
10.11.2010, 08:31 Uhr | Silvia Dahlkamp
Stephanie S. ist eine von rund drei Millionen Deutschen, die krankhaft schwitzen. (Foto: Silvia Dahlkamp)
Stephanie S. schwitzte - krankhaft. 150 Milliliter Flüssigkeit schied allein ihre linke Hand binnen fünf Minuten aus, ein Liter am ganzen Körper pro Tag wäre normal. Die junge Frau litt, wurde zur Außenseiterin. Die Lösung des Problems war verblüffend.
"Welt noch in Ordnung" hat Stephanie S. über ein Foto in ihrem Album gekritzelt. Die Aufnahme ist Jahre alt, entstand kurz nach ihrer Jugendweihe. Sie zeigt Stephanie als Teenager, im hautengen grünen Kleid. Stolz lächelt sie in die Kamera - eines der letzten Bilder ohne Flecken unter den Achseln. Eine Seite weiter ist die unbeschwerte Jugend schon vorbei. Abschlussfoto, Realschule, 10. Klasse, in einem kleinen Nest nahe Magdeburg: Ernst steht das Mädchen in der ersten Reihe, presst die Arme fest an die Seiten, wie angeklebt sehen sie aus. 16 Jahre war sie damals alt. "Ich fühlte mich ekelig. Die Welt war nicht mehr in Ordnung."
Jahrelang war das so. Es lief und lief und lief. Jeden Sommer schmolz Stephanie S. wie ein Schneemann in der prallen Sonne regelrecht dahin. Aus allen Poren tropfte literweise Schweiß, sogar in ihren Schuhen standen Pfützen. "Spider-Woman" ulken die Kollegen im Sommer 2008, wenn die zierliche Bürokauffrau, 26, aus Potsdam die Handflächen auf den Schreibtisch legt und ein halbes Dutzend Blätter daran kleben bleiben. Trägt sie den Terminordner das kurze Stück Weg ins Chefzimmer, wellt sich bei der Übergabe bereits der Aktendeckel. Manchmal flutscht ihr einfach der Kugelschreiber aus den nassen Fingern - quer durch das ganze Büro. Es tropft, es fließt, es riecht und hört eigentlich nie auf. Nicht im Winter und schon gar nicht, wenn draußen Sahara-Hitze quält.
Hyperhidrose nennen Ärzte die Krankheit. "In mir ist ein Thermostat kaputt", klagt die junge Frau. Und niemand kann es reparieren. Dabei ist Schwitzen eigentlich gesund. Es schützt den Körper, wenn er heiß läuft. Transportiert die Wärme über bis zu vier Millionen Drüsen von innen nach außen. Eine perfekte natürliche Klimaanlage - wenn sie sich nach einer Hitzeattacke denn auch wieder automatisch abschalten würde. Bei Stephanie S. läuft die Kältemaschine seit über zehn Jahren - nonstop. Bis zu 150 Milliliter Kühlflüssigkeit produziert allein ihre linke Hand in fünf Minuten. Tausend Milliliter am ganzen Körper pro Tag wären normal.
Von ihrem letzten Schultag, als die Welt so plötzlich in Unordnung geriet, hat Stephanie S. später noch oft geträumt. Der Direktor ruft ihren Namen auf. Sie steht auf. Das samtrote Kleid sieht sexy aus. Und dann merkt sie, wie es läuft. Sie wird nervös, das Herz wummert, ihr Körper schmeißt panisch die "Klimaanlage" an. Sie tippelt in ihren schwarzen Pumps zum Pult und fühlt sich, als steige sie direkt aus einem Pool. Das Kleid ist klatschnass - am Rücken, an den Seiten, am Dekolleté. Und die ganze Schule sieht zu. Der Bürgermeister, die Nachbarn, auch ihre Eltern, die mit der Großmutter stolz in den hinteren Reihen sitzen. Stephanie schämt sich. Steif wie ein Zinnsoldat nimmt sie das Abschlusszeugnis entgegen. Während der Zeremonie hängen die Arme wie festgenagelt an ihren Schultern. Sie hat dem Schulleiter nicht die Hand gegeben. Sie brauchte ihre Arme, um das Malheur zu verstecken.
Lesen Sie im 2. Teil: So besiegte Stephanie die Hyperhidrose
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Quelle: Spiegel Online
Leserin schrieb:
am 1. September 2010 um 15:37:08
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Info
Nur mal zur Info: Die Krankenkasse zahlt die Botoxspritzen! Dafür muss niemand 500 € bezahlen!
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Emiliá schrieb:
am 1. September 2010 um 14:37:34
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Starkes Schwitzen
mein Mann hat viele Jahre sehr stark unter den Armen geschwitz, ein Hautarzt hat ihm dann ein Gerät das leichte
Stromstöße abgibt verschrieben, die Kasse hat es bezahlt und meín Mann ist Heute völlig geheilt.
mehr
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Nörle schrieb:
am 31. August 2010 um 21:07:20
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Was
Ich schwitze nur übermässig bei der Arbeit ..
Deshalb habe ich mich entschieden nicht mehr zu arbeiten...
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