31.08.2009, 17:16 Uhr | cme
Zu viel Reinlichkeit kann schaden. (Foto: Imago)Ob in Küche, Schlafzimmer oder Bad: Im Haushalt lauern Millionen von Keimen. Nicht alle sind schädlich, doch ohne entsprechende Hygiene können sich Krankheitserreger explosionsartig vermehren. Viele Menschen schießen bei Reinigung und Körperpflege allerdings übers Ziel hinaus: Sie duschen, wienern und schrubben, was das Zeug hält und zerstören damit auch die "guten" Keime. Brauche ich Desinfektionsmittel und wo droht im Haushalt Gefahr? Wir haben einen Experten befragt, wie viel Sauberkeit nötig ist und was zu viel des Guten ist.
Wie viel Sauberkeit muss sein? Sechs Fragen zur Hygiene
Küchen-Hygiene So haben Bakterien keine Chance
Ob im Bad, in der Küche oder beim Waschen: Aus Angst vor gefährlichen Keimen greifen viele Menschen am liebsten zu Desinfektionsmitteln. Nach dem Motto "Dann kann mir nichts passieren" wird geschrubbt und gewienert, was das Zeug hält. Doch antibakterielle Reiniger richten mehr Schaden an als dass sie nutzen. "Der Reiniger gelangt in die Umwelt und zerstört dort das bakterielle Gleichgewicht", sagt Professor Jürgen Heesemann, Mikrobiologe am Max von Pettenkofer-Institut in München. Eine mögliche Folge sei die Bildung von resistenten Bakterien. "Selbst die Kloschüssel muss nicht desinfiziert werden", so Heesemann. Da die meisten Keime im Haushalt harmlos sind, genügt ein einfacher Haushaltsreiniger.
Überall im Haushalt gibt es Keime, doch krank werden wir deswegen noch lange nicht. Denn die meisten Mikroorganismen sind harmlos. Am ehesten werden Krankheitserreger in die Küche eingeschleppt, zum Beispiel durch tiefgefrorenes Geflügel. Wer hier bedenkenlos herumhantiert und die benutzten Küchengeräte nicht gründlich säubert, infiziert sich möglicherweise mit Salmonellen. Im Kühlschrank sollten Lebensmittel stets gut verschlossen aufbewahrt werden. Als zweite Gefahrenquelle nennt Heesemann den Duschkopf im Bad. Dort können sich Legionellen einnisten, die bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem die gefährliche Legionärskrankheit auslösen können. Vor allem Duschen, die einige Tage oder Wochen nicht benutzt wurden, können befallen sein.
Wie beim Putzen sollte man es auch bei der Körperpflege nicht übertreiben. Als wichtigste Maßnahme gilt ohnehin das Händewaschen. Wer täglich duscht, sollte das Wasser nicht zu heiß einstellen und ein mildes Duschgel verwenden. Antibakterielle Seifen sind überflüssig oder sogar schädlich. "Wir sind wandelnde Bakterienhaufen", sagt Experte Heesemann. Desinfizierende Seifen schaden vor allem den harmlosen und nützlichen Bakterien. "Antibakterielle Mittel sollten medizinischen Therapien vorbehalten bleiben, zum Beispiel zur Wunddesinfektion", so Heesemann.
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