17.03.2010, 12:22 Uhr | dpa/afp/tze
Die EU plant eine einheitliche Nährwertkennzeichnug mit Angaben zu Brennwert, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten und Salz. (Foto: dpa)
Wie viele Kalorien, Vitamine oder Eiweiß enthält ein Lebensmittel? Für klare und gut lesbare Kennzeichnungen auf den Verpackungen soll es von kommendem Jahr an innerhalb der EU einheitliche Vorschriften geben. Dafür sprach sich am 16. März in Brüssel der Ausschuss für Gesundheit und Umwelt des Europaparlaments aus. Lebensmittelverpackungen müssen die Verbraucher detailliert über Nährwerte informieren, jedoch nicht unbedingt in den Ampelfarben rot, gelb oder grün. Der Ausschuss lehnte die von Verbraucherschützern und Ärzten geforderte "Ampelkennzeichnung" ab.
Die geplante EU-Verordnung soll die Hersteller verpflichten, verständliche Informationen über die wichtigsten Inhaltsstoffe wie Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Salz und Ballaststoffe je 100 Gramm oder Milliliter anzugeben. Auf die Vorderseite soll der Brennwert in Kilokalorien pro 100 Gramm gedruckt werden. Vorgesehen sind weiterhin Hinweise auf industriell hergestellte gehärtete Fette, die als besonders gesundheitsschädlich gelten. Diese acht Werte werden in der Lebensmittelbranche als "Big eight" bezeichnet.
Bei Fleisch, Früchten, Gemüse und Milchprodukten soll die Herkunft angegeben werden. Ein besonderer Hinweis ist für gentechnisch veränderte oder mit Nanopartikeln behandelte Nahrungsmittel vorgesehen. Außerdem will der Ausschuss die Hinweise für Allergiker verbessern. Für alkoholische Getränke soll eine Sonderregelung erarbeitet werden.
Bei der geplanten EU-Verordnung geht es auch um Angaben des Haltbarkeitsdatums,des Herstellers oder ob es sich um ein Imitat handelt, etwa Käse aus Pflanzenstoffen. Derartiges Käseimitat ist bei Fertigprodukten wie Pizza, Snacks oder Backwaren verbreitet und hatte im vergangenen Jahr als Analogkäse Schlagzeilen gemacht.
Umstritten ist im Parlament ebenso wie unter den Mitgliedstaaten, ob die Verordnung nur für verpackte Produkte gelten soll oder auch für - erst beim Verkauf verpacktes - Brot vom Bäcker, Fleisch vom Metzger oder Delikatessen. Die zuständige Abgeordnete Renate Sommer (CDU) sprach sich dagegen aus: "Sonst müsste neben jeder Praline ein Schildchen stehen, das geht nicht." Nach Meinung der Abgeordneten sollen die Regeln nicht für kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 100 Arbeitskräften und einer Bilanzsumme von unter fünf Millionen Euro gelten.
Die Angaben über Fett- und Zuckergehalt - etwa in Keksen und Müslis - sollen insbesondere helfen, gegen die wachsende Fettleibigkeit bei Kindern anzukämpfen. Doch ob die nun geplante Kennzeichnung dieses Ziel erreichen kann, darüber tobte monatelang ein erbitterter Streit zwischen Verbraucherschützern, Ärzten, Lebensmittelindustrie, Politikern und Experten aus unterschiedlichen Lagern. Verbraucherschützer, Krankenkassen - und unmittelbar vor der Ausschusssitzung auch Kinderärzte aus ganz Europa - hatten eine Ampelkennzeichnung gefordert. Damit hätten zum Beispiel besonders süße und fetthaltige Speisen einen roten Punkt, gesunde Ware einen grünen Punkt erhalten. Dagegen machte die Lebensmittelindustrie mobil. Die Ampel sei zu simpel, entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage und führe Verbraucher in die Irre, warnen etwa in Deutschland Großkonzerne wie Kraft Foods Deutschland, Kelogg-Deutschland, Danone oder Coca-Cola.
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) unterstützt die Empfehlung des EU-Gesundheitsausschusses. "In Zukunft wird die Kennzeichnung für alle Lebensmittel verpflichtend sein", sagte Aigner der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Damit sich die Verbraucher ausgewogen und gesund ernähren können, müssen sie wissen, wie hoch der Energiegehalt und die Nährwerte von Lebensmitteln sind."
Die Befürworter der Ampel geben sich aber nicht geschlagen - zumal das Votum im Ausschuss mit 30 Ja- und 31 Nein-Stimmen denkbar knapp ausfiel. Im Mai wird das Plenum der EU-Volksvertretung über die geplante Verordnung abstimmen, anschließend ist der Ministerrat an der Reihe, in dem die 27 EU-Staaten vertreten sind.
dpa/afp/tze
Christa schrieb:
am 18. März 2010 um 13:09:13
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Ampel? Wer braucht das?
Jeder Mensch weiß doch auch ohne roten Punkt, dass z.B. Chips oder Erdnüsse viel Fett und Salz enthalten oder dass
Nutella viel Zucker und Fett enthält - und wer das bis jetzt immer noch nicht mitbekommen hat, der will es auch gar nicht wissen. Nährwertangaben in Zahlen wären völlig ausreichend.
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Angela Wagner schrieb:
am 18. März 2010 um 09:06:51
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BEDENKLICH
Die Entscheidung Bankern Geld zu geben war in wenigen Stunden gefallen, weil ja Banken systemrelevant sind.
Aber den arbeitenden
Volk eine einfache Möglichkeit über ihre billigen, ungesunden Discoutnahrungsmittel zu entscheiden, zu geben ist natürlich nicht möglich. Es wird sich weiter in verschlungenen Angaben gehalten, die oberflächlich besser sind als der chemische Brei dieser Lebensmittel.
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