23.11.2007, 12:04 Uhr | bri
Das einstige Wundermittel gegen Krankheiten wirkt immer weniger: Bei jedem fünften Deutschen sind Antibiotika mittlerweile wirkungslos. Das berichtet die Zeitschrift Vital in ihrer neuen Ausgabe. Auch Reserve-Medikamente gegen sehr schwere Infektionen bieten keinen sicheren Schutz mehr. Ein Grund dafür ist, dass Ärzte bei 80 Prozent der Erkältungen Antibiotika verschreiben, obwohl diese nur gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren helfen. "Dieses Verordnungsverhalten geht vollkommen an der für die Antibiotika-Behandlung wichtigen Regel vorbei: so wenig wie nötig und so gezielt wie möglich", sagt Professor Winfried Kern vom Universitätsklinikum Freiburg. Auch Patienten sollten bei der Einnahme von Antibiotika einige Regeln beachten. Wir geben nützliche Tipps.
Neben der zu häufigen Verordnung durch Ärzte sind auch Einnahmefehler seitens des Patienten für die Resistenzen verantwortlich: Wird ein Medikament vom Patienten vorzeitig abgesetzt, können Bakterien überleben und bei der nächsten Einnahme kann das Mittel bereits unwirksam sein. "Grundsätzlich gilt: Je häufiger Antibiotika eingenommen werden, desto häufiger ist mit der Entwicklung von Resistenzen zu rechnen", erklärt Dr. Norbert Schnitzler, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Extrem wichtig ist: "Die Dosierung und der Zeitpunkt der Einnahme soll wie vom Arzt verordnet erfolgen", rät Schnitzler. Zusätzlich sollte der Patient bei der Einnahme auf die Abstände zur nächsten Mahlzeit achten. Viele Menschen nehmen ihre Tabletten mit einem Glas Milch oder anderen Getränken zu sich. Bei einigen Antibiotika gilt aber: Nie mit Milchprodukten zusammen einnehmen, denn diese vermindern die Wirkung des Präparates. Nach dem Genuss dieser Nahrungsmittel sollten Sie mit der Einnahme der Tabletten mindestens zwei Stunden warten. Lesen Sie vor der Einnahme der Antibiotika den Beipackzettel genau durch oder wenden sich bei weiteren Fragen direkt an Ihren Arzt.
Antibiotika sollen Bakterien im Körper bekämpfen. Von denen gibt es aber auch einige, die nützlich sind, zum Beispiel in der Mundhöhle oder im Darm. Die antibiotischen Präparate können nicht zwischen "guten" und "bösen" Bakterien unterschieden und gehen erstmal gegen alle vor. So kann bei einer längeren Einnahme von Antibiotika die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten. Unser Körper reagiert dann häufig mit Durchfall. "Der bestimmungsgemäße Gebrauch von Antibiotika trägt zu einer Reduktion unerwünschter Wirkungen bei, doch auch bei korrekter Einnahme sind diese Nebenwirkungen nicht immer vermeidbar", erklärt Schnitzler. Nach Beendigung der Therapie erholt sich die Darmflora aber in der Regel wieder. Wenn die Nebenwirkungen nicht aufhören, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.
Wenn Sie zusätzlich zu den Antibiotika noch andere Medikamente einnehmen, kann es zu Wechselwirkungen mit diesen kommen. Bei der Einnahme von Kalzium- , Eisen- und Magnesium-Präparaten ist es wichtig, einen zeitlichen Abstand von zwei Stunden einzuhalten. Wenn Sie die Anti-Baby-Pille nehmen, sollten Sie das dem Arzt sagen. Dann kann er beim Verschreiben eines Antibiotikums eventuelle Beeinträchtigungen der Empfängnisverhütung berücksichtigen.
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