16.09.2010, 14:50 Uhr | ag
Viele Menschen schreiben heutzutage Liebesbriefe als Emails. (Foto: imago)
Der Magie zärtlicher Worte kann sich wohl niemand entziehen. Nur, die richtigen Worte zu finden, ist gar nicht so einfach. Doch in Zeiten, in denen sowohl Achtklässler als auch Blackberry-Besitzer sich schwer tun, mit einem einfachen Schreibgerät umzugehen und Texte ohne Autokorrekturfunktion zu formulieren, hat der klassische Liebesbrief an Bedeutung verloren. Wer früher zu Feder und Briefpapier griff, konnte die Individualität seiner Handschrift nicht verleugnen. Diese persönliche Note fehlt der Liebeserklärung per E-Mail oder SMS. Dennoch kann ein digitaler Liebesbrief ebenso romantisch und originell sein. Denn die E-Mail bietet dem Schreiber auch zahlreiche Vorteile:
Verliebte, die schon einmal sehnsüchtig auf den Postboten gewartet haben, kennen das Gefühl: Ist der Brief tatsächlich im Kasten, hängt der Himmel voller Geigen. Ist er aus irgendwelchen Gründen nicht pünktlich angekommen, ist die Enttäuschung groß und das Warten bis zum nächsten Tag scheint geradezu unerträglich. Beim elektronischen Liebesbrief sieht die Sache anders aus. Er landet schnell und zuverlässig nach wenigen Sekunden in der Mailbox der angebeteten Person, die dann direkt und ganz spontan darauf reagieren kann. Durch das mobile Internet kann das Liebesgeflüster auch an fast jedem belieben Ort und sogar im Ausland ausgeübt werden. Falls es zu Missverständnissen kommt, können diese ohne große Zeitverzögerung gelöst werden. Die Spannung und Vorfreude, die beim geschriebenen Brief durch den Blick in den Postkasten gegeben ist, wird bei er Liebes-E-Mail den ganzen Tag aufrecht gehalten. Schließlich können kleine Liebeserklärungen zu jedem Zeitpunkt in die Mailbox flattern.
Die Kritik, dass der virtuelle Liebesbrief unpersönlicher als der handgeschriebene sei, kann leicht entkräftet werden. Zwar fehlt die individuelle Handschrift, dafür aber bieten die meisten E-Mail-Programme die Möglichkeit, die Nachricht durch individuelle Anhänge wie selbstgeschnittene Videos, Fotos oder Musik-Dateien als multimediales Gesamtkunstwerk zu gestalten. Smileys und Emoticons können ebenfalls die Liebesbotschaft personalisieren. Es gibt ganze Smiley-Wörterbücher zu diesem Zweck. Doch auch hier sollte man nicht übertreiben. Auch wenn das Motto "schreibe wie du sprichst“ bei vielen leider zu unerwünschten orthographischen Nebeneffekten führt, so weisen Liebes-E-Mails immer mehr Anglizismen und Lautnachahmungen auf. Die Annäherung an das gesprochene Wort hat also längst Einzug in den Briefverkehr gefunden. Bei virtuellen Liebesbriefen sollte man hier jedoch vorsichtig sein. Denn für ausgewählte Worte an eine geliebte Person ist auch eine gewählte Sprache angemessen.
Nicht nur das Internet, sondern die gesamte Telekommunikation hat den Liebesbrief revolutioniert. Insgesamt ist die Zeit sehr viel schnelllebiger geworden und selbst Verliebte bevorzugen es oft, sich kurz zu fassen. Früher ließen die SMS-Funktionen lediglich Platz für Texte von 160 Zeichen. Seitdem man die einzelnen Nachrichten verketten kann, sind auch Endlosnachrichten möglich – was SMS zum bevorzugten Medium für Liebesbotschaften werden lässt. Ob man die schnelle Nachricht, die einen oft unterwegs erreicht und auf kleinem Display heruntergescrollt werden muss, als wirklich romantisch empfindet, ist dabei jedem selbst überlassen.
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ag
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