04.11.2009, 13:36 Uhr | dpa
Die neue Neurodermitis-Salbe "Regividerm" steht auf dem Prüfstand. (Foto: dpa)Seit heute ist die umstritteneNeurodermitis-Salbe "Regividerm" erhältlich. Obwohl noch eine Prüfung durch Behörden aussteht, hat die Markteinführung begonnen. Die Auslieferung der ersten 25.000 Tuben an den Großhandel in Deutschland und in der Schweiz habe am 4. November begonnen. Noch in dieser Woche solle die Salbe für weniger als 30 Euro rezeptfrei in den Apotheken zu kaufen sein. Das sagte der Sprecher der Vertriebsfirma Mavena Health Care, Marc Tenbücken. Vor kurzem hatte die Salbe gegen die verbreitete Hautkrankheit für Schlagzeilen gesorgt: In einer TV-Reportage wurde sie gepriesen, einige Ärzte sind jedoch skeptisch.
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Es sei "unternehmerisches Risiko", nun den Verkauf der Salbe in den Apotheken zu starten, obwohl eine letzte Überprüfung durch die Bezirksregierung Düsseldorf noch bevorstehe. Strittig ist, ob es sich bei der Salbe um ein Medizinprodukt, oder um ein Arzneimittel handelt. Der Remscheider Hersteller will alle erforderlichen Unterlagen bis zum 6. November an die Behörde schicken. "Die Prüfung ist ein formaler Akt. Wir arbeiten kooperativ mit der Behörde zusammen", meinte Tenbücken. Das Ergebnis der Prüfung - und auch die Dauer - seien "völlig offen", sagte dagegen die Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf, Stefanie Paul.
Die Creme auf Basis von Vitamin B12 und Avocado-Öl ist im August als Medizinprodukt, nicht aber als Arzneimittel, für die EU und die Schweiz zugelassen worden. Im Mittelpunkt der neuen Prüfung steht nun, ob es sich bei Vitamin B12 um einen medizinischen Wirkstoff handelt, der einen pharmakologischen Wert hat. Dann wäre die Salbe ein Arzneimittel und müsste ein Genehmigungsverfahren mit umfangreichen Langzeitstudien beim Bundesinstitut für Arzneimittel durchlaufen. Dies könnte bedeuten, dass die Salbe zunächst wieder vom Markt genommen werden muss. Für diesen Fall würden Regeneratio und Mavena Einspruch beim Verwaltungsgericht erheben, sagte Sprecher Tenbücken.
Die Salbe, die laut Hersteller gegen die Hautkrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte nebenwirkungsfrei hilft, war bereits vor 20 Jahren entwickelt worden. Der WDR-Film "Heilung unerwünscht" hatte heftige Debatten ausgelöst - und einen Ansturm auf die Apotheken. Von den beiden Krankheiten sind bundesweit acht Millionen Menschen betroffen. Laut Film wollte zwei Jahrzehnte lang kein Pharmakonzern das vergleichsweise günstige Mittel herstellen - angeblich, um den Verkauf eigener teurerer Angebote nicht zu gefährden.
Experten warnen vor überzogenen Erwartungen. Einige Mediziner meinen, die bisherigen klinischen Studien sind einwandfrei, allerdings sei der Kreis der Probanden sehr klein. Der Deutsche Neurodermitis Bund glaubt nicht an eine heilende Wirkung. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sieht weiteren Forschungsbedarf und rät Patienten, sie sollten sich vor Nutzung der Salbe mit ihren Ärzten absprechen.
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dpa
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