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Lebensmittelimitate: Verbraucherschützer entlarven billige Ersatzstoffe

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Verbraucherschützer entlarven Lebensmittel-Imitate

10.07.2009, 09:17 Uhr | Spiegel Online / Susanne Amann

Laut Verbraucherschützern stecken in vielen Lebensmitteln Plagiate. (Foto: Verbraucherzentrale Hamburg)Laut Verbraucherschützern stecken in vielen Lebensmitteln Plagiate. (Foto: Verbraucherzentrale Hamburg)Pflanzenfett statt Kuhmilch, gepresstes Eiweiß statt Fisch, Geschmacksverstärker statt Meerrettich: Immer mehr Lebensmittelhersteller sparen an den Zutaten - ohne dass der Verbraucher es merkt. Eine Liste der Verbraucherzentrale Hamburg nennt die Plagiatoren.

Achtung Diese Lebensmittel sind gefälscht
Falscher Käse Diese Lebensmittel enthalten Analogkäse

Krebsfleischimitat ist minderwertig

Es gibt Worte, die nicht für den Verbraucher bestimmt sind. Sie lauten Krebsfleischimitat, Fischmuskeleiweiß, Erbsenstärke, synthetisches Vanillin, Algenkonzentrat und Formfleisch. Und dennoch sind diese Zutaten Bestandteil vieler Lebensmittel, die Konsumenten tagtäglich in deutschen Supermärkten in ihren Einkaufswagen legen - und später ahnungslos verzehren im Glauben, es handele sich um hochwertige, gesunde und vor allem vollwertige Produkte.

Hersteller sparen bei Originalzutaten

Doch genau das ist nicht der Fall, wie eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt. Die Lebensmittelexperten haben gezielt verschiedene Nahrungsmittel analysiert und kommen zu einem verheerenden Ergebnis: Immer mehr Anbieter sparen bei ihren Produkten an den Originalzutaten und verwenden stattdessen billigere Ersatzstoffe. "Der Käufer muss inzwischen nicht mehr nur mit Analogkäse und Formschinken rechnen, sondern auch mit gestrecktem Pesto oder Schokoladenkeksen ohne Schokolade", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale. "Und das nicht nur bei den Billigmarken, sondern auch bei teuren Markenartikeln."

Gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform

Tatsächlich ist die Liste der Verbraucherschützer lang: So enthalten etwa die Wasabi Erdnüsse der Firma Lorenz Bahlsen statt dem echten japanischen Meerrettich (Wasabi) "minderwertige Zutaten wie Spirulinakonzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff". Die Mini-Kekse Bolde von Delacre haben statt Schokoladenfüllung eine Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladenimitat". Anstelle einer echten Surimi-Garnele erhält der Kunde im Handel unter Umständen gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform. Selbst die Bio-Vollkorntoast-Brötchen von Aldi Nord bestehen nur zu 60 Prozent aus Vollkornmehl, obwohl die Leitsätze für Brot und Kleingebäck 90 Prozent vorschreiben. Gestreckt wird hier mit Weizenmehl, damit das keinem auffällt, wird mit Gerstenmalzsirup gefärbt.

Fälschung ist nicht zu erkennen

Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen - und sie zeigt vor allem eines: Wer sich beim Einkaufen auf schöne Namen wie "Hähnchenschnitten" und "Premium-Eis - mit Sahne verfeinert" oder gar die Bilder von saftigen Steaks und Käseschnitten verlässt, tappt oft in die "Plagiate-Falle", wie Verbraucherschützerin Schwartau es nennt. Die Kunden würden getäuscht, denn auf den ersten Blick sei nicht zu erkennen, dass etwa in den Wasabi-Erdnüssen kein Wasabi enthalten sei, warnen die Experten. "Die Anbieter sparen, indem sie minderwertige Zutaten verwenden, dem Käufer aber suggerieren, er kaufe ein Produkt mit wertvollen und qualitativen Inhaltsstoffen."

Hersteller fühlen sich unschuldig

Tatsächlich hält sich das Schuldbewusstsein der Lebensmittelindustrie in Grenzen: Mit den Vorwürfen der Verbraucherschützer konfrontiert, heißt es etwa von der Firma Lorenz Bahlsen, die beanstandeten Inhaltsstoffe seien "eindeutig auf der Packung angeführt" und damit erkennbar. "Wie es das deutsche Lebensmittelgesetz vorschreibt, seht auf der Vorderseite gut erkennbar Wasabi-Geschmack. Darüber hinaus steht auf der Rückseite klar und deutlich '… die nach asiatischem Meerrettich schmeckt'." Man versuche "eindeutig nicht zu vermitteln, dass in dem Produkt echtes Wasabi enthalten ist".

Inhaltsstoffe stehen auf dem Etikett

Auf Nachfrage werden die von den Verbraucherschützern kritisierten Inhaltsstoffe von kaum einem Unternehmen bestritten. "Die Zusammensetzung unseres Produkts ist ausführlich und deutlich auf dem Etikett aufgedruckt, so dass die Verbraucher sich direkt am Regal darüber informieren können", lautet der Tenor auch bei Buitoni, Delacre und dem Hersteller von Fol-Epi-Käse, Bongrain. Andere genannte Anbieter wie Aldi Nord reagierten nicht auf die Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Was bedeutet das für die Verbraucher? Weiter zu Teil 2

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Quelle: Spiegel Online

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