09.11.2011, 14:30 Uhr | dpa
Studie: Ein starkes Immunsystem kann Leberkrebs verhindern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Ein starkes Immunsystem kann vermutlich Leberkrebs verhindern. Forscher des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konnten nachweisen, dass ein gesundes und leistungsfähiges Immunsystem potenzielle Krebsvorläuferzellen in der Leber frühzeitig entdecken und abtöten kann.
Ihre Erkenntnisse - bei Versuchen mit Mäusen und Studien mit Patienten gewonnen - beschreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature". So treten Leber-Zellen, die gefährdet sind, zu Tumorzellen zu entarten, in einen Ruhezustand. Durch diese Art "Winterschlaf" werden sie für das Immunsystem in besonderer Weise erkennbar. Dann beginnt die körpereigene Abwehr, diese Zellen zu überwachen und zu beseitigen, bevor der Krebs ausbricht.
Der Ruhezustand schütze fehlerhafte Zellen davor, sich unkontrolliert zu vermehren und Tumore zu bilden. "So verhindert der Körper, dass die Zellen sich weiter verändern und doch zu einem Krebs heranwachsen", erklärt Professor Lars Zender, Leiter der HZI-Forschergruppe Chronische Infektionen und Krebs. Diese Leistung könne ein geschwächtes Immunsystem wahrscheinlich nicht in vollem Umfang erbringen, so die Forscher. Ein ähnlicher Mechanismus wie in der Leber könnte auch in anderen Organen eine Schlüsselrolle spielen, vermuten sie.
Um den Zusammenhang zwischen dem Ruhezustand - der sogenannten Seneszenz - der Immunabwehr und der Krebsentstehung zu untersuchen, lösten die Forscher das Seneszenz-Programm in Leberzellen von Labormäusen mit molekularbiologischen Methoden aus. "Wir konnten deutlich sehen, dass das Immunsystem eine starke Reaktion gegen die veränderten Zellen startet", sagte Zender. Nach einigen Wochen seien die veränderten Zellen aus dem Körper entfernt gewesen.
In Mäusen, die einen Immundefekt und daher keine T-Helferzellen zur Abwehr besitzen, konnten die Forscher beobachten, dass sich die seneszenten Leberzellen zu einem Leberzellkarzinom entwickelten. "Das zeigt deutlich, wie wichtig die Überwachung der seneszenten Zellen durch das Immunsystem und speziell durch die Helferzellen ist", erklärte Zender.
Der neu identifizierte Mechanismus biete auch eine Erklärungsmöglichkeit für die Tatsache, dass für HIV-positive Patienten ein erhöhtes Leberkrebs-Risiko besteht. "Bei HIV-Patienten ist die Immunabwehr durch T-Helferzellen beeinträchtigt, so dass in Lebern von HIV Patienten seneszente Leberzellen wahrscheinlich nicht effektiv entfernt werden können." Die Autoren der Studie hoffen, dass der entdeckte Mechanismus neue Ansätze für die Prävention und Therapie bei Krebserkrankungen ermöglichen wird. Bis die Erkenntnisse in der Therapie für Krebskranke angewendet werden können, wird es allerdings noch viele Jahre dauern.
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Quelle: dpa
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