21.10.2009, 09:07 Uhr | dpa/ ap/ cme
Nanotechnologie macht Ketchup dickflüssig. (Foto: imago)Sie sind winzig klein, haben aber erstaunliche Wirkungen - so genannte Nanopartikel. Sie werden unter anderem in Textilien, Hautpflegeprodukten und sogar in Lebensmitteln eingesetzt. Nun hat allerdings das Umweltbundesamt (UBA) laut einem Zeitungsbericht vor Gesundheitsgefahren gewarnt, die aus dem industriellen Einsatz von Nanotechnologie in Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken und Kosmetika resultieren können. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf eine noch unveröffentlichte Studie des UBA.
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Die Zahl der Produkte mit Nanopartikeln wächst. Derzeit werden die Partikel zum Beispiel in Sonnencremes verwendet. Winzige Teilchen aus Titandioxid schützen die Haut vor UV-Strahlen. Zudem kommen die Winzlinge auch in Glanzlacken und Beschichtungen vor - sie sorgen dafür, dass Schmutz und Graffitifarbe nicht haften. In Socken verhindern sie üblen Geruch, Nano-Kunststoffe verringern das Gewicht von Autos und Flugzeugen. Auch die Lebensmittelbranche hat die Nanopartikel als Hilfs- und Zusatzstoffe für sich entdeckt: So gibt es Ketchup mit Siliziumdioxid, das für eine feste Konsistenz sorgt. Als so genannte Rieselhilfen finden sich die kleinen Teilchen auch in Fertig-Tütensuppen. Selbst in Schokoriegeln werden sie eingesetzt - sie verhindern dort, dass sich auf der Oberfläche ein Grauschleier bildet.
Die Verwendung Millionstel Millimeter kleiner Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. "Nanotechnik gewinnt bei der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen zunehmend an Bedeutung", erklärt die Behörde. Auf den Markt komme eine rasch wachsende Zahl von Produkten, die sich "vermutlich positiv auf Umwelt und Wirtschaft auswirken", heißt es. Doch die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen seien noch unzureichend erforscht. So birgt die Winzigkeit der Partikel beispielsweise die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - und so zum Beispiel über das Blut ins Gehirn gelangen können. Erste Studien weisen zudem darauf hin, dass die Teilchen die Lunge schädigen könnten.
Das Amt empfiehlt in der Studie, Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. Zudem fordert das UBA eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Davon wären mehr als 800 Unternehmen in Deutschland betroffen, die in der Nanotechnologie tätig sind. Bislang kann der Verbraucher nicht erkennen, in welchen Produkten die Partikel eingesetzt werden.
Chinesische Forscher hatten im August eine Studie veröffentlicht, nach der Nanopartikel in Farben schwere Lungenkrankheiten verursachen können. Japanische Forscher veröffentlichten eine Studie, der zufolge Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. In Tierversuchen wurde mehrfach gezeigt, dass Nanopartikel zu Entzündungen der Lunge führen. Die Experten des UBA halten es für "dringend geboten", Gesundheitsrisiken der Nanotechnik zu erkennen und zu bewerten. Die Hersteller müssten dazu ihre Ergebnisse zur Risikobewertung offenlegen. Wenn die möglichen Risiken identifiziert und minimiert werden können, unterstützt das Umweltbundesamt die Förderung der Nanotechnik in umweltentlastenden Anwendungen.
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dpa/ ap/ cme
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