15.06.2009, 12:06 Uhr | cme
Milch gilt immer noch als gesundes Lebensmittel. (Foto: Archiv)Über Milch kursieren viele Halbwahrheitenund Gerüchte: Milchprodukte enthalten teilweise große Mengen an tierischen Fetten. Doch macht Kuhmilch tatsächlich dick? Kalzium ist wichtig für die Knochen. Aber müssen wir deshalb täglich Milch trinken? Und ist H-Milch schlechter als frische Milch? Schützt Milch vor Krebs oder fördert sie gar die Entstehung der Krankheit? Wir haben bei Professor Jürgen Schrezenmeir von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel nachgefragt.
Dickmacher oder Knochenhärter? Irrtümer rund um die Milch
Zu viel Fett macht dick, das gilt in der Ernährungswissenschaft als erwiesen. Tierische Fette gelten als besonders ungesund, da sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Doch ganz so einfach scheint die Rechnung nicht zu sein, zumindest was Milch betrifft. So zeigt eine aktuelle Studie an 800 italienischen Grundschülern, dass Milchtrinker im Durchschnitt schlanker sind. Auch Prof. Schrezenmeir bestätigt: "Milchverzehr geht mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes einher". Bei Krebs ist die Datenlage nicht eindeutig. Während Milchtrinker besser vor Darmkrebs geschützt scheinen, treten andere Krebsarten bei Milchkonsum häufiger auf. Zwar sind die genauen Zusammenhänge noch nicht erforscht. Dennoch scheinen die gesundheitlichen Vorteile von Milch zu überwiegen.
Milchgegner argumentieren häufig mit der schlechten Verträglichkeit des Kuhproduktes. Tatsächlich vertragen 80 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung keinen Milchzucker, weil ihnen das zuständige Enzym fehlt. In Deutschland sind davon allerdings nur rund 14 Prozent der Erwachsenen betroffen - und nicht jeder entwickelt ernsthafte Symptome. Anders sieht es bei einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß aus. Nach Angaben von Prof. Schrezenmeir entwickelt etwa ein Prozent aller Erwachsenen diese Allergie. Dann allerdings muss auf Milcheiweiß völlig verzichtet werden, um eine allergische Reaktion zu vermeiden. Milchprodukte vorsorglich generell wegzulassen hält Schrezenmeir dagegen für wenig sinnvoll: "Dann müsste man auch auf andere hochallergene Lebensmittel wie Fisch, Obst, Nüsse und vieles mehr verzichten", so der Experte.
Wer Milch verträgt, darf das weiße Getränk und Erzeugnisse daraus also bedenkenlos genießen. Die Produkte enthalten hochwertiges Eiweiß, Mineralstoffe sowie beachtliche Mengen an Vitamin A und der Vitamingruppe B. Die Bedeutung des hohen Kalziumgehaltes für die Knochen wird allerdings häufig überschätzt. Zwar enthält Milch tatsächlich beachtliche Mengen an Kalzium. Doch kein Mensch muss brüchige Knochen befürchten, nur weil er auf Milch verzichtet. Denn an der Osteoporose (Knochenschwund) sind verschiedene Faktoren beteiligt. Vor allem genügend Bewegung stärkt die Knochen. Wer keine Milchprodukte verträgt oder aus anderen Gründen darauf verzichtet, sollte allerdings darauf achten, genügend Eiweiß und fettlösliche Vitamine aus anderen Lebensmitteln zu sich zu nehmen.
Wie viel Kalzium nehme ich pro Tag zu mir? Kalziumrechner
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