23.01.2009, 15:21 Uhr | AFP/cme
Light-Lebensmittel sind nicht immer kalorienarm. (Foto: dpa)Schlanke Frauen löffeln lachend cremige Desserts, schlürfen süße Softdrinks und naschen Süßigkeiten: Glaubt man der Werbung, so ist das Abnehmen mit Light-Produkten mühelos und ohne Verzicht möglich. Aber viele als "leicht" gepriesene Nahrungsmittel sind laut einer Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch wahre Zuckerbomben oder haben einen hohen Fett- oder Salzanteil. In einem Test untersuchte Foodwatch 13 Produkte, deren Verpackung mit den Hinweisen "light" oder "0,1 Prozent Fett" werben, auf ihren Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz.
Foto-Show 13 Light-Produkte im Foodwatch-Test
Vorsicht beim Einkauf Fettfallen im Supermarkt vermeiden
Gäbe es in Deutschland eine Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel, wie sie bereits in Großbritannien üblich ist, bekämen 11 der 13 getesteten Produkte wegen eines relativ hohen Nährwerts in mindestens einer Kategorie ein rotes Signal. Fünf Produkte hätten einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren, vier zu viel Salz und drei zu viel Zucker, erklärte Foodwatch. Acht Produkte bekamen in nur einer einzigen Kategorie eine grüne Ampel.
Weiterhin bemängelt Foodwatch, dass viele fettreduzierte Produkte einen hohen Zucker- oder Salzanteil aufwiesen - offenbar als Ausgleich für den Geschmacksträger Fett. Die Verbraucherorganisation plädierte erneut für eine Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln. Derzeit erweckten Verpackungen den falschen Eindruck. Eine Ampel könne dagegen "Tricks der Hersteller entlarven und auf einen Blick zeigen, was Sache ist".
Lebensmittel mit der Bezeichnung "light" oder "leicht" müssen mindestens 30 Prozent weniger Fett, beziehungsweise Zucker enthalten als herkömmliche Produkte, erklärt Foodwatch. Als Ersatz werden Zuckeraustauschstoffe, Süßstoffe oder auch Wasser mit Bindemittel verwendet. Manche Produkte werden mit Luft oder Stickstoff aufgeschlagen, um das Volumen zu vergrößern. Doch wie viel Fett oder Zucker reduziert wurde, sieht man erst auf den zweiten Blick. "Man muss Light-Produkte kritisch betrachten und darf sie nicht als Freibrief sehen, hemmungslos zu essen", sagt auch Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Lebensmittelrechtlich ist die Verwendung von "light" nur für bestimmte Milchprodukte definiert: So dürfen "leichte" Käsesorten einen bestimmten Fettgehalt nicht überschreiten. Doch auch das kann täuschen. "Light-Käse kann immer noch fettreich sein: So gibt es "leichten" Frischkäse mit 40 Prozent oder mit nur 0,2 Prozent Fett", sagt die Ernährungsexpertin Keller. Der kritische Blick auf das Etikett bleibt einem also auch bei den vermeintlichen Schlankmachern nicht erspart. Aufschlussreich sind Kalorienangaben und auf die Zutatenliste: Stehen Zucker (Glucosesirup, Saccharose, etc.) oder Fette (Sahne, Öl, Pflanzenfett) am Anfang der Liste, sollten Kalorienbewusste die Finger davon lassen.
Selbst kalorienarme Light-Produkte sind keine Garantie fürs Schlankbleiben, wenn die Ernährungsumstellung ausbleibt. Wer beispielsweise viele kalorienarm gesüßte Erfrischungsgetränke konsumiert, gewöhnt sich an den Geschmack und bevorzugt in der Folge auch sonst stark gesüßte Lebensmittel.
Wer nicht in die "Light"-Falle tappen will, sollte sich also etwas gründlicher mit dem beschäftigen, was er isst. Von Natur aus kalorienarme Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und fettarmes Fleisch enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als industriell verarbeitete Light-Produkte. Zudem erhalten die natürlichen Schlankmacher das Gespür fürs Essen. Kalorienreiche Lebensmittel lassen sich auch kostengünstiger "leichter" machen. Mayonnaise kann man wunderbar mit Joghurt strecken, Sahne lässt sich beim Kochen mit Milch verlängern. Fazit: Zwar können Light-Produkte den Einstieg zum Abnehmen erleichtern. Langfristig sind eine bewusste Ernährung und ausreichend Bewegung aber erfolgreicher.
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