15.04.2010, 15:58 Uhr | jlu
Gefährliche Wechselwirkung: Wahrend der Einnahme bestimmter Medikamente kann Kaffee Herzrasen auslösen. (Foto: dpa)
Kaffee, Brot, Milchprodukte: Wer Medikamente nimmt, sollte von diesen eigentlich unbedenklichen Lebensmitteln besser die Finger lassen. „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie durch ihre Ernährung gefährliche Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimittel hervorrufen können“, erklärt Dr. Kristina Lickvers, Gesundheitsexpertin der Central Krankenversicherung. Deshalb ist es wichtig, bei der Einnahme von Medikamenten zusätzlich zu den allgemeinen Nebenwirkungen auch die Wechselwirkungen mit Lebensmitteln zu kennen.
Viele gängigen Medikamente enthalten Wirkstoffe, die in Kombination mit bestimmten Lebensmitteln zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können. Wer etwa Antibiotika nimmt, sollte koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Cola oder schwarzen Tee während der gesamten Einnahmezeit vom Speiseplan streichen. Denn durch das Antibiotikum kann der Körper Koffein schlechter abbauen. Als Folge können Herzrasen und Schlafstörungen auftreten. Das gilt besonders für Präparate, die bei Erkrankungen der Blase, den Nieren, der Lunge oder dem Magen verschrieben werden. Auf Koffein sollte auch verzichten, wer Medikamente gegen Asthma oder chronische Lungenkrankheiten zu sich nimmt. Denn oft enthalten diese Arzneien Theophyllin. Das Koffein vermindert den Abbau dieses Wirkstoffs und das Medikament wirkt deshalb nicht.
Auch Eisenpräparate sollte man nicht mit Kaffee und Tee schlucken. Sie verhindern, dass das Eisen in den Körper gelangt. Milch, Quark, Joghurt, Käse und calciumhaltigem Mineralwasser sind hingegen Tabu, wenn man Antibiotika nimmt, die mit Tetracyclin wirken. Denn durch das Kalzium verdaut der Körper das Medikament und verhindert so dessen Wirkung. Auch wer Vollkornbrot oder Müsli isst, und dann ein Schmerzmittel wie Paracetamol schluckt, muss damit rechnen, dass die Tablette nicht richtig wirkt. Der Grund: Ballaststoffe verzögern die Wirkstoff-Aufnahme.
Mit dem Genuss von Salami, Käse oder Salzheringen sollte vorsichtig sein, wer Antidepressiva nimmt: Sie verhindern den Abbau sogenannter biogener Amine. Das sind Substanzen, die zum Beispiel in den genannten Lebensmitteln stecken. Mögliche Nebenwirkungen: Hoher Blutdruck, Hirndruck und im schlimmsten Fall eine Gehirnblutung. Wer auf blutverdünnende Mittel angewiesen ist, sollte Vitamin-K-haltiges Gemüse wie Brokkoli, Kopfsalat, Spinat, Bohnen und Kohl vom Speiseplan streichen. Denn das Vitamin verdickt das Blut und schwächt so die Wirkung der Gerinnungshemmer. Dadurch können sich gefährliche Blutpfropfen bilden, die das Thrombose- und Schlaganfallrisiko erhöhen.
Wer gegen Herzmuskelschwäche, Nierenunterfunktion oder Wasseransammlungen Diuretika, also entwässernde Medikamente einnimmt, sollte sich Lakritz verkneifen. Denn solche Mittel rauben dem Körper Kalium - Lakritz verstärkt diese Wirkung. Ein Kaliummangel kann zu Muskelschwäche, Müdigkeit, Verstopfung, Appetitlosigkeit oder Störungen der Herztätigkeit führen. Deshalb sollte man nicht mehr als 50 Gramm Lakritz täglich essen. Das sind beispielsweise drei bis vier Schnecken. Am besten ist es aber, während der gesamten Einnahmezeit ganz auf die Süßigkeit zu verzichten. Auch bei der Anti-Baby-Pille kann Lakritz zu einem Kaliummangel führen.
Zitrusfrüchte können ebenfalls die Wirkung von Arzneimittel beeinflussen: Grapefruits oder deren Säfte verstärken die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente und verhindern deren Abbau. Dadurch wirken die Mittel bis zu 30 Prozent stärker oder länger als vorgesehen - Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Schwindel drohen. Finger weg auch von Grapefruit und Schlaftabletten: Diese Kombination kann Symptome wie bei einem Vollrausch auslösen. Wer Medikamente gegen Magen-Darm-Beschwerden schluckt, sollte zwei Stunden vor und nach der Einnahme keine citrathaltigen Getränke wie Wein, Limonade oder Fruchtsaft trinken. Der Grund: Sie steigern die Aufnahme des in den Mitteln enthaltenen Aluminiumsalzes derart, dass der Körper es nicht verarbeiten kann. Dadurch besteht ein Risiko für Krampfanfälle und einen verwirrten Geisteszustand.
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