17.02.2012, 11:45 Uhr | ap
Vorhofflimmern kann gefährliche Folgen haben. (Foto: imago)Drei Milliarden Mal schlägt das menschliche Herz in einem 80 Jahre langen Leben. Auf rund 100.000 Schläge kommt es an einem Tag. Da kann die Pumpe gelegentlich mal aus dem Takt kommen. Vorsicht ist aber geboten, wenn der menschliche Motor wiederholt für längere Zeit aus dem Rhythmus fällt. Typische Anzeichen eines Vorhofflimmerns sind ein unregelmäßiger Puls, Herzrasen, Atemnot und Angstgefühl. Schätzungen zufolge sind rund eine Million Menschen in Deutschland davon betroffen. Damit ist das Vorhofflimmern die häufigste Art von Herzrhythmusstörung.
Experten zufolge wird sich die Zahl in den nächsten 50 Jahren aufgrund der Altersstruktur und ungesunder Lebensweise verdoppeln. Im Gegensatz zu dem wesentlich selteneren, aber lebensbedrohlichen Kammerflimmern, ist Vorhofflimmern nicht sofort tödlich. "In der Therapie wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht", sagt Professor Michael Oeff, Chefarzt am Städtischen Klinikum Brandenburg. "Trotzdem stirbt noch immer eine beachtliche Zahl von Menschen an den Komplikationen dieser Erkrankung." So zeigen Untersuchungen, dass etwa jeder vierte Schlaganfallpatient vorher unter Vorhofflimmern leidet.
Das Vorhofflimmern entsteht, wenn sich die Herzvorhöfe aufgrund der fehlerhaften Ausbreitung der Herzströme nicht mehr richtig zusammenziehen, sondern nur noch unkoordiniert zucken. Im Normalzustand schlägt das Herz rund 70 Mal in der Minute, beim Flimmern der Vorhöfe kann die Herzschlagfolge auf bis zu 150 Schläge pro Minute steigen. Das belastet nicht nur den Herzmuskel, sondern schränkt wegen der reduzierten Pumpleistung auch die Leistungsfähigkeit des Betroffenen ein. "Noch gefährlicher ist aber, dass sich an den Wänden der beinahe bewegungslosen Herzvorhöfe leicht Gerinnsel bilden, die - mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült - Hirnschläge auslösen können", warnt Oeff.
Mediziner halten die unterschiedlichsten Ursachen für möglich. Die überwiegende Zahl der Betroffenen leidet bereits an einer Herzkrankheit. Dazu gehören vor allem kranke Herzkranzgefäße, Herzklappenfehler und Herzmuskelerkrankungen. Etwa ein Drittel der Patienten hat zu hohen Blutdruck. Auslöser kann auch die Überfunktion der Schilddrüse sein. Risikofaktoren sind zudem Diabetes und Übergewicht. Die Therapie kann deshalb nur gelingen, wenn die Grunderkrankungen mit behandelt werden.
Das wichtigste Mittel zur Vermeidung von Schlaganfällen sind blutverdünnende Medikamente. Mehr als zwei Drittel der Patienten werden nach Angaben von Professor Paulus Kirchhof vom Uniklinikum Münster damit therapiert. Die Gerinnungsneigung des Blutes muss aber in kurzen Abständen überprüft werden, sagt Oeff. Andere Medikamente oder Nahrungsmittel können ihre Wirkung verstärken oder abschwächen. Dann besteht die Gefahr, dass der Patient unzureichend vor einem Hirnschlag geschützt ist oder ein erhöhtes Blutungsrisiko trägt.
Zur Therapie gehören auch Medikamente, die den Herzrhythmus stabilisieren. "Diese sind jedoch längst nicht immer anhaltend effektiv, so dass das Vorhoffflimmern wieder auftreten kann", sagt Oeff. Außerdem können Nebenwirkungen auftreten. Die medizinische Forschung ist auf der Suche nach alternativen Arzneimitteln. Das Vorhofflimmern ist eine fortschreitende Krankheit. Unbehandelt werden die Abstände zwischen den Krankheitsschüben immer kürzer - bis das Flimmern nicht mehr aufhört.
Trotzdem wird das Vorhofflimmern bei einem Teil der Ärzte und Patienten noch nicht ernst genug genommen. "Vor ein paar Jahren hat mehr als ein Drittel der Betroffenen keine blutverdünnenden Medikamente genommen", sagt Oeff. Das habe sich jetzt etwas gebessert, aber eine Dunkelziffer bleibe trotzdem. Da auch ein nicht bemerktes Vorhofflimmern Komplikationen verursachen kann, hat das Kompetenznetz ein neues Projekt gestartet. Dabei werden systematisch Menschen untersucht, die glauben, frei von diesen Rhythmusstörungen zu sein. Die Ergebnisse dazu werden mit Spannung erwartet.
ap
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