10.11.2011, 14:03 Uhr | dpa/dapd/vdb
Masern sind hoch ansteckend. Vom typischen Masern-Husten werden die winzigen Partikel in die Umgebung geschleudert - und von den Umstehenden eingeatmet. Eine Infektion ist ohne Impfung dann so gut wie sicher. Auch Erwachsene können sich anstecken, bei Ihnen verläuft die Erkrankung meist schwerer. Wer sich impfen lassen und was sie über Masern wissen sollten.
Bei der Masern-Übertragung handelt es sich um eine "fliegende Infektion". Bei einem Kontakt mit Masernviren liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung für ungeimpfte Menschen bei fast 100 Prozent. Der Masern-Erreger zählt zu den ansteckendsten Viren, die man kennt. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 780 Fälle - in diesem Jahr sind es schon jetzt mehr als 1500. Die Zahl der Infektionen ist in diesem Jahr so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Bis Anfang November registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin 1.605 Fälle - das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2010 (rund 800 Fälle). Besonders viele Masern-Patienten gab es in Baden-Württemberg (524 Fälle) und Bayern (437 Fälle). Bei rund einem Drittel der Fälle handelt es sich im Patienten, die über 20 Jahre alt sind. In Aschaffenburg ringt derzeit ein sechsjähriges Mädchen mit dem Tod, das infolge einer Masern-Infektion an einer Gehirnentzündung erkrankt ist. Häufig trifft die Erkrankung Kinder, doch auch Erwachsene können sich anstecken. Bei ihnen verläuft die Krankheit meist besonders schwer und das Risiko für Komplikationen steigt mit dem Alter an.
Masern gehören zu den meldepflichtigen Krankheiten. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen. Zuerst bekommen die Patienten grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Husten, Schnupfen, häufig auch eine Bindehautentzündung. In der zweiten Phase, meist am dritten bis siebten Tag, tritt der typische Ausschlag auf. Er beginnt im Gesicht und hinter den Ohren. Von dort breitet er sich über den ganzen Körper aus. Die Inkubationszeit beträgt sieben bis 14 Tage. Ansteckend sind Patienten schon zwei Tage bevor der Ausschlag auftritt. Das ist besonders tückisch, da es so schnell zur Ansteckung vieler Menschen und zu Epidemien kommen kann. Die ansteckende Phase ist erst vorbei, wenn der Ausschlag vollständig abgeklungen ist. Eine Hirnhautentzündung als Komplikation der Masern trifft nur in 0,1 Prozent der Fälle auf. Sie kann zu Folgeschäden wie Lähmungen und Sprachstörungen führen. Bei zehn bis 20 Prozent endet sie tödlich. Sehr häufige Komplikationen bei einer Maserninfektion sind hingegen eine Mittelohr- oder Lungenentzündung.
Die Ursache für die Ansteckung mit Masern haben jetzt Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im hessischen Langen analysiert. Das Virus verbreitet sich von einer strategisch günstigen Stelle aus: der Luftröhre. "Verblüffend, dass bisher nicht im Detail bekannt war, wie das Virus in den Körper gelangt", schreibt das PEI. Klar war, dass die Viren über eine Tröpfcheninfektion mit Hilfe eines bestimmten Rezeptors Zellen in den Atemwegen infizieren. Diese virusbeladenen Zellen wandern über die Lymphknoten in die Organe, wo sie sich vermehren. "Wie aber die Erreger in die Atemwege zurückgelangen, um schließlich den Weg nach außen zu nehmen, blieb bisher ein Rätsel."
Der einzig wirksame Schutz gegen eine Ansteckung mit den Masern ist die Impfung. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rief Eltern dazu auf, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Auch Erwachsene, die nach 1970 geboren seien, sollten ihren Impfschutz aufzufrischen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am RKI empfiehlt zwei Masernimpfungen im zweiten Lebensjahr. Dabei werden dem Kind abgeschwächte lebende Viren gespritzt, damit das Immunsystem Antikörper gegen die Viren entwickeln kann.
Offenbar bestehen aber gerade bei Masern Vorbehalte gegen eine Impfung: Nach Angaben des RKI hatten von den Kindern, die 2009 eingeschult wurden, 96,1 Prozent die erste Impfung gegen Masern erhalten, aber nur 90,2 Prozent die zweite. Weit unter dem Bundesdurchschnitt lagen vor allem bei der Zweitimpfung Bayern (85,8 Prozent) und Baden-Württemberg (87,7 Prozent). Eine im Frühsommer veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab, dass die Mehrheit der Eltern Impfungen ihrer Kinder grundsätzlich positiv gegenübersteht, aber Vorbehalte gegen einzelne Impfungen hat. Gut ein Drittel (38 Prozent) stufte Masern als nicht gefährliche Erkrankung ein. Knapp 90 Prozent erklärten zugleich, Masern sei eine Krankheit, gegen die ihr Kind auf jeden Fall geimpft sein solle. Ein Prozent der Eltern lehnte Impfungen grundsätzlich ab.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich zum Ziel gesetzt, die Masern in Europa bis 2010 ausgerottet zu haben. Dazu hätten 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen.
dpa/dapd/vdb
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