02.01.2008, 11:48 Uhr | ug
Schönheitsmittel zum Schlucken? Kieselerde-Präparate unter Verdacht. (Foto: Archiv)Volle Haarpracht, feste Nägel, straffe Haut: Das versprechen sich besonders Frauen, die regelmäßig Kieselerde-Präparate schlucken. In Drogerien, Apotheken, Reformhäusern und sogar Supermärkten bieten die Hersteller ihre vermeintlichen Schönheitsmittel an und erzielen Millionenumsätze. Doch die Mittel sind nach Expertenmeinung nicht nur völlig nutzlos, sondern enthalten sogar „Gefahrenstoffe“. Das berichtet das ARD-Magazin „Plusminus“. "Kieselerde kann bei langer Anwendung die Niere schädigen", warnt Mediziner Wolfgang Becker-Brüser. Verbraucherschützer halten die Mittel für "überflüssig" und beklagen eine Täuschung der Konsumenten. Landesbehörden prüfen jetzt, ob die so genannten Nahrungsergänzungsmittel weiterhin verkauft werden dürfen.
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In neun von zehn Mittel steckt – wie in normalem Sand – hauptsächlich Quarz oder Cristobalit. Das ergab eine Untersuchung des Instituts für Mineralogie der Universität Hamburg und der Bundesanstalt für Materialforschung im Auftrag von „Plusminus“ und „NDR Info“. Beide Inhaltstoffe sind kristalline Formen von Siliziumdioxid, das fein gemahlen in anderen Industriebereichen sogar als "Gefahrstoff" gilt, so das TV-Magazin. Wird der feine Quarzstaub eingeatmet, steigt das Risiko an Lungentumoren zu erkranken. Eine Gesundheitsgefahr könne nicht ausgeschlossen werden, wenn Quarzstäube in Form der Präparate geschluckt werden, bestätigt das Fraunhofer Institut für Toxikologie in Hannover.
Darüber hinaus sehen Mediziner die Wirkung der vermeintlichen Schönheitsmittel kritisch: "Kieselerde ist ein überflüssiges Produkt. Es wird mit vielen Versprechungen auf den Markt gebracht, die nicht gehalten werden können. Es kann potentiell bei langer Anwendung die Niere schädigen. Insofern gibt es keine Veranlassung, Kieselsäure zu schlucken und dafür auch noch viel Geld auszugeben", so Wolfgang Becker-Brüser. Er ist Herausgeber des "arznei-telegramm", ein Informationsblatt für den Pharmabereich, das monatlich 30.000 Ärzte und Apotheker deutschlandweit beziehen.
Für "nicht verkehrsfähig" halten die Verbraucherschutzministerien von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz die Präparate. Das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen schreibt gegenüber "Plusminus": "Wenn sich die Ergebnisse Ihres Tests bestätigen, wird der Hersteller durch die zuständige Behörde aufgefordert, den Vertrieb des Produktes einzustellen". Auch die Verbraucherschutzminister in Baden-Württemberg prüfen derzeit, ob Kieselerde-Präparate rechtmäßig auf dem Markt seien, da unter anderem der Verdacht bestehe, dass eine Täuschung der Verbraucher vorliege. Hersteller dürften das anders sehen. Ihre Aussage: Quarz und Cristobalit sind natürliche Bestandteile von Kieselerde oder entstehen während des Verarbeitungsprozesses. Somit würden ihre Produkte den rechtlichen Vorschriften entsprechen.
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