
16.02.2011, 17:15 Uhr
Krebsärzte wollen bei der Therapie von Brustkrebs neue Wege gehen. (Foto: imago)
Bei vielen Brustkrebs-Patientinnen werden die Lymphknoten unter der Achsel entfernt - seit Jahren ist dieser Eingriff Bestandteil der Behandlung, aber ergibt er auch Sinn? Viele Betroffene klagen über Schmerzen, Infektionen, Taubheitsgefühl. Nun stellen Krebsärzte ihre riskante Routine in Frage.
Haare föhnen oder telefonieren, Alltagsbewegungen wie diese, so erzählt es die Nutzerin "Juliane" in einem Forum für Krebspatienten, sind für sie ein reiner Krampf. Hebt sie ihren linken Arm, schießt es wie Strom in ihre Finger. Versucht sie, mit Daumen und Zeigefinger nach etwas zu greifen, sticht es wie tausend Nadeln.
Julianes Nervenschmerzen begannen 2007, nachdem Ärzte der Brustkrebspatientin 13 Lymphknoten unter der Achsel entfernt hatten. Einige Wochen danach wurde bei ihr ein Lymphödem festgestellt, das ihre Hände und Finger stark anschwellen ließ. Eine Zeit lang musste sie einen Strumpf über dem Arm tragen, eine Lymphdrainage brachte kurzfristig Besserung. Plötzlich aber kamen die Nervenschmerzen. Weder ihr Onkologe noch ihre Allgemeinärztin hatten einen Rat, schließlich landete sie bei einem Handchirurgen. Der operierte sie am Karpaltunnel, dem Nervendurchgang zur Hand. Dieser sei ganz dick gewesen, sagte der Arzt und versicherte ihr, dass ihre Beschwerden nun ein Ende haben sollten. Der Chirurg irrte, Julianes Symptome verschlimmerten sich sogar. Nach weiteren Ärztebesuchen blieb ihr nur noch die Resignation. Inzwischen habe sie gelernt, "mit den Schmerzen zu leben".
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Dieses Schicksal teilt Juliane mit vielen Brustkrebspatientinnen. Denn die Entnahme von Lymphknoten unter der Achsel ist ein fester Bestandteil bei der Brustkrebsbehandlung, eine Art Goldstandard: Seit Jahren ist das Prozedere in jenem offiziellen Katalog verankert, nach dem sich die Ärzte bei der Behandlung richten sollen: die "Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms".
Jetzt rütteln US-Forscher an diesem Pfeiler der Brustkrebsbehandlung. In einer Studie, die vergangene Woche im "Journal of the American Medical Association" (Jama) veröffentlicht wurde, kommen Armando Giuliano vom John-Wayne-Krebsinstitut im kalifornischen Santa Monica und seine Kollegen zu einem klaren Ergebnis: Der schmerzhafte und von vielen Frauen gefürchtete Eingriff ist häufig nicht nötig. Er ändert nichts an dem Behandlungsplan, bringt keine Überlebensvorteile und verringert nicht die Gefahr, dass die Frauen später wieder an Krebs erkranken.
Deutsche Ärzte reagieren prompt auf die Resultate: "Darüber diskutieren wir auch hierzulande seit einiger Zeit", sagt Anton Scharl, Chefarzt am Brustzentrum des Klinikums St. Marien in Amberg. Scharl ist Sprecher der Kommission "Mamma" der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO). Einmal jährlich treffen sich die Mitglieder, um aktuelle Studienergebnisse zu debattieren und gegebenenfalls als neue Behandlungsempfehlungen an Ärzte weiterzugeben. Eine solche AGO-Empfehlung will die Deutsche Krebsgesellschaft kommende Woche in Frankfurt vorstellen. Einer der Hauptpunkte: die Entfernung von befallenen Lymphknoten.
"Ärzte sollen künftig im Einzelfall entscheiden, ob eine Entfernung wirklich notwendig ist oder nicht", erklärt Scharl. So wird es auch in der Empfehlung der AGO offiziell zu lesen sein. Bisher wird die Entscheidung, gemäß der Leitlinie, meistens so getroffen: Wird einer Brustkrebspatientin lediglich der Tumor und nicht die ganze Brust entfernt, nehmen die Ärzte auch gleichzeitig den sogenannten Wächterlymphknoten heraus und untersuchen ihn. Das ist derjenige Knoten, der dem bösartigen Tumor am nächsten ist. Ist der Wächterlymphknoten befallen, "muss eine axilläre Dissektion mit Entfernung von mindestens zehn Lymphknoten" erfolgen, heißt es in der Leitlinie.
Lesen Sie weiter: Ist auch in Deutschland mit Veränderungen der Brustkrebstherapie zu rechnen?
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Quelle: Spiegel Online
mesbord schrieb:
am 17. Februar 2011 um 20:13:59
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Brustkrebs
Spätestens in 30- 40 Jahren wird man über die heutigen Methoden der Krebsbehandlung wie Operation, Chemo - und Strahlentherapie
nur verständnislos den Kopf schütteln.
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W.K. schrieb:
am 17. Februar 2011 um 19:52:20
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Es bleibt zu viel "altes Wissen" haften
@geba: Die Wirkung der Medikamente ist präziser zu bestimmen. Die Diagnostik ist um diverse
Möglichkeiten erweitert und insgesamt verbessert worden. Davon unbeeindruckt schnippeln Chirugen nach einem 20 Jahre alten Plan rum. Und erst, wenn die Phatologen Krebs diagnostizieren, glauben sie es. Da kannst Du das 1-ser Abi knicken, hier hat eine Behandlungsmethode nicht mit dem Rest der "medizinischen Wissenschaft" schrittgehalten. Punkt.
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Selbstdenkend schrieb:
am 17. Februar 2011 um 19:41:29
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@Brustkrebs-Dogma - Geschäfts-Geheimnisse?
Sicherlich ist den großen Krebskliniken (zum Beispiel) HEIDELBERG bekannt dass Krebs ein
Ober-Begriff für verschiedene Krankheits-Symptome ist. Selbstverständlich ist bekannt woher der Krebs kommt - ob das öffentlich Verbreitung findet ist fraglich. Grundsätzlich wird in deutschen Schulen nichts über den Menschen + Medizin gelernt. Die Hauptsache allgemein bekannte Behandlungen werden durchgezogen und die Patienten überleben fünf Jahre. Denn dann sind diese medizinisch "gesund" bzw. "geheilt".
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