31.05.2011, 14:21 Uhr | Nina von der Bey
Viele Patienten mit MS können nicht scharf sehen (Foto: dmsg - amsel)
Wenn andere die Sonne genießen, sehnt sich Bernd B. zurück in sein kühles Haus. Die Hitze bekommt ihm nicht, sie löst Symptome wie Sehstörungen bei ihm aus. Dann kann er die Umrisse des zwei Meter entfernten Gartenzauns kaum mehr erkennen. Der 60-Jährige läuft wegen seiner Gleichgewichtsstörungen am Stock, Multiple Sklerose wurde bei ihm vor zehn Jahren diagnostiziert. Die Krankheit führt dazu, dass Betroffene ihre Umwelt zum Teil völlig anders wahrnehmen, mal verschwommen, mal mit schwarzen Flecken. Wir zeigen, wie ein MS-Kranker seine Umwelt sieht.
Von Multiple Sklerose sind in Deutschland 130.000 Menschen betroffen, jährlich tauchen in der Statistik 2.500 bis 3000 Neuerkrankungen auf. Dabei ist die Diagnose nicht einfach, denn nur ein Neurologe kann sie stellen. In vielen Fällen vermuten Ärzte hinter Erstsymptomen wie Sehstörungen einen Schlaganfall. Auch nach der Diagnose haben es viele Patienten schwer, denn die Symptome ihrer Erkrankung sind nach außen nicht sichtbar. Bei Multiple Sklerose handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Die Folge: Impulse werden vom Gehirn nicht richtig über das Knochenmark weitergeleitet. Das geschieht, weil die Schutzschicht der Nervenfasern durch die Entzündung geschädigt werden. Dann kann es zu den Symptomen kommen, unter denen Bernd leidet.
Wahrscheinlich hatte er die Krankheit schon lange vor der Diagnose. "Schon mit vierzig hatte ich Sehstörungen, die dann aber immer wieder verschwanden, an MS wollte ich dabei nicht denken" berichtet er. Dass die MS schon früher fortschritt ist zu vermuten, denn besonders häufig tauchen erste Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Seit neun Jahren ist er Frührentner, eine Arbeit am PC oder ein Arbeitsalltag sind für ihn nicht möglich. "Ich kann mich keine zehn Minuten auf eine Sache konzentrieren. Wenn ich Zeitung lesen möchte, schlafe ich nach einigen Minuten ein und kann mich nicht dagegen wehren". Eine totale Müdigkeit, die medizinisch als "Fatigue" bezeichnet wird, holt ihn ein.
Doch neben seiner Müdigkeit und Sehstörungen sind es auch andere Symptome, die Bernd einschränken. Nach der Diagnose und dem Ende seiner Arbeit als Fliesenhändler bekam er Depressionen, die auch ein typisches Merkmal der MS sind. Nach einiger Zeit konnten sie effektiv mit Medikamenten behandelt werden. "Besonders lästig sind die Blasenstörungen", erzählt der Frührentner. Durch die Erkrankung funktioniert auch die Nervenleitung zwischen Blase und Gehirn nicht richtig. Der Urin muss mit einem Katheder abgelassen werden. Deshalb ist Bernd B. nicht mehr gerne unterwegs. Sein langer Aufenthalt auf der Toilette und die dazu notwendigen Utensilien sind ihm peinlich. Auch Spastiken gehen mit der Krankheit einher. Die schmerzhaften Krämpfe in den Beinen kann er selber nicht kontrollieren und die Medikamente helfen nur bedingt. Manchmal hat er all die beschriebenen Symptome gleichzeitig.
"Die Krankheit macht mit meinem Körper was sie will und ich bin nicht Herr darüber", sagt Bernd. Wie er leiden viele Betroffene unter kaum sichtbaren Symptomen. Dazu zählen neben Blasen- auch Darmstörungen, sexuelle Störungen sowie Schmerzen und eine Überempfindlichkeit an verschiedenen Körperstellen. Besonders für MS-Kranke, die noch berufstätig sind, sind sie unangenehm. Ihnen fällt es nicht leicht, ihrem Umfeld von der Krankheit und ihren Symptomen zu erzählen. Häufig werden diese als peinlich empfunden oder man fürchtet, dass "Müdigkeit" nicht als ernstes Problem und schweres Symptom einer Krankheit akzeptiert wird.
Bei einer schwer verlaufenden MS bleibt es häufig nicht bei den unsichtbaren Symptomen. Ein Schub hat dann die Folge, dass schlagartig Arme oder Beine nicht mehr bewegt werden können. Auch ist es möglich, dass die Funktion der Beine dauerhaft beeinträchtigt bleibt und der Patient einen Rollstuhl braucht.
Man geht davon aus, dass eine Fehlfunktion des Immunsystems für das Auftreten von Multiple Sklerose verantwortlich ist. Doch auch genetische Ursachen werden vermutet und von Forschern untersucht. Bis heute gibt es kein Medikament, dass Multiple Sklerose heilen kann. Bei Krankheitsschüben werden häufig Kortikosteroide, zu denen auch Cortison zählt, verabreicht. Auch eine Immuntherapie kann die Symptome lindern. Die oben beschriebenen Symptome wie Spastiken oder Depressionen können ebenfalls behandelt werden. Allerdings können die hier angewendeten Medikamente erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen.
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Nina von der Bey
Gustaf schrieb:
am 26. Juli 2011 um 16:16:59
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MS
MS wird auch "Krankheit mit den 1000 Gesichtern" genannt, weil jeder andere Symptome hat, aber es scheint auch verschiedene und
mehrfache Ursachen zu haben. Deswegen hilft ein Medikament oder zB. fleischlose Ernährung dem einen, dem nächsten aber nicht. Man kann anderen Tipps geben, aber nichts aufdrängen, jeder muss nämlich seinen eigenen Weg und die passende Behandung finden, bei der er/sie sich am wohlsten fühlt ! Sich sehr gut informieren und umhören, ausprobieren und manches sein la
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Andre schrieb:
am 7. Juni 2011 um 14:50:14
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Gesunde Ernährung
Es raten schon viele Ärzte bei MS,zum vegetarischen.
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Conan schrieb:
am 6. Juni 2011 um 17:57:00
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Meine Mutter
hat auch MS (vor ca. 20 jahren diagnostiziert), aber Gott sei Dank geht es ihr weitestgehend gut. Ich hoffe auch, dass es nicht
schlimmer wird. Auch wenn sie schon viele Schübe hatte. Dadurch musste sie aber auch schon mit 44 Jahren in Frührente gehen...
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