aus der IT-Branche. Heute hat die Firma fünf Mitarbeiter plus 45 in der Produktion; genäht wird in Thailand. Vermutlich auch deshalb ist das Ganze nicht besonders teuer: Hemden in Baumwollmischung beginnen bei 39,90 Euro, die Obergrenze des Maßhemds in Vollzwirnbaumwolle liegt bei 100 Euro. Falls man mit der Qualität unzufrieden ist oder sich vermessen hat, kann man sein selbst gebautes Hemd sogar umtauschen. Blöd ist nur, wenn einem der Stoff in Twill-Tomatenrot plötzlich doch nicht mehr gefällt: Dann hat man Pech gehabt.
Dass es einen Markt für Onlinemaßkonfektionäre gibt, hat Hemdwerk-Chef David Beckers regelrecht am eigenen Leib gespürt. "Fragen Sie mal einen Herrn, ob er in ein Hemd von der Stange hineinpasst", sagt er. Ähnlich war es auch bei Dirk Bachhausen von der gleichnamigen Maßkleidungsmanufaktur in Köln: Als Zweimetermensch musste er lange nach passenden Hemden suchen, bis er schließlich bei einem Maßschneider landete.
"Warum solche Hemden nicht selber anbieten?", fragte sich Bachhausen, kündigte seinen Job bei der Bank - und verkauft nun unter www.schulz-cologne.de maßkonfektionierte Hemden, bei denen man aus drei Schnittvarianten, vier Manschetten- und fünf Kragenformen wählen kann. Die Preise liegen zwischen 39,95 und 89,95 Euro, je nach Stoffwahl: Standards sind Uni, feines Karo, bunte Streifen - oder eben ein zusammengesetztes Hemdenpotpourri. Bald soll es auch einen Onlinekonfigurator geben - im Moment aber punktet Bachhausen mit einem anderen Sonderservice: Im Postleitzahlbereich Fünf kommen Mitarbeiter kostenlos zum Kunden nach Hause und nehmen persönlich Maß.
Auf die Spitze getrieben hat die Individualisierung der jüngste Anbieter auf dem Markt, Shirtsmyway.com mit Sitz in Hongkong. Zurzeit läuft die im Februar gestartete Website noch als Betaversion - man kann zwar ganz normal bestellen, geplant seien aber noch einige zusätzliche Features, sagen die dänischen Unternehmer Michael Yang und Peter Crawfurd. Kunden sollen künftig zum Beispiel - ganz Web-2.0-mäßig - die Designs anderer Leute anschauen können. Genäht wird bei Shirtsmyway in China, und nach Deutschland ist die Lieferung kostenfrei.
Mit "7 trillion different shirt designs" wirbt die Site, doch eigentlich geht es den Gründern darum gar nicht: Der Prozess des Selberdesignens soll Spaß machen und einfach sein, heißt es bei den Dänen. Wer aus dem Einheitslook im Büro künftig hervorstechen will, kann mit dem schnellen Konfigurator gewagte Hemdkombinationen in Baumwollmix oder reiner Baumwolle zusammenstellen: Die Innenseite der Manschetten ist farblich genauso frei wählbar wie Kragenleistendesign oder Knopffarben. Die jungen Wilden unter den Hemdträgern wird's freuen.
Im 3-D-Konfigurator des Regensburger Unternehmens kann man unter anderem aus 70 verschiedenen Stoffen wählen, die Preise beginnen bei 39,90 Euro (www.hemdwerk.de).
Shirtsmyway Die jungen Wilden unter den Onlinehemdschneidern kommen aus Dänemark, sitzen in Hongkong, nähen in China und liefern gratis nach Deutschland (www.shirtsmyway.com).
Schulz-cologne.de Ex-Banker Dirk Bachhausen bietet Hemden auch für Bohnenstangen - und im Rheinland kommen seine Leute persönlich zum Maßnehmen vorbei (www.schulz-cologne.de).
FTD, Mareike Müller
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