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Lebensmittelkennzeichnung: Verbraucher bei regionalen Lebensmitteln getäuscht

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"Regionale Produkte" kommen oft woanders her

08.10.2009, 12:27 Uhr | tze

Auch wenn es Schwarzwälder Schinken heißt, muss das Fleisch nicht aus dem Schwarzwald kommen. (Foto: Screenshot t-online.de) Der Schwarzwälder Schinken muss nicht aus dem Schwarzwald kommen. (Foto: Screenshot t-online.de)Wer beim Einkaufen gezielt zu Lebensmitteln aus seiner Region greift, hat oft ehrenwerte Motive: frische Ware bekommen, die einheimischen Produzenten unterstützen, lange umweltschädliche Transportwege vermeiden, und womöglich spielt auch Heimatverbundenheit eine Rolle. Doch bei vermeintlich regionalen Produkten werden Verbraucher oft getäuscht. Verpackung und Bezeichnung gaukeln regionalen Ursprung vor, doch tatsächlich kommen die Lebensmittel von woanders. Das hat das ZDF-Magazin "Frontal 21" in einer Reportage aufgedeckt.

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Was beim Schwarzwälder Schinken regionaltypisch ist

Ein Beispiel aus der Sendung ist Schwarzwälder Schinken. Dies ist zwar eine geschützte geografische Angabe (gekennzeichnet als g.g.A.) Dass die verarbeiteten Schweine aus dem Schwarzwald stammten, ist jedoch ein Trugschluss. Die Bezeichnung bezieht sich nur auf das traditionelle Herstellungsverfahren, nämlich das Räuchern mit Tannenholz. Das Fleisch darf von überall herkommen. "Entscheidend ist die Qualität, nicht die Geburtsurkunde des Fleisches", erklärt Hans Schenkenburger, Vorstandsvorsitzender des Schutzverbands Schwarzwälder Schinken, gegenüber "Frontal 21".

Was "geschützte geografische Herkunft" bedeutet

"Das Produkt muss in dem betreffenden Gebiet erzeugt und/oder verarbeitet und/oder hergestellt werden", definiert der Ernährungswissenschaftler Dr. Martin Hofmeister von der Verbraucherzentrale Bayern auf Nachfrage von t-online.de. Aus Sicht der Verbraucherschützer sei es "seltsam, dass 'Schwarzwälder Schinken' als solcher ausgelobt wird, obwohl Baden-Württemberg kein klassisches Schweinemastgebiet ist und ein sehr großer Teil der Schweinekeulen aus nicht näher etikettierten Regionen der EU stammt." Daher fordern die Verbraucherzentralen rechtliche Nachbesserungen bei europäischen geographischen Herkunftsangaben.

"Sachsenmilch" kommt nicht nur aus Sachsen

Sachsenmilch wird laut ZDF-Recherchen nicht nur in Sachsen hergestellt. (Foto: imago)Sachsenmilch wird laut ZDF-Recherchen nicht nur in Sachsen hergestellt. (Foto: imago)Zweites Beispiel: Milch, die vermeintlich aus Sachsen und Brandenburg kommt. "Wir wohnen hier, das Vieh wird hier gezüchtet, und die Bauern sollen ja was daran verdienen", so begründet eine ältere Dame, warum sie prinzipiell "Sachsenmilch" kauft. Was sie vermutlich bis dahin nicht wusste: In einem Werk der "Sachsenmilch AG" bei Dresden rollen nach Recherchen von "Frontal 21" täglich auch Milchlaster aus Polen und Tschechien an. Von dort würden rund 15 Prozent der Milch zugekauft, während nur knapp die Hälfte der verarbeiteten Milch wirklich aus Sachsen stamme.

Abgefüllt in weiter Ferne

Ähnlich verhält es sich bei Milch der Marke "Mark Brandenburg". Der regionale Bezug besteht im wesentlichen aus dem Namen. Das Kleingedruckte auf der Packung verrät: "Abgefüllt in Köln". "Mark Brandenburg" ist eine von vielen Marken unter dem Dach des Konzerns Royal Friesland Campina, der sich auf seiner Internetseite als "größte Molkereigenossenschaft der Welt" bezeichnet. Produktionsstandorte sind Heilbronn, Köln, Gütersloh, Schefflenz - und auch Elsterwerda in Brandenburg, aber Verbraucher aus dieser Region können nicht davon ausgehen, dass nur Milch von heimischen Kühen in die Tüte kommt.

Ursprung der Lebensmittel schwer nachvollziehbar

Die Identitätszeichen der Betriebe, die auf Fleisch- und Milchprodukten zu finden sind, verraten nur, wo das Lebensmittel zuletzt bearbeitet wurde, nicht jedoch dessen Ursprung. "Wer erfahren möchte, woher die Lebensmittel stammen, bekommt nicht immer eine befriedigende Auskunft. Selbst bei den verpflichtenden Herkunftskennzeichnungen gibt es Ausnahmen. Doch eine Reihe von Siegeln liefern eine gewisse Transparenz," erklärt Hofmeister. Als Beispiele nennt er regionale Siegel der Bundesländer wie zum Beispiel "Öko-Qualität garantiert - Bayern" oder "Geprüfte Qualität Bayern".

Herkunftskennzeichnung bei Obst und Gemüse

Bei frischem Obst und Gemüse muss seit Januar 2008 das Ursprungsland bei Obst und Gemüse angegeben werden. Aber es gibt Ausnahmen, zum Beispiel Frühkartoffeln, Oliven, Bananen und Ananas. Keine Kennzeichnungspflicht gilt für Konserven und Tiefkühlware.

Woher das Fleisch in der Wurst kommt, bleibt unklar

Auch bei Eiern, Milch und Rindfleisch müssen Produzenten die Herkunft genau angeben. Auf die Skandale um Dioxin in Eiern und BSE bei Rindern hat der Gesetzgeber entsprechend reagiert. Bei Schweinefleisch gibt es allerdings keine Vorschriften. Bei verarbeiteten Lebensmitteln muss die Herkunft der Zutaten gar nicht deklariert werden. Der Verbraucher erfährt nicht, woher das Fleisch in der Wurst, die Fische im Fischstäbchen, die Eier in den Nudeln oder die Milch im Joghurt stammen.


tze  

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