02.09.2011, 12:20 Uhr
Gicht: Die Schmerzattacken beginnen oft in Zehen oder Fingern. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Die Schmerzen kommen gern in der Nacht. Dann tut der große Zeh plötzlich höllisch weh, schwillt an, ist heiß und krebsrot. Der Anfall kann so schlimm sein, dass selbst eine federleichte Bettdecke über dem Fuß als unerträglicher Druck empfunden wird. Wer zum ersten Mal von einer solchen Schmerzattacke überrollt wird, glaubt zuerst, sein Zeh sei gebrochen. Tatsächlich macht der Betroffene einen akuten Gichtanfall mit.
Schon Alexander der Große, Ludwig XIV., Friedrich der Große und auch Goethe kannten die extremen Schmerzen. Heute leiden etwa zwei Prozent der Deutschen an Gicht. Hinter der Gelenkkrankheit steckt ein viel zu hoher Harnsäurespiegel im Körper. Und es werden immer mehr, wie Stefan Schewe, Rheumatologe und Professor am Klinikum der Universität München, berichtet.
Zwar ist die Veranlagung für Gicht erblich. Direkter Auslöser der Schmerzattacken sind aber meist zu üppiges Essen, viel Fleisch, Schalentiere und Innereien, reichlich Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht. Heute gilt Gicht als Wohlstandskrankheit, das oft Hand in Hand geht mit Diabetes oder Bluthochdruck.
An der Stoffwechselstörung erkranken hauptsächlich Männer, meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Frauen trifft die Gicht normalerweise nicht vor den Wechseljahren - wahrscheinlich, weil die weiblichen Geschlechtshormone bis dahin als Schutzschild fungieren. Während Goethe & Co. meist wochenlang die Zähne zusammenbeißen mussten, bis ein Anfall aufhörte, sind die Schmerzen inzwischen mit einer Spritze schnell in den Griff zu kriegen.
Doch damit ist die Krankheit nicht vorbei, wie viele Patienten glauben. Ihr Körper produziert immer weiter zu viel Harnsäure. Deren nadelspitze Kristalle lagern sich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, in der Haut und im Ohrknorpel ab. Die Folge sind schmerzhafte Gelenkentzündungen am großen Zeh, an Knie und Ellenbogen sowie in den Nieren.
"Bleibt die Gicht unbehandelt, kommen immer mehr Anfälle in immer kürzeren Abständen", warnt Schewe. Das Gefährliche an dem Leiden sei, dass nach ein paar Jahren die akuten Schmerzattacken zwar aufhören, die Harnkristalle sich aber noch stärker ablagern. Die Folgen: Chronische Gelenkzerstörung, schlimme Schäden an Knochen, Gelenken und Nieren. Wegen des ständig erhöhten Harnsäurespiegels steigt auch das Risiko für tödliche Herzerkrankungen, wie eine amerikanische Langzeitstudie herausgefunden hat.
Die meisten Betroffenen und sogar viele Hausärzte nehmen die Krankheit oft auf die leichte Schulter, ist Rheumatologe Schewe besorgt: "Da wird viel falsch gemacht." Manche Patienten ließen aus Leichtsinn einfach ihre Medikamente weg, wenn der akute Schmerz vorüber sei. Und viele Mediziner seien zu zögerlich, was das konsequente Therapieren mit Medikamenten angeht.
Dabei muss der Harnsäurespiegel auf Dauer unbedingt runter, wenn die Krankheit nicht fortschreiten soll. Gichtpatienten müssten einen Harnsäurespiegel von unter sechs Milligramm pro Deziliter erreichen, betont Schewe. Aber wie ist das zu schaffen? Einmal über das regelmäßige Einnehmen von Medikamenten, die entweder das Übersäuern des Körpers von vornherein abblocken oder helfen, die Harnsäure auszuscheiden.
Und dann heißt es konsequent Maß halten, Sport treiben und sich purinarm zu ernähren. Purine sind Eiweißverbindungen, die in Lebensmitteln vorkommen. Besonders viele davon sind in Alkohol enthalten, vor allem in Bier, weniger in Wein. Aber auch in rotes Fleisch, Innereien, Meeresfrüchte, Speck und Hülsenfrüchte enthalten Purine. Ohne Verzicht kommen die Anfälle immer wieder. "Wer einmal Gicht hatte, wird sie sein Leben lang nicht mehr los", mahnt Schewe.
Quelle: dapd
lapaloma schrieb:
am 1. Oktober 2011 um 10:12:17
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gicht
nicht mehr essen und trinken was mir schmeckt und dafür vieleicht eine andere krankheit bekommen?habe selber gicht und kann damit gut
leben.werde auch weiterhin essen und trinken was ich will,das ist so ein gichtschub allemal wert.
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Nathan schrieb:
am 6. September 2011 um 20:52:47
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Gicht
Gicht ist die Hölle, war selber betroffen! Entstehung der Gicht => Purin=>Harnsäure=>Ausfällung der Harnsäure durch Wechsel des
Aggregatzustandes von flüssig zur kristallinen Form! Dieses geschieht immer wenn ein Schwellenwert überschritten wird, danach ist die Harnsäure im Blut nicht mehr nachweisbar! Die Kristalle setzen sich in Gewebe und Gelenken ab und führen zu schweren Entzündungen und Schäden an Gelenken! Habe die Gicht selber geheilt ohne Ernährungsumstellung. Aus hartmannth
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Frank schrieb:
am 5. September 2011 um 21:54:01
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Vollkornprodukte
Leide seit ca. 25 Jahren an Gicht. Bin nicht übergewichtig, kein Bluthochdruck,
ausreichend Bewegung, trinke nicht zu viel,
ernähre mich ausgewogen -
war alles schon immer so - trotzdem immer wieder Anfälle, ca. 3 bis 4 mal
pro Jahr. Habe dann mal gelesen, daß Vollkornprodukte pro 100 mg
sehr viel Purin enthält, 100 mg sind bei Vollkornbrot wenig.
Also Vollkornprodukte gemieden und fortan nur noch ca. 1 Anfall
jährlich, und das jetzt schon seit ca. 4 Jahren...
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