17.06.2011, 14:49 Uhr | dpa / t-online.de/business
Strumpflos ins Büro - das ist jetzt laut Knigge erlaubt. (Foto: imago)
Bisher galt: Laut Business-Knigge dürfen die Damen im Geschäft selbst bei tropischen Temperaturen nicht auf Strümpfe verzichten, die Herren sind nur im Jackett und mit Krawatte stilecht gekleidet. Nackte Frauenbeine oder hemdsärmelige Kollegen im Büro - das war für die Deutsche Knigge-Gesellschaft bisher ein grober Verstoß gegen die Kleiderordnung. Doch die Benimm-Experten haben ihre strengen Regeln jetzt gelockert. Wir erklären Ihnen, was seit neuestem erlaubt ist.
Die Etikette-Profis zeigen sich fortschrittlich: Im Sommer dürfen Frauen bei der Arbeit künftig ohne Nylons erscheinen, Männer können Jackett und Krawatte an den Nagel hängen. "Es ist unmenschlich, jemanden bei 42 Grad schwitzen zu lassen, nur weil ein Modepapst solche Regeln aufstellt", erläutert der Vorsitzende der Knigge-Gesellschaft, Michael Klein. Auf ihrer Jahreshauptversammlung hat die Knigge-Gesellschaft jetzt einer Lockerung der Business-Kleiderordnung zugestimmt.
Davon profitieren laut der Experten auch die Unternehmen. "Das ganze hat zudem eine ökologische Komponente. Wenn die Mitarbeiter nicht schwitzen müssen, können Klimaanlagen sparsamer eingestellt werden", so Klein. In Japan seien Jacketts im Büro vor diesem Hintergrund bereits seit einigen Jahren verboten. Die neue Büro-Kleiderordnung sei allerdings nur eine Empfehlung, die Chefs müssten dem zustimmen. "Und sobald Mitarbeiter, wie beispielsweise in einer Bank, im Kundenkontakt sind, muss das Jackett wieder angezogen werden", betont Klein.
In ihrem Ratgeber "Business Knigge für Frauen. Sicher auftreten im Beruf" weisen Anke Quittschau und Christina Tabernig darauf hin: Wenn Frauen keinen Kundentermin haben, dann könnten sie auch gerne mal ohne Seidenstrümpfe ins Büro kommen. Die unbestrumpften Beine sollten dann aber auf keinen Fall in Sandaletten oder Badeschlappen stecken. Sichtbare Zehen gelten laut Quittschau und Tabernig gerade in konservativen Kreisen weiterhin als stillos.
Auch an anderen Vorgaben fürs Büro-Styling hat sich den Fachfrauen zufolge nichts geändert: No Gos sind weiterhin superkurze Miniröcke, extrem figurbetonte Tops oder solche mit Spaghetti-Trägern, bauchfreie Shirts und tiefe Dekolletés. Sandaletten oder Badeschlappen gehen demnach am Arbeitsplatz ebenfalls gar nicht. Der Grund: sichtbare Zehen würden gerade in konservativen Kreisen immer noch als stillos angesehen.
Die Herren sollten mit dem Jackett nicht gleich den guten Stil ablegen: Beim Geschäftstermin bleiben Anzug und Krawatte auch bei sommerlicher Hitze Pflicht, betont Dirk Pfister in seinem Ratgeber "Business Knigge für Männer. Mehr Erfolg durch gute Manieren". Pfister empfiehlt Jacketts aus leichten Materialien - möglichst nicht aus Baumwolle - und hochwertige Anzüge, die nur teilweise gefüttert sind. Sein Tipp: die Ärmel des Jacketts nicht hochkrempeln und keine kurzärmelige Hemden tragen!
Quelle: dpa
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